Ho­fer knüpft wei­ter Ost­eu­ro­pa-Ban­de

Ho­fer will ein Ge­gen­ge­wicht in der EU schaf­fen. Bür­ger­li­che wer­ben wie­der für Van der Bel­len.

Die Presse am Sonntag - - Inland -

So­bot­ka nennt sich selbst ei­nen re­li­giö­sen Men­schen. Er ha­be zum Glau­ben zu­rück­ge­fun­den. Ein be­freun­de­ter Pries­ter sei ihm auch in je­nen dunk­len St­un­den bei­ge­stan­den, als sei­ne Frau starb, mit der er sechs Kin­der hat. Das war 1999. So­bot­ka ringt nach Wor­ten, wenn er dar­über spricht.

„Das Le­ben ist so. Solch ein Schick­sal er­fah­ren Hun­der­te an­de­re auch“, ver­sucht er zu re­la­ti­vie­ren. Heu­te ist er wie­der ver­hei­ra­tet, sei­ne jet­zi­ge Frau hat zwei wei­te­re Kin­der mit­ge­bracht. Wie er das macht mit der Fa­mi­lie? In ers­ter Li­nie küm­me­re sich die Frau dar­um, am Wo­che­n­en­de ma­che er dann, was er kön­ne. Ei­ne Toch­ter ist be­hin­dert und sitzt im Roll­stuhl.

In der öf­fent­li­chen Wahr­neh­mung gilt Wolf­gang So­bot­ka als rau­er Pol­te­rer nie­der­ös­ter­rei­chi­scher Schu­le. Er sei aber schon ru­hi­ger ge­wor­den, sagt er, be­mü­he sich, all­zu lau­te Tö­ne zu ver­mei­den. Ei­ne schlech­te Nach­re­de wird ihm blei­ben: Lan­des­gel­der ver­spe­ku­liert zu ha­ben. Von ei­ner Mil­li­on Eu­ro Ver­lust spricht der Rech­nungs­hof. So­bot­ka wi­der­spricht en­er­gisch: Die von ihm als Lan­des­rat ver­an­lag­ten Wohn­bau­gel­der hät­ten im­mer wie­der Ge­winn ab­ge­wor­fen, in man­chen Jah­ren halt nicht so ho­he wie zu­vor er­war­tet. Zu­dem lie­fen die Fonds ja noch wei­ter.

Spott und Hä­me ern­te­te So­bot­ka im Sep­tem­ber die­sen Jah­res, als er die Ver­schie­bung der Bun­des­prä­si­den­ten­stich­wahl be­kannt ge­ben muss­te. Erst recht, als er an­reg­te, die Wahl schon am 27. No­vem­ber ab­zu­hal­ten, weil es rund um den 4. De­zem­ber zu vie­le Ni­ko­lofei­ern ge­be. So­bot­ka zum Rück­tritt auf­zu­for­dern, ge­hör­te in den So­zia­len Me­di­en zum gu­ten Ton.

Als Po­li­ti­ker müs­se man das aus­hal­ten, sonst dür­fe man nicht Po­li­ti­ker wer­den, sagt der In­nen­mi­nis­ter. In sei­nen An­fän­gen bei der ÖVP sei er als „Kryp­to­kom­mu­nist“be­schimpft wor­den. Und war­um wird man Po­li­ti­ker? „Nicht, um zu ge­fal­len, son­dern um et­was be­we­gen zu kön­nen.“ Do­sko­zil bes­ser für das Amt. Wo­bei Pe­ter Pilz, der grü­ne Si­cher­heits­spre­cher, da sei­ne Zwei­fel hat: „Für mich ist So­bot­ka ei­gent­lich gar kein In­nen­mi­nis­ter. Er ist kei­ner, der das Me­tier wirk­lich ver­steht. Do­sko­zil wä­re das viel eher. Der ist in der Sa­che we­sent­lich brei­ter auf­ge­stellt und letzt­lich auch ge­schick­ter.“So­bot­ka di­let­tie­re bei der Cy­ber-Se­cu­ri­ty, an­statt ei­ne bes­se­re Po­li­zei zu schaf­fen, und trach­te da­nach, im „Gr­aus­lich­keits­wett­be­werb“bei den Flücht­lin­gen un­sin­ni­ge Här­te zu zei­gen. Aber im­mer­hin, so kon­ze­diert Pilz, pfle­ge So­bot­ka ei­nen an­stän­di­gen Um­gang mit dem Par­la­ment.

Vi­el­leicht hat Pe­ter Pilz da so­gar Recht: In­nen­mi­nis­ter war si­cher nicht der Le­benstraum des Wolf­gang So­bot­ka. Und nach­dem es zum Bern­stein nicht ge­reicht hat – vi­el­leicht reicht es ei­nes Ta­ges ja für den nie­der­ös­ter­rei­chi­schen Lan­des­haupt­mann. Frei­tag­abend hat­te Nor­bert Ho­fer Va­clav´ Klaus zu Gast, den ehe­ma­li­gen tsche­chi­schen Staats­prä­si­den­ten. Bei ei­nem Sym­po­si­on des Frei­heit­li­chen Bil­dungs­in­sti­tuts warn­te Klaus vor Mas­sen­mi­gra­ti­on und de­ren ne­ga­ti­ven Kon­se­quen­zen für die Zu­kunft der Ge­sell­schaft. Er sah so­gar be­reits ei­nen „Krieg in Eu­ro­pa“to­ben – „bis­her zum Glück nur ein Krieg der Ide­en und In­ter­pre­ta­tio­nen“. Das freie Den­ken wer­de aber im­mer mehr un­ter­drückt, und zwar von ei­ner po­li­tisch kor­rek­ten Eli­te, die nur be­ab­sich­ti­ge, Frem­de nach Eu­ro­pa zu schleu­sen.

Das frei­heit­li­che Pu­bli­kum gou­tier­te es mit Wohl­ge­fal­len. Auch die Be­grü­ßung von Va­clav´ Klaus: Er sprach Nor­bert Ho­fer mit „Sehr ge­ehr­ter Herr Prä­si­dent“an. Und Ho­fer selbst mein­te: „Ich bin mir si­cher, dass al­les ver­sucht wird, die­sen Wahl­sieg zu ver­hin­dern.“Aber: „Wir dür­fen die Welt nicht den Mar­xis­ten, Kom­mu­nis­ten oder den Grü­nen über­las­sen.“

Die Ban­de mit mit­tel- und ost­eu­ro­päi­schen Län­dern wie Tsche­chi­en knüpft Ho­fer schon län­ger. Un­längst war er beim am­tie­ren­den tsche­chi­schen Prä­si­den­ten, Mi­losˇ Ze­man, zu Gast. Und auch beim ser­bi­schen Staats­ober­haupt, To­mis­lav Ni­ko­lic.´ „Da­gens Ny­he­ter“. In ei­nem In­ter­view mit der schwe­di­schen Zei­tung „Da­gens Ny­he­ter“sagt Nor­bert Ho­fer, dass er für den Fall, dass er am 4. De­zem­ber ge­wählt wer­de, Ver­bün­de­te in Ost­eu­ro­pa su­che. Er nann­te „Un­garn, die Tsche­chi­sche Re­pu­blik, Ru­mä­ni­en, Ser­bi­en, Slo­we­ni­en, Kroa­ti­en, al­so Län­der mit ei­ner ähn­li­chen Kul­tur“. Er wol­le ein Ge­gen­ge­wicht in der EU auf­bau­en zu den „gro­ßen Play­ern“wie Frank­reich, Deutsch­land, den Be­ne­lux­staa­ten. Das In­ter­view ist al­ler­dings noch nicht er­schie­nen, es liegt le­dig­lich dem „Pro­fil“vor. Er­schei­nen soll es in Schwe­den am Wahl­tag der ös­ter­rei­chi­schen Bundespräsidentenwahl.

In­des­sen ru­fen pro­mi­nen­te Ver­tre­ter des bür­ger­li­chen La­gers – wie schon vor der ers­ten Stich­wahl – zur Wahl von Alex­an­der Van der Bel­len auf. In ei­nem Ma­ni­fest, das von den ÖVPQu­er­den­kern Michael Ikrath und Fer­ry Mai­er in­iti­iert wur­de, spre­chen sie von ei­ner „Rich­tungs­ent­schei­dung für un­ser Ös­ter­reich“. Wei­ter heißt es: „Un­se­re ge­mein­sa­me rot-weiß-ro­te Iden­ti­tät ist ei­ne gro­ße Er­run­gen­schaft. Sie hat ihr Fun­da­ment im Mit­ein­an­der, nicht im Ge­gen­ein­an­der. Wir wol­len nicht mit Spe­ku­la­tio­nen über ei­nen Aus­tritt Ös­ter­reichs aus der Eu­ro­päi­schen Uni­on und nicht mit dem Ver­such, die blaue Korn­blu­me hin­ter dem Kreuz zu ver­ste­cken, kon­fron­tiert wer­den.“Un­ter­zeich­net ha­ben dies un­ter an­de­rem: Er­hard Bu­sek, Franz Fisch­ler, Ma­ria Rauch-Kal­lat, Wil­helm Mol­te­rer, Jo­sef Rieg­ler, Dor­a­ja Eber­le, Chris­tof Zernat­to, Claus Raidl, Oth­mar Ka­ras und Ers­te-Bank-Ös­ter­reich-Chef Thomas Uher. red./APA

In sei­nen An­fän­gen in der ÖVP sei er als »Kryp­to­kum­mu­nist« be­schimpft wor­den.

Cle­mens Fa­b­ry

Wolf­gang So­bot­ka: vom Bür­ger­meis­ter zum In­nen­mi­nis­ter.

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