Fay­manns lan­ger Schat­ten

Der Auf­stand in der Wie­ner SPÖ wur­zelt im un­ge­klär­ten Rich­tungs­streit un­ter Wer­ner Fay­mann, in den die Häupl-Nach­fol­ge hin­ein­spielt. Die­ser könn­te nun den SP-Vor­sitz ab­ge­ben.

Die Presse am Sonntag - - Österreich - VON MAR­TIN STUHL­PFAR­RER

Selbst alt­ge­dien­te Ge­nos­sen, die noch Bru­no Kreis­ky per­sön­lich er­lebt ha­ben, kön­nen sich nicht er­in­nern, je­mals der­ar­ti­ge Sze­nen er­lebt zu ha­ben. Fas­sungs­los wird be­ob­ach­tet, wie in der Wie­ner SPÖ, der be­deu­tends­ten ro­ten Lan­des­par­tei, völ­lig ent­fes­selt ein Rich­tungs­streit tobt. Und den Säu­len­hei­li­gen der Wie­ner SPÖ, Michael Häupl, nach mehr als 20 Jah­ren un­ein­ge­schränk­ter Herr­schaft in der SPÖ so mas­siv be­schä­digt, dass nicht mehr dis­ku­tiert wird, ob – son­dern wann er zu­rück­tritt.

In die­ser er­bit­ter­ten Aus­ein­an­der­set­zung geht es um ein Kon­glo­me­rat drei­er Din­ge: den Kurs der Par­tei in der Fra­ge von Zu­wan­de­rung, Asyl, Min­dest­si­che­rung, die un­ter Wer­ner Fay­mann auf­ge­flammt und un­ge­löst an Chris­ti­an Kern über­ge­ben wur­de – da­mit ver­bun­den die Fra­ge nach dem Um­gang mit der FPÖ. Un­trenn­bar mit dem Rich­tungs­streit ge­kop­pelt ist da­zu die Fra­ge der Nach­fol­ge von Michael Häupl. Und auch die Ei­gen­in­ter­es­sen ver­schie­de­ner Per­so­nen, sei es aus Ra­che­ge­füh­len für die De­mon­ta­ge von Wer­ner Fay­mann oder Macht­stre­ben, ver­schär­fen die oh­ne­hin kaum mehr über­sicht­li­che Si­tua­ti­on. Das führ­te da­zu, dass am Wo­che­n­en­de un­klar war, was bei der Sit­zung des SPÖ-Par­tei­vor­stan­des („Wie­ner Aus­schuss“) am Mon­tag pas­sie­ren wird.

Zwar hat­te Häupl am Don­ners­tag noch ge­meint: Man wer­de im Jän­ner ei­ne Ar­beits­ta­gung zu in­halt­li­chen The­men ab­hal­ten. Aber das gilt nicht mehr – nach­dem es hef­ti­gen Wi­der­stand der ro­ten Re­bel­len gab, wel­che die Par­tei im frei­en Fall se­hen, ei­ne so­for­ti­ge Ent­schei­dung for­dern und ih­re An­lie­gen nicht in ei­ne Ar­beits­grup­pe ir­gend­wann in den Jän­ner ver­räu­men las­sen wol­len: „Das ist in­ak­zep­ta­bel, weil die öf­fent­li­chen Dis­kus­sio­nen sonst bis Jän­ner in vol­ler Här­te wei­ter­ge­hen wür­den.“Die Re­bel­len for­dern als Mi­ni­mum den Rück­tritt von Ge­sund­heits­stadt­rä­tin Son­ja Weh­se­ly, Ga­li­ons­fi­gur der Will­kom­mens­kul­tur. Be­grün­det wird das auch mit zahl­rei­chen Pro­ble­men und Miss­stän­den in ih­rem Res­sort – Stich­wort: Spi­tal Nord, Ärz­te­streiks, un­an­ge­neh­me Rech­nungs­hof­be­rich­te über den Kran­ken­an­stal­ten­ver­bund (KAV), für den Weh­se­ly po­li­tisch ver­ant­wort­lich ist. Druck wur­de zu groß. Wäh­rend Häupl am Don­ners­tag das Sze­na­rio ei­nes par­tei­in­ter­nen Auf­stands non­cha­lant kom­men­tiert hat­te, klang er 48 St­un­den spä­ter völ­lig an­ders. Vor der Vor­stands­sit­zung am Mon­tag stell­te er in ei­nem „Pro­fil“-In­ter­view ei­ne Lö­sung in den Raum – of­fen­bar als An­ge­bot an die Re­bel­len: ei­ne Tren­nung des Par­tei­vor­sit­zes vom Bür­ger­meis­ter­amt, die be­reits in den ver­gan­ge­nen Ta­gen kur­siert war: „Un­ter Hel­mut Zilk war es ge­trennt. Un­ter mir wur­den Bür­ger­meis­ter­amt und Par­tei­vor­sitz wie­der ver­eint. Das muss nicht so blei­ben, auch die Tren­nung war ein Er­folgs­mo­dell.“Nach­satz: Spä­tes­tens im Jän­ner wür­de ent­schie­den, ob die­se Va­ri­an­te taug­lich sei.

Nach In­for­ma­tio­nen der „Pres­se am Sonn­tag“war dem Bür­ger­meis­ter nicht mehr viel üb­rig ge­blie­ben. „Wir ha­ben acht bis zwölf Be­zir­ke“, war in den Krei­sen der Re­bel­len post­wen­dend zu hö­ren, als der Bür­ger­meis­ter den Kon­flikt of­fi­zi­ell in ei­ne Ar­beits­grup­pe im Jän­ner ver­tagt hat­te: „Und sechs Be­zir­ke rei­chen, um den Lan­des­par­tei­tag von Herbst 2017 auf Jän­ner vor­zu­ver­le­gen, um dann über Per­so­nal­ent­schei­dun­gen ab­zu­stim­men.“Nie­mand wol­le an dem Ses­sel des Bür­ger­meis­ters sä­gen, man ste­he grund­sätz­lich hin­ter Häupl, wird in Re­bel­len­krei­sen be­teu­ert: Aber wenn es am Mon­tag kei­ne Kon­se­quen­zen ge­be, Häupl sich auf die Sei­te von Son­ja Weh­se­ly stel­le und es kein kla­res Si­gnal für de­ren Ab­lö­se ge­be, wer­de man den Par­tei­tag vor­zie­hen, war zu hö­ren: „Und dann könn­te nicht nur Son­ja Weh­se­ly zur Dis­po­si­ti­on ste­hen.“Man wer­de „si­cher nicht“ta­ten­los zu­se­hen, wie der de­sas­trö­se Zu­stand der Par­tei bis zum Herbst 2017 ver­län­gert wür­de, wäh­rend die FPÖ-Um­fra­ge­wer­te im­mer wei­ter stie­gen. Ein Ge­nos­se meint er­schüt­tert: „Die De­mon­ta­ge von Michael Häupl be­ginnt wie je­ne von Wer­ner Fay­mann – mit der Dis­kus­si­on über die Vor­ver­le­gung des Par­tei­ta­ges.“

»Bür­ger­meis­ter­amt und Par­tei­vor­sitz wur­den ver­eint. Das muss nicht so blei­ben.« Vor­ver­le­gung des Par­tei­tags auf Jän­ner steht im Raum, wenn es kei­ne Lö­sung gibt.

Das Kli­ma zwi­schen den Frak­tio­nen könn­te je­den­falls nicht ver­gif­te­ter sein. In ei­nem Me­dien­be­richt wur­den (auf Ba­sis von De­tail­in­for­ma­tio­nen aus dem lin­ken SPÖ-Flü­gel) die ro­ten Re­bel­len aus­schließ­lich als „Ra­che für Fay­mann“-Frak­ti­on dar­ge­stellt, de­ren ein­zi­ge Mo­ti­va­ti­on die Ra­che für den Ver­lust von Geld und Pos­ten nach der De­mon­ta­ge des Kanz­lers ist.

Man wis­se, wer in der SPÖ die­se „letzt­klas­si­ge Ak­ti­on“in den Me­di­en lan­ciert ha­be, heißt es bei den Re­bel­len. Dort wird be­tont, dass die ehe­ma­li­gen Fay­mann-Ver­trau­ten nur ein Teil der Re­bel­len sind: „Oder glaubt je­mand ernst­haft, dass die Ge­werk­schaft ei­ne Re­fu­gees-Wel­co­me-Li­nie wie je­ne von Son­ja Weh­se­ly mit­trägt?“Au­ßer­dem müs­se man nur schau­en, wer sich bis­her zu Wort ge­mel­det ha­be. Das wa­ren bei­spiels­wei­se Pro­po­nen­ten, die in den Be­zir­ken Lie­sing, Do­n­au­stadt, Flo­rids­dorf, Sim­me­ring, Dö­bling, Fa­vo­ri­ten und Hiet­zing ver­an­kert sind.

Die engs­te Ver­trau­te von Wer­ner Fay­mann hielt sich bis­her auf­fäl­lig zu­rück. Kein Wun­der, dass des­halb der Na­me von Na­tio­nal­rats­prä­si­den­tin Do­ris Bu­res kur­siert. Wür­de die engs­te Ver­trau­te von Wer­ner Fay­mann als Wie­ner Bür­ger­meis­ter­kan­di­da­tin po­si­tio­niert, wür­de das al­ler­dings eben­so ei­nen Auf­stand in ei­nem gro­ßen Teil der Par­tei nach sich zie­hen. Wo­bei Häupl am Sams­tag so­wie­so Ger­hard Zei­ler ins Spiel ge­bracht hat­te.

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