Der Mann, der das Schul­sys­tem ver­än­dern könn­te

Der Wie­ner Lothar Trie­ren­berg steht hin­ter der Ver­fas­sungs­ge­richts­hof­kla­ge, die al­len Pri­vat­schu­len die glei­chen Rech­te si­chern soll. »Der Pres­se am Sonn­tag« er­zähl­te er, war­um er als Ein­zel­ner die­se Kla­ge fi­nan­ziert.

Die Presse am Sonntag - - Österreich - VON RO­SA SCHMIDT-VIERTHALER

Vor rund 25 Jah­ren ver­such­ten al­ter­na­ti­ve Pri­vat­schu­len be­reits, über den Ver­fas­sungs­ge­richts­hof zu mehr Geld zu kom­men. Die Kla­ge schei­ter­te an for­ma­len Män­geln. War­um war­te­ten Wal­dorf- und Montes­so­ri­schu­len mit ei­ner neu­en Kla­ge ein Vier­tel­jahr­hun­dert? Vor al­lem, weil das Geld da­für fehl­te.

Nun hat ein Ein­zel­ner die nö­ti­gen Mit­tel zur Ver­fü­gung ge­stellt. Und Lothar Trie­ren­berg, ein über­leg­ter Mann En­de vier­zig, muss­te nicht erst da­zu über­re­det wer­den. Er war an der Ent­wick­lung der Idee be­tei­ligt. Dass ka­tho­li­sche oder evan­ge­li­sche Pri­vat­schu­len vom Staat ein Viel­fa­ches des Gel­des be­kom­men, mit dem al­ter­na­ti­ve Pri­vat­schu­len ge­för­dert wer­den, ist für die­se seit Jahr­zehn­ten wie ei­ne of­fe­ne Wun­de. Die La­ge ha­be sich ver­schlech­tert und ers­te Schu­len müss­ten be­reits Kon­kurs an­mel­den, heißt es. Mehr als Wis­sen. Trie­ren­berg kennt die­se miss­li­che La­ge recht gut. Er selbst be­such­te die idyl­lisch ge­le­ge­nen Wal­dorf­schu­le in Mau­er, eben­so sei­ne Frau, und nun ge­hen sei­ne bei­den Kin­der dort­hin. Er ha­be ei­ne „lan­ge und tie­fe Ver­bin­dung“zu die­ser Schu­le, sagt er, und vie­le po­si­ti­ve Er­in­ne­run­gen. Nun sitzt der In­ha­ber des Ge- schäfts und Ca­fes´ „das mö­bel“im Vor­stand eben die­ser Schu­le und über­blickt die fi­nan­zi­el­le La­ge. Ob­wohl die meis­ten El­tern ein Schul­geld von durch­schnitt­lich 300 Eu­ro mo­nat­lich zah­len, müs­se die Schu­le je­de In­ves­ti­ti­on, je­de Re­pa­ra­tur ge­nau ab­wä­gen. „Mei­nem Rechts­ver­ständ­nis nach kann es die­se Un­gleich­be­hand­lung nicht ge­ben“, sagt Trie­ren­berg. „Ich bin in der glück­li­chen La­ge, die Kla­ge fi­nan­zie­ren zu kön­nen“, sagt er und ver­weist auf ei­ne Erb­schaft. „Sol­che Din­ge auf den Weg zu brin­gen“sei sein Haupt­lu­xus. Rechts­an­walt Wolf­ram Proksch wür­de aus ei­nem so­zia­len En­ga­ge­ment her­aus zu ei­nem re­du­zier­ten St­un­den­satz ar­bei­ten – es han­delt sich den­noch um ei­nen Pau­schal­be­trag in der Hö­he ei­nes klei­nen Neu­wa­gens.

Trie­ren­berg ist ein Mann, der häu­fig die Wor­te „ge­sell­schaft­li­che Ver­ant­wor­tung“in den Mund nimmt. Das sei et­was, was man in ei­ner Wal­dorf­schu­le ler­ne. Wie über­haupt so vie­les, was über das rei­ne Wis­sen hin­aus­ge­he. Der zwei­fa­che Va­ter ist ein Idea­list, der ra­tio­nal ar­gu­men­tiert. Durch den ge­ne­rel­len Wett­be­werb wür­den al­le Schu­len bes­ser, sagt er. Und kri­ti­siert, dass sich das Bil­dungs­mi­nis­te­ri­um zwar gern an der Päd­ago­gik der frei­en Schu­len be­die­ne, die­se aber trotz­dem im Re­gen ste­hen lie­ße. Mehr Frei­heit. Wal­dorf hält er für ein Kon­zept, das neue Ide­en, frei­es und kri­ti­sches Den­ken för­dert. Mehr Au­to­no­mie, der Ver­zicht auf No­ten und vie- le päd­ago­gi­sche Ele­men­te sei­en in den al­ter­na­ti­ven Schu­len er­dacht wor­den. „Ich glau­be an die Bil­dungs­kon­zep­te der frei­en Schu­len. Und dar­an, dass das ein wich­ti­ger Bei­trag für die Ge­sell­schaft ist“, sagt Trie­ren­berg. Mit ge­won­ne­ner Kla­ge „wür­de sich die Bil­dungs­land­schaft schlag­ar­tig ver­än­dern“. Kurz­fris­tig wür­de das den ein­zel­nen Schu­len hel­fen, lang­fris­tig wä­re es aber „ein Im­puls für die Bil­dungs­land­schaft“. Der Un­ter­neh­mer glaubt dar­an, dass man die Welt ver­bes­sern kann. Po­li­tisch ak­tiv will er nicht sein: „Ich se­he mich als en­ga­gier­te Pri­vat­per­son, drän­ge aber nicht in die Öf­fent­lich­keit. Da­für feh­len mir Ei­tel­keit und Sen­dungs­be­wusst­sein und ich wür­de be­stimmt in ein Fett­näpf­chen tre­ten.“

Cle­mens Fa­b­ry

Er fährt ein Elek­tro­au­to, en­ga­giert sich für Um­welt und Kul­tur – und für Wal­dorf­schu­len.

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