La­gen- und Re­ser­ve-Wei­ne brau­chen Zeit

Die Presse am Sonntag - - Österreich -

Die „Re­ser­ve“– kaum ein an­de­rer Wein-Be­griff be­schreibt die Vor­stel­lung ei­nes Wei­nes vor­der­grün­dig so ein­fach: Ei­ne „Re­ser­ve“si­gna­li­siert ei­ne län­ge­re Aus­bau- und La­ger­zeit und gilt da­her ge­ne­rell als hoch­wer­ti­ger Wein, vor al­lem bei Rot­wei­nen aus den gro­ßen Wein­län­dern Ita­li­en, Spa­ni­en und auch Frank­reich, wo die „Re­ser­ve“als Qua­li­täts­stu­fe seit Jahr­zehn­ten ge­lebt wird, hat sich der Be­griff ein­ge­brannt. Mit dem vor 20 Jah­ren auf­ge­kom­me­nen ös­ter­rei­chi­schen Rot­wein­wun­der und dem aus­ge­lös­ten Rot­wein­boom fin­den sich „Re­ser­ven“und auch „Gro­ße Re­ser­ven“heu­te zu Hauf auf hei­mi­schen Rot­wei­ne­ti­ket­ten, so­dass der Be­griff be­reits ge­fühlt in­fla­tio­när auf­tritt. Da­her hat hier be­reits wie­der ei­ne Ge­gen­be­we­gung ein­ge­setzt, um dem ent­ge­gen­zu­wir­ken. Aber auch bei un­se­ren Weiß­wei­nen ist die Ka­te­go­rie „Re­ser­ve“üb­lich und ver­brei­tet. An sich ist die „Re­ser­ve“ja et­was Gu­tes und im ös­ter­rei­chi­schen Wein­ge­setz ver­an­kert: Den Be­griff „Re­ser­ve“darf nur ein her­kunfts- und sort­en­ty­pi­scher Qua­li­täts­wein mit Jah­res­an­ga­be und min­des­tens 13 Vo­l­ums­pro­zent Al­ko­hol tra­gen. Für die Re­ser­ve-Qua­li­tät ist zu­dem ei­ne län­ge­re Rei­fe­zeit vor­ge­ge­ben. Da die Wei­ne spä­ter den Kel­ler ver­las­sen, kön­nen sie erst spä­ter zur Prüf­num­mer ein­ge­reicht und ver­mark­tet wer­den. Durch­wegs kom­men da­her die Weiß­wein-Re­ser­ven frü­hes­tens ein Jahr nach der Ern­te auf den Markt; ro­te Re­ser­ven durch ih­ren oft län­ge­ren Aus­bau im Fass weit spä­ter.

Ho­her Qua­li­täts­an­spruch

Vie­le Top-Re­ser­ven – vor al­lem der hei­mi­schen Weiß­wein­win­zer – sind heu­te eng ver­knüpft mit der Idee und Um­set­zung der Her­kunfts­be­to­nung durch die ge­biet­s­ty­pi­schen DAC-Wei­ne, wie sie be­reits in vie­len nie­der­ös­ter­rei­chi­schen Wein­bau­ge­bie­ten vor­kom­men. So war Ös­ter­reichs größ­tes Wein­bau­ge­biet, das Wein­vier­tel, im Jahr 2003 das ers­te Ge­biet, das ei­nen DAC-Sta­tus für sei­nen her- kunfts­ty­pi­schen Wein, den Grü­nen Velt­li­ner, ein­führ­te. 2009 wur­de das stren­ge Re­gel­werk um die zwei­te Stu­fe „DAC Re­ser­ve“er­wei­tert. Der Min­dest­al­ko­hol liegt dort bei den er­wähn­ten 13,0 Vo­l­ums­pro­zent, und die Ein­rei­chung zur staat­li­chen Prüf­num­mer darf nicht vor dem 15. März des auf die Ern­te fol­gen­den Jah­res er­fol­gen. Den ho­hen Qua­li­täts­an­spruch, den die ös­ter­rei­chi­schen Re­ser­ve-Wei­ne mit­brin­gen, treibt die Ver­ei­ni­gung der Ös­ter­rei­chi­schen Tra­di­ti­ons­wein­gü­ter (ÖTW) noch ei­nen Schritt wei­ter. Die ÖTWWin­zer, die sich mitt­ler­wei­le über vier Wein­bau­ge­bie­te ver­tei­len, ver­knüp­fen ih­re Re­ser­ve-Wei­ne stark mit ih­ren Top-La­gen, denn „nicht über­all, wo Re­ben ge­pflanzt sind, wächst die glei­che Qua­li­tät her­an“, be­to­nen die 33 ÖTW-Win­zer. Die­ses be­son­de­re „Ter­ro­ir“, das ei­ne gro­ße La­ge aus­zeich­net, ist das Zu­sam­men­spiel aus Bo­den­struk­tur, Nie­der­schlags­men­ge und Luft­strö­mun­gen. Auch die Ex­po­si­ti­on und Hö­hen­la­ge der Wein­gär­ten und die Tem­pe­ra­tur­ent­wick­lung im Jah­res­ver­lauf so­wie die Schwan­kun­gen zwi­schen Tag- und Nacht­tem­pe­ra­tur im Herbst, wenn sich das Aro­ma in den Trau­ben aus­bil­det, prä­gen das so­ge­nann­te Mi­kro­kli­ma. In ih­rer La­gen­klas­si­fi­ka­ti­on füh­ren die ÖTW-Win­zer 62 Wein­gär­ten, die das Prä­di­kat „Ers­te La­ge“auf dem Eti­kett tra­gen dür­fen. Da­bei han­delt es sich laut ÖTW „wie auch bei der DAC-Re­ge­lung aus­schließ­lich um die bei­den tra­di­tio­nells­ten Sor­ten im Do­nau­raum, Grü­ner Velt­li­ner und Ries­ling“, die je­weils in tro­cke­ner Sti­lis­tik aus­ge­baut sind. Auch die sechs Wi­enWein-Win­zer, die seit zehn Jah­ren ge­mein­sam an ei­ner Wein-Qua­li­täts­py­ra­mi­de in der Bun­des­haupt­stadt bau­en, trei­ben ge­ra­de ei­ne La­gen­klas­si­fi­zie­rung vor­an. Die sechs Win­zer­freun­de pfle­gen zu­sam­men rund 260 Hekt­ar Wein­gär­ten und da­mit rund 40 Pro­zent der Wie­ner Wein­gar­ten­flä­che. Die Her­aus­ar­bei­tung der bes­ten La­gen und ih­res ein­zig­ar­ti­gen Cha­rak­ters soll in ei­ne Klas­si­fi­zie­rung flie­ßen. Ge­setz­li­chen Sta­tus hat die La­gen­klas­si­fi­zie­rung nicht. Aber das lang­fris­ti­ge Ziel der Wi­enWein-Win­zer ist, wie auch das ih­rer ÖTW-Kol­le­gen im Krems­tal, Kamp­tal, im Trai­sen­tal und am Wa­gram, die La­gen­klas­si­fi­ka­ti­on im Wein­ge­setz zu ver­an­kern.

Gro­ße und Ers­te La­gen

Ganz im Sü­den von Wein-Ös­ter­reich, in der Stei­er­mark, ha­ben die Stei­ri­schen Ter­ro­ir & Klas­sik Wein­gü­ter (STK) eben­so ih­re TopLa­gen her­aus­ge­ar­bei­tet und als „Ers­te La­gen“und „Gro­ße La­gen“klas­si­fi­ziert – ei­ner­seits, um das Po­ten­zi­al ih­rer Wein­gär­ten her­aus­zu­strei­chen, und an­de­rer­seits, um den Kon­su­men­ten ei­ne kla­res Her­kunfts- und Qua­li­täts­pro­fil zu ver­mit­teln. „Je­der Wein­lieb­ha­ber der Welt kennt die La­gen­klas­si­fi­zie­rung ,Grand Cru‘ und ,Pre­mier Cru‘ aus dem Bur­gund und weiß, was sie in punc­to Qua­li­tät und Preis be­deu­tet. Ge­nau das glei­che Ziel ver­fol­gen die Win­zer der STK mit der Klas­si­fi­zie­rung ,Gro­ße La­ge‘ und ,Ers­te La­ge‘“, sagt Kat­ha­ri­na Tin­nach­er, Win­ze­rin vom Wein­gut Lack­ner-Tin­nach­er und lei­den­schaft­li­che Vi­sio­nä­rin der La­gen­klas­si­fi­zie­rung. Die zehn STK-Win­zer le­gen den Fo­kus da­bei auf Sau­vi­gnon Blanc, denn die jahr­zehn­te­lan­ge Be­ob­ach­tung ließ sie zu der Er­kennt­nis ge­lan­gen, dass die­se Rebs­or­te das Ter­ro­ir der Stei­er­mark am bes­ten zum Aus­druck bringt. „Für uns ist Sau­vi­gnon Blanc ganz klar die Kö­ni­gin un­ter den stei­ri­schen Rebs­or­ten“, be­tont STK-Win­zer Wil­li Satt­ler. Gro­ße und vor al­lem be­rühm­te La­gen hat auch die Wach­au. Das spe­zi­el­le Mi­kro­kli­ma mit den Ur­ge­steins­la­gen, der Do­nau als ein­fluss­neh­men­der sta­bi­ler Grö­ße und den küh­len vom Wald­vier­tel ein­fal­len­den Win­den übt seit je­her ei­ne Fas­zi­na­ti­on auf die Wein­trin­ker aus. La­gen wie Sin­ger­rie­del, Achlei­ten und Kel­ler­berg gel­ten als In­be­griff gro­ßer Wach­au­er Velt­li­ner und Ries­lin­ge. Auch dort, wo La­gen frü­her nicht so do­mi­nant wa­ren, rü­cken sie heu­te im­mer stär­ker in den Mit­tel­punkt. Die Win­zer im Wein­bau­ge­biet Carnun­tum et­wa strei­chen seit ei­ni­ger Zeit die La­gen­kom­po­nen­te in ih­ren Rot­wei­nen im­mer be­wuss­ter her­vor. Als Blau­frän­kisch-Do­ra­do ent­wi­ckelt sich da­bei ge­ra­de der Spit­zer­berg, der im Os­ten das Wein­bau­ge­biet ab­schließt. Apro­pos Blau­frän­kisch: Dass die­ser auf die La­gen am Leit­ha­berg beim Neu­sied­ler­see und am süd­bur­gen­län­di­schen Ei­sen­berg schon seit Jahr­zehn­ten per­fekt passt, weiß man jetzt als Kon­su­ment auch of­fi­zi­ell – durch die re­la­tiv jun­gen DAC-Ge­bie­te Ei­sen­berg und Leit­ha­berg als In­be­griff von mi­ne­ra­li­schem Blau­frän­kisch-Ter­ro­ir.

FO­TO: SEMRAD

Die La­ge Achlei­ten, ein der be­kann­tes­ten im Wein­bau­ge­biet Wach­au.

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