Wall Street in Ju­bel­stim­mung

Der de­si­gnier­te US-Prä­si­dent Do­nald Trump hat die Ab­schaf­fung des Dodd-Frank Acts ver­spro­chen, ge­lobt enor­me In­fra­struk­tur­pro­gram­me und spickt sein Team mit Fi­nanz­ve­te­ra­nen.

Die Presse am Sonntag - - Eco - VON OLI­VER GRIMM

Wer in Wa­shing­ton die Stät­te des größ­ten Er­fol­ges des schei­den­den US-Prä­si­den­ten Ba­rack Oba­ma im Kampf für den sprich­wört­li­chen klei­nen Mann ge­gen die Win­kel­zü­ge der Fi­nanz­bran­che auf­sucht, steht vor ei­ner Ab­bruch­rui­ne. Die Zen­tra­le des Con­su­mer Fi­nan­ci­al Pro­tec­tion Bu­reau (CFPB), gleich ne­ben dem Wei­ßen Haus, wird seit Mo­na­ten ge­ne­ral­sa­niert. Doch ob es in dem Bü­ro­ge­bäu­de nach sei­ner vor­aus­sicht­lich im Ju­ni nächs­ten Jah­res um rund 220 Mil­lio­nen Dol­lar (206 Mil­lio­nen Eu­ro) voll­ende­ten Re­no­vie­rung noch viel Ar­beit zu er­le­di­gen ge­ben wird, ist zwei­fel­haft. Denn kaum ei­ne Fi­nanz­be­hör­de ist bei den Re­pu­bli­ka­nern so ver­hasst wie die­se mit dem Dodd-Frank Act im Jahr 2010 ge­schaf­fe­ne Ein­rich­tung zum Schutz vor Fi­nanz­be­trug. Mit Do­nald Trumps Wahl­sieg ist der Weg für sie frei, al­le Fi­nanz­re­for­men der Oba­maÄ­ra spur­los zu be­sei­ti­gen.

Der de­si­gnier­te Prä­si­dent lässt an sei­ner Ab­leh­nung des Dodd-Frank Acts kei­nen Zwei­fel: „Dodd-Frank hat es für Ban­ker un­mög­lich ge­macht, zu funk­tio­nie­ren“, sag­te er im Mai. Das Ge­setz ma­che es „sehr schwer, Geld an Men­schen zu ver­lei­hen, um Ar­beits­plät­ze zu schaf­fen, an Men­schen mit Un­ter­neh­men. Und das muss auf­hö­ren“. Nach sei­nem Wahl­sieg ver­schick­te Trumps Bü­ro ei­ne Aus­sen­dung mit der An­kün­di­gung, „den Dodd-Frank Act aus­ein­an­der­zu­neh­men und mit neu­en Vor­schrif­ten zu er­set­zen, die Wirt­schafts­wachs­tum und die Schaf­fung von Ar­beits­plät­zen för­dern.“

An die­ser Stel­le muss man kurz in­ne­hal­ten und sich fra­gen: Was ge­nau hat ein Po­li­ti­ker, der für die ein­fa­chen Leu­te und ge­gen die Eli­ten auf­zu­tre­ten ge­lobt, ge­gen ein Ge­setz, das die Macht der Wall-Street-Ban­ken ein­grenzt? Man den­ke vor al­lem an Trumps Wahl­kampf­re­de in Flo­ri­da vom 13. Ok­to­ber, in der er Fol­gen­des sag­te: „Hil­la­ry Cl­in­ton trifft sich heim­lich mit in­ter­na­tio­na­len Ban­ken, um die Zer­stö­rung der US-Sou­ve­rä­ni­tät zu pla­nen und die­se glo­ba­len Fi­nanz­kräf­te zu stär­ken.“

Ob man an die klan­des­ti­ne Be­herr­schung der Welt durch plu­to­kra­ti­sche Ge­heim­bün­de glaubt oder nicht: Der Dodd-Frank Act schuf erst­mals ei­nen Mecha­nis­mus zur Auf­lö­sung ma­ro­der Groß­ban­ken oh­ne Be­las­tung der Steu­er­zah­ler. Die Fe­deral In­suran­ce De­po­sit Cor­po­ra­ti­on, der im Jahr 1933 ge­schaf­fe­ne US-Ein­la­gen­si­che­rungs­fonds, hat dank Dodd-Frank die Macht, kran­ke Fi­nanz­in­sti­tu­te zu zer­le­gen und sich staat­li­che Not­hil­fen, die nicht zu­rück­ge­zahlt wer­den, von den an­de­ren Ban­ken zu ho­len. Die ver­hass­te Vol­cker-Re­gel. Mit die­sem Mecha­nis­mus, der ver­hin­dern soll, dass Bank­kon­zer­ne zu groß wer­den, um im Kri­sen­fall oh­ne Scha­den für die ge­sam­te Volks­wirt­schaft zer­schla­gen zu wer­den, kann die Wall Street zäh­ne­knir­schend le­ben. Ei­ne an­de­re Schlüs­sel­norm von Dodd-Frank hin­ge­gen treibt die Ban­ker auf die Pal­me. Die Vol­cker-Re­geln, be­nannt nach dem frü­he­ren No­ten­bank­prä­si­den­ten Paul Vol­cker, ver­bie­tet den größ­ten Wall-Street-Ban­ken den Wert­pa­pier­han­del auf ei­ge­nen Ge­winn. Das hat un­zäh­li­gen Wert­pa­pier- und Geld­händ­lern das Ge­schäft samt as­tro­no­mi­schen Ge­häl­tern und Prä­mi­en ver­ha­gelt. Sie küm­mert es we­nig, dass die Vol­cker-Re­gel ver­hin­dern soll, dass die Ban­ken aus Pro­fit­gier zu ho­he Ris­ken ein­ge­hen und Ver­lus­te ein­fah­ren, die über den Weg der Ein­la­gen­si­che­rung letzt­lich vom Steu­er­zah­ler be­gli­chen wer­den müs­sen.

Ge­ord­ne­te Ab­wick­lung kran­ker Ban­ken und Ein­däm­mung der Bör­sen­spe­ku­la­ti­on wa­ren zwei Leh­ren, wel­che der da­mals de­mo­kra­tisch do­mi­nier­te US-Kon­gress aus der Kern­schmel­ze der Fi­nanz­märk­te in den Jah­ren 2007 bis 2009 ge­zo­gen hat­te. Die Re­pu­bli­ka­ner sind nun am Ru­der und wol­len die- se bei­den Re­for­men zu­nich­te ma­chen. Jeb Hens­ar­ling, der te­xa­ni­sche Vor­sit­zen­de des Aus­schus­ses für Fi­nanz­dienst­leis­tun­gen im US-Abgeordnetenhaus und ein mög­li­cher Kan­di­dat für den Fi­nanz­mi­nis­ter­pos­ten, hat ei­nen ent­spre­chen­den Ent­wurf be­reits pa­rat. Er sä­he zu­dem vor, dass das CFPB sein Bud­get künf­tig vom Kon­gress er­hält, nicht wie bis­her von der Fe­deral Re­ser­ve, und dass an die Stel­le des CFPBPrä­si­den­ten ein fünf­köp­fi­ges Gre­mi­um tritt. Bei­de Schrit­te wür­den die Un­ab­hän­gig­keit des CFPB stark schwä­chen.

Trump gei­ßelt in­ter­na­tio­na­le Bank­ver­schwö­rer – und um­gibt sich mit Ban­kern. Trumps In­fra­struk­tur­plä­ne wer­den die Di­ens­te der In­vest­ment­ban­ken er­for­dern.

Dies sind nicht die ein­zi­gen Grün­de da­für, dass man Trumps Prä­si­dent­schaft an der Wall Street mit gro­ßer Zu­ver­sicht er­war­tet. Der de­si­gnier­te Prä­si­dent um­gibt sich dar­über hin­aus mit ei­ner En­tou­ra­ge von Wall-Street-In­si­dern: Der frü­he­re Gold­man-SachsBan­ker Ste­ven Mnu­ch­in ist sein Kam­pa­gnen­fi­nanz­di­rek­tor, der mil­li­ar­den­schwe­re In­ves­tor Wil­bur Ross könn­te Han­dels­mi­nis­ter wer­den, sein rechts­po­pu­lis­ti­scher Stra­te­gie­be­ra­ter Ste­ve Ban­non hat eben­falls bei Gold­man Sachs das Geld­ge­schäft ge­lernt, und Ja­mie Di­mon, Vor­stands­chef von JP Mor­gan Cha­se, be­rät Trump (auch er wur­de als An­wär­ter für den Fi­nanz­mi­nis­ter ge­nannt). „Man müss­te in die 1920er-Jah­re zu­rück­ge­hen, um so viel Wall-Street-Ein­fluss nach Wa­shing­ton kom­men zu se­hen“, sag­te der His­to­ri­ker Charles Geisst vom Man­hat­tan Col­le­ge zum Ma­ga­zin „Po­li­ti­co“.

Auch Trumps An­kün­di­gung, ei­ne Bil­li­on Dol­lar in In­fra­struk­tur­pro­jek­te ste­cken zu wol­len, er­freut die Ban­ker. Denn das er­for­dert An­lei­hen, Zwi­schen­fi­nan­zie­run­gen und Ga­ran­ti­en – al­so die Di­ens­te der In­vest­ment­ban­ken. „Hät­ten wir ge­wusst, wie gut Trump für die Wall Street sein wird, hät­ten wir für ihn wahl­ge­kämpft“, unk­te ein Gold­man-Ban­ker in „Po­li­ti­co.“

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