Als Sni­per in den Ber­gen her­um­lie­gen

Mit »Batt­le­field 1« geht die Shoo­ter-Kro­ne heu­er an den Her­aus­for­de­rer. Die gra­fisch ein­drucks­vol­le Mul­ti­play­er-Schlacht ist ein Er­leb­nis, Klas­sen und Waf­fen sind per­fekt ba­lan­ciert.

Die Presse am Sonntag - - Spielzeug - VON NI­KO­LAUS JILCH

Der Krieg übt auf Com­pu­ter­spie­ler seit je­her ei­ne gro­ße Fas­zi­na­ti­on aus, die ei­ner­seits in epi­schen Stra­te­gie­dra­men, an­de­rer­seits in lau­ten Bal­ler­schlach­ten aus­ge­lebt wird. In die­sem Ar­ti­kel geht es um so ei­ne Schlacht: um „Batt­le­field 1“.

Die­ses Spiel ver­sucht ei­nen Neu­start. Das merkt man schon am Na­men: Un­ter der Vor­herr­schaft von „Call of Du­ty“(„CoD“) ha­ben sich Kriegs­shoo­ter in den ver­gan­ge­nen Jah­ren weit von ih­ren Wur­zeln ent­fernt. „CoD“sind längst die Krie­ge aus­ge­gan­gen. Seit ei­ni­gen Jah­ren lie­fert das Spiel nur noch lau­war­me Auf­güs­se des im­mer sel­ben Kon­zepts: „Mo­dern War­fa­re“, „Ad­van­ced War­fa­re“, „In­fi­ni­te War­fa­re“. Ge­nau hier setzt „Batt­le­field“an. Man will den Shoo­ter-Kö­nig vom Thron bal­lern. Und das ge­lingt. Nun war „Batt­le­field“im­mer ein biss­chen an­ders als die Kon­kur­renz auf­ge­baut. So gibt es seit je­her Fahr­zeu­ge, ja so­gar Flug­zeu­ge zu steu­ern. In der neu­es­ten Va­ri­an­te sind auf ei­nem Schlacht­feld bis zu 64 Spie­ler gleich­zei­tig un­ter­wegs. Te­am­work ist Pflicht. Die Re­de ist frei­lich vom Mul­ti­play­er-Mo­dus, der hier vor­ran­gig be­spro­chen wird. Bis zu 64 Spie­ler. Es gibt vier gro­be Her­an­ge­hens­wei­sen an so ei­ne Schlacht in „Batt­le­field 1“: Scout, al­so Sni­per. Me­dic, al­so Sa­ni­tä­ter. As­s­ault, al­so Bumm­zack – und Sup­port, al­so Mecha­ni­ker. Der Letz­te hat den ver­meint­lich lang­wei­ligs­ten Job, be­kommt zum Trost aber die dicks­te Wum­me. Auch schön.

Die Maps sind groß, aber nie zu groß. Ge­kämpft wird in fran­zö­si­schen Städ­ten, in der nord­afri­ka­ni­schen Wüs­te und in den Ber­gen zwi­schen Ös­ter­reich und Ita­li­en. Die Ku­lis­se ist atem­be­rau­bend. Die gra­fi­sche Leis­tung des Spiels mag kein Quan­ten­sprung sein – aber „Batt­le­field 1“ist si­cher das hüb­sches­te Spiel des Jah­res. Wer in den Ber­gen als ös­ter­rei­chi­scher Sni­per her­um­liegt, kann sich schon ein­mal im Al­pen­pan­ora­ma ver­ges­sen. Ei­ne gu­te Idee ist das frei­lich nicht – denn auch die Ge­gen­sei­te hat Scharf­schüt­zen.

Wer will, kann das Spiel so ein­stel­len, dass die Deut­schen Deutsch, die Tür­ken Tür­kisch und die En­g­län­der Eng­lisch mit­ein­an­der re­den – be­zie­hungs­wei­se schrei­en, denn im Schüt­zen­gra­ben ist es meist zu laut für ge­pfleg­te Un­ter­hal­tun­gen. Im Ohr­hö­rer hat man zu­dem die ei­ge­nen Te­am­mit­glie­der. Bis zu fünf Per­so­nen kön­nen in ei­nem Squad mit­ein­an­der vor­ge­hen. Da kann der Chef den an­de­ren dann Zie­le zu­wei­sen, de­ren Er­rei­chung be­son­ders vie­le Punk­te bringt.

So ei­ne epi­sche Schlacht mit 64 Spie­lern kann ei­ne hal­be St­un­de oder län­ger dau­ern. Für Ab­wechs­lung ist aber ge­sorgt: So steht ei­ne Rei­he von Flug­zeu­gen und Pan­zern zur Ver­fü­gung. Aber ir­gend­wie ist es Dice, dem Ent­wick­ler­stu­dio hin­ter „Batt­le­field“, ge­lun­gen, die Ba­lan­ce zwi­schen Pan­zern und In­fan­te­rie zu wah­ren – sehr po­si­tiv! „CoD 4“auf­po­liert. Die Kon­kur­renz schläft frei­lich nicht. Bei Shoo­tern hat sich schon lang nicht so viel ge­tan. Ne­ben „Batt­le­field 1“tre­ten auch „Tit­an­fall 2“und „Over­watch“an. Auch der Platz­hirsch „Call of Du­ty“hat ein Ass im Är­mel: Wer sich „In­fi­ni­te War­fa­re“zu­legt, be­kommt auch ei­ne auf HD po­lier­te Ver­si­on von „CoD 4“da­zu – dem wahr­schein­lich bes­ten Spiel der Rei­he. Ihm ist sein Al­ter trotz der Ma­ke-upSchicht in­zwi­schen aber an­zu­mer­ken.

Für Spie­ler ist die­se Ent­wick­lung durch­aus po­si­tiv: Kon­kur­renz be­lebt das Bal­ler­ge­schäft. Die Run­de des Jah­res 2016 geht an „Batt­le­field 1“. Mal se­hen, was 2017 folgt.

EA, Ho­nor, Mei­zu, Op­po, Axon

Vom Krieg ge­zeich­net.

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