Bom­ben aufs trau­te Heim

In Ewan McG­re­gors Re­gie­de­büt »Ame­ri­ka­ni­sches Idyll« spielt Jen­ni­fer Con­nel­ly ei­ne Mut­ter, die ih­re Toch­ter wäh­rend der Un­ru­hen in New York En­de der 60er-Jah­re an ei­ne ra­di­ka­le Ter­ror­grup­pe ver­liert.

Die Presse am Sonntag - - Menschen - VON DA­VID REMMS UND GINI BREN­NER

Der Pa­pa Ath­let und er­folg­rei­cher Un­ter­neh­mer, die Ma­ma ehe­ma­li­ge Schön­heits­kö­ni­gin – das Wunsch­kind stot­ternd, un­si­cher, über­for­dert. Phi­lip Roths Ro­man „Ame­ri­ka­ni­sches Idyll“, ver­filmt von Ewan McG­re­gor mit sich selbst in der Haupt­rol­le, dreht sich um ei­ne Fa­mi­lie, de­ren Traum von der hei­len Welt in ei­nem düs­te­ren Alb­traum mün­det: Die her­an­wach­sen­de Toch­ter (Da­ko­ta Fan­ning) schließt sich En­de der 60er-Jah­re wäh­rend der Un­ru­hen in New York ei­ner ra­di­ka­len Ter­ror­grup­pe an. Jen­ni­fer Con­nel­ly spielt die ge­quäl­te Mut­ter mit schmerz­li­cher Hin­ga­be. In „Ame­ri­ka­ni­sches Idyll“spie­len Sie ei­ne Mut­ter, die ihr ver­lo­re­nes Kind ir­gend­wann auf­gibt und los­lässt – im Ge­gen­satz zu ih­rem Mann, der bis zum Schluss nach ihr sucht. Jen­ni­fer Con­nel­ly: Mein Film­cha­rak­ter Dawn ist ei­ne wirk­lich tra­gi­sche Fi­gur: Auch sie be­müht sich jah­re­lang ver­zwei­felt um ih­re Toch­ter, sie hat­te ja im­mer schon ein schwie­ri­ges Ver­hält­nis zu ihr. Ir­gend­wann kann sie ein­fach nicht mehr und zieht ganz bru­tal ei­nen Schluss­strich – nur, um ir­gend­wie über­le­ben zu kön­nen. Für mich ist das kein Zei­chen von Ego­is­mus, son­dern es zeigt, wie sehr sie ih­re Toch­ter ei­gent­lich ge­liebt hat. Oh­ne sie kann sie nicht mehr als die wei­ter­le­ben, die sie war. Für Dawns Trans­for­ma­ti­on muss­ten Sie sich ja auch ei­ni­gen recht schmerz­haf­ten Pro­ze­du­ren un­ter­zie­hen. Ja, Dawn lässt sich ein Face­lif­ting ma­chen. Da­für hat man mir beim Dreh das Ge­sicht mit den Haa­ren zu­rück­ge­zo­gen. Das war ein we­nig un­an­ge­nehm. Aber auch sehr span­nend: Mein Haar­sty­list und mei­ne Ma­ke-up-Ex­per­tin ha­ben da ei­ni­ge ganz tol­le Tricks auf La­ger, wie man je­man­den oh­ne dau­er­haf­te Ein­grif­fe oder di­gi­ta­le Nach­be­ar­bei­tung kom­plett an­ders aus­se­hen las­sen kann. Ih­re Film­fi­gur ist ei­ne star­ke, selbst­be­wuss­te Frau, die da­ge­gen an­kämpft, nur auf ihr schö­nes Äu­ße­res re­du­ziert zu wer­den. Ken­nen Sie das aus Ih­rem Le­ben auch? Ei­gent­lich ist das nicht mei­ne Er­fah­rung, nein. Ich bin aber auch un­ter völ­lig an­de­ren Vor­aus­set­zun­gen auf­ge­wach­sen, in ei­ner an­de­ren Zeit. Mein Selbst­wert­ge­fühl hängt nicht vor­dring­lich mit mei­nem Aus­se­hen zu­sam­men, für mich sind an­de­re Sa­chen viel wich­ti­ger: Bil­dung, Fa­mi­lie, Rei­sen, neue Er­fah­run­gen, krea­ti­ver Aus­druck – das al­les macht mich zu der, die ich bin.

Jen­ni­fer Con­nel­ly

wur­de 1970 in New York ge­bo­ren. Sie war zu­nächst Kin­der­mo­del und be­gann ih­re Kar­rie­re mit dem Gangs­te­re­pos „Es war ein­mal in Ame­ri­ka“. Ih­ren Durch­bruch schaff­te sie als Ma­ri­on Sil­ver in Dar­ren Aro­n­ofs­kys „Re­qui­em for a Dream“.

Aus­zeich­nun­gen

für ih­re Rol­le der Ali­cia Nash in Ron Ho­wards „A Be­au­ti­ful Mind – Ge­nie und Wahn­sinn“(2001) ge­wann sie die Film­prei­se Gol­den Glo­be und den Os­car als bes­te Ne­ben­dar­stel­le­rin. Ja, die Bil­der, die der Ro­man her­auf­be­schwört, und die, die man heu­te in den Nach­rich­ten sieht, äh­neln ein­an­der teil­wei­se sehr. Und wir dis­ku­tie­ren heu­te noch über die­sel­ben Fra­gen. Wie geht man mit Vor­ur­tei­len um, wie lernt man, die Welt dif­fe­ren­ziert zu se­hen, wie schaf­fen wir es, un­se­re Kin­der zu selbst­stän­di­gen Men­schen, aber nicht zu un­se­ren Geg­nern zu ma­chen? Wie geht es Ih­nen da­mit? Sie ha­ben selbst Kin­der im Al­ter von 5, 13 und 19 Jah­ren. Man muss sich im­mer ei­ner Tat­sa­che be­wusst blei­ben: El­tern ma­chen Feh­ler. Wie je­der Mensch. Ich ver­su­che, mei­nen Kin­dern im­mer zu ver­mit­teln, dass wir dar­über re­den kön­nen. Kom­mu­ni­ka­ti­on ist der Schlüs­sel zu je­der funk­tio­nie­ren­den Be­zie­hung. Und wie ge­hen Ih­re Kin­der mit der Tat­sa­che um, dass die El­tern Hol­ly­wood-Stars sind? Wir le­ben, wenn wir nicht dre­hen, ein sehr „nor­ma­les“Fa­mi­li­en­le­ben – aber die Kids mer­ken na­tür­lich schon, dass da ir­gend­et­was an un­se­ren Jobs an­ders ist als bei an­de­ren. Wenn uns ir­gend­wel­che Leu­te auf der Stra­ße fo­to­gra­fie­ren wol­len zum Bei­spiel. Aber für sie selbst scheint das kei­ne be­son­de­re Be­deu­tung zu ha­ben. Manch­mal ist es ih­nen so­gar pein­lich. Mein Äl­tes­ter geht schon auf die Uni, und da wur­de im Rah­men ei­ner Vor­le­sung der Film „Haus aus Sand und Ne­bel“ge­zeigt, in dem ich ei­ne Al­ko­ho­li­ke­rin spie­le. Und die Dis­kus­si­on nach dem Film war für ihn dann na­tür­lich schon et­was un­an­ge­nehm. Er hat nur ge­meint: „Re­den wir ein­fach nicht dar­über, ok?“(lacht) Wie sehr hat ei­gent­lich der Os­car für „A Be­au­ti­ful Mind“Ihr Le­ben ver­än­dert? Der gan­ze Film hat mein Le­ben ver­än­dert, nicht nur die Aus­zeich­nung. Ich ha­be ja nie da­mit ge­rech­net, die Rol­le zu be­kom­men und mit so gro­ßen Stars zu ar­bei­ten wie Rus­sell Cro­we und Re­gis­seur Ron Ho­ward. Und ich ha­be am Set mei­nen Ehe­mann ken­nen­ge­lernt! Das war wirk­lich ei­ne der bes­ten Er­fah­run­gen mei­nes Le­bens.

Im­a­go

Toch­ter an ei­ne ei­ne Mut­ter, die ih­re in „Ame­ri­ka­ni­sches Idyll“Jen­ni­fer Con­nel­ly spielt ver­liert. ra­di­ka­le Ter­ror­grup­pe Ein The­ma von „Ame­ri­ka­ni­sches Idyll“ist, wie sich Ju­gend­li­che, die sich un­ver­stan­den füh­len, ra­di­ka­li­sie­ren las­sen. Zu der Zeit, als der Ro­man ent­stand, war der IS noch kein The­ma – die Par­al­le­len sind aber da.

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