Zau­ber­horn, Trau­erf­an­fa­re mit dem Con­cert­ge­bouw

Se­myon Bych­kov di­ri­gier­te im Mu­sik­ver­ein We­ber mit Stu­die­ren­den – und ei­ne klang­satt-ful­mi­nan­te Fünf­te Mah­ler.

Die Presse am Sonntag - - Kultur - VON WAL­TER WEIDRINGER

Gleich zu Be­ginn das Zau­ber­horn des El­fen­kö­nigs in Carl Ma­ria von We­bers „Obe­ron“Ou­ver­tü­re, nach der Pau­se die schnei­den­de Trau­er­marsch­fan­fa­re der Trom­pe­te, die in Gus­tav Mah­lers 5. Sym­pho­nie al­le Kräf­te der Fins­ter­nis her­bei­be­fiehlt – und da­zwi­schen das Kla­vier­kon­zert Es-Dur KV 482, in dem Hör­ner, Fa­got­te und Kla­ri­net­ten dem fest­li­chen Er­öff­nungs­mo­tiv in ly­ri­schem Schim­mer antworten: Al­lein die Wer­k­an­fän­ge die­ses Abends rück­ten die fa­mo­sen Blä­ser­so­lis­ten des Kö­nig­li­chen Con­cert­ge­bou­wor­ches­ters Ams­ter­dam ins bes­te Licht, das un­ter Se­myon Bych­kov frei­lich in al­len Grup­pen sei­nem Ruf als ei­nem der bes­ten Klang­kör­per der Welt wie­der al­le Eh­re mach­te.

Da­bei spiel­ten beim „Obe­ron“auch Stu­die­ren­de der Wie­ner Mu­sik­uni­ver­si­tät mit: Im Pro­jekt „Si­de by Si­de“ho­len sich die Ams­ter­da­mer 2016 bis 2018 bei Kon­zer­ten in al­len 28 EU-Mit­glieds­staa­ten je­weils Mit­glie­der ei­nes ört­li­chen Nach­wuchs­or­ches­ters auf die Büh­ne, hier des We­bern-Sym­pho­nie­or­ches­ters. Nun ist Bych­kov ein gran­dio­ser Mu­si­ker, aber kein fa­na­ti­scher An­hän­ger der Ori­gi­nal­klang­be­we­gung. Was die ar­ri­vier­ten und die aspi­rie­ren­den Pro­fis da ge­mein­sam üb­ten, war dem­nach mit lan­gem Atem ge­form­te Phra­sie­rung in ro­man­tisch ge­sät­tig­tem, aber den­noch nicht schwer­fäl­li­gem Klang. Schwe­ben­de Strei­cher­kan­ti­le­nen, run­de, aber doch kna­cki­ge Po­sau­nen­ak­kor­de, Ba­lan­ce in fast je­dem De­tail: Hüons schwär­me­ri­scher Ge­sang in der dun­kel tö­nen­den Kla­ri­net­te, Re­zi­as Ju­bel­ru­fe der Vio­li­nen, sie form­ten sich zum or­ches­tra­len Rit­ter­mär­chen mit Pa­ti­na.

Apro­pos Kla­ri­net­te: Im ge­nann­ten Kla­vier­kon­zert ver­zich­tet Mo­zart auf Obo­en und rückt da­für sei­ne ge­lieb­ten Kla­ri­net­ten im kom­ple­xen Wech­sel­spiel mit den rest­li- chen Blä­sern, den Strei­chern und dem So­lis­ten ins Ram­pen­licht. Ema­nu­el Ax hat das Werk in Ös­ter­reich zu­letzt im Som­mer bei den Salz­bur­ger Fest­spie­len ge­spielt – in ei­ner Ma­ti­nee der Wie­ner Phil­har­mo­ni­ker, die von ei­nem Strom­aus­fall über­schat­tet war. Vi­el­leicht lag es mit an die­ser Pan­ne, dass die Auf­füh­rung da­mals ent­täusch­te, zu­mal sich auch Ma­riss Jan­sons auf groß­zü­gi­ge Ver­wal­tung des phil­har­mo­ni­schen Schön­klangs zu­rück­zu­zie­hen schien. Per­len­de No­bles­se. Im Mu­sik­ver­ein war nun un­ter Bych­kov, der für Mo­zart ei­nen schlan­ke­ren Ton an­streb­te, ein viel stär­ke­rer in­ter­pre­ta­to­ri­scher Zu­griff zu spü­ren – und der Te­am­play­er Ax nahm die or­ches­tra­len Bäl­le ver­gnügt auf, um sie mit per­len­der No­bles­se zu­rück­zu­spie­len. Schwär­me­risch tön­ten das dunk­le An­dan­te und der An­dan­ti­no-Ein­schub im Fi­na­le, nach dem Ax das Ron­do­the­ma wie auf Samt­pfo­ten wie­der­keh­ren ließ und in sei­ner ei­ge­nen Ka­denz wie­der Flö­te und Fa­gott mit­ein­be­zog.

Mah­lers Fünf­te schließ­lich pro­fi­tier­te von Bych­kovs Fä­hig­keit, mit gro­ßer Über­sicht Hö­he­punk­te wie Hö­hen­stre­cken auf­zu­bau­en. Da er Stei­ge­run­gen eher im Ge­wicht der For­mu­lie­rung als im äu­ße­ren Tem­po sucht, wirkt das ty­pisch Mah­ler’sche Zer­fled­dern der Struk­tu­ren bei ihm ver­stö­ren­der, quä­len­der als in manch hur­ti­ge­ren Les­ar­ten – wo­bei die Kräf­ti­gung par­al­le­ler Un­ter­stim­men vie­le De­tails plas­tisch er­schei­nen lässt. Ein­zig das schwie­rig auf Zug zu hal­ten­de Scher­zo zer­fiel ein biss­chen, und auf den al­ler­letz­ten Pres­to-Me­tern des Fi­na­les hät­te man sich noch ex­plo­die­ren­de Re­ser­ven ge­wünscht. Den­noch: ei­ne durch Prä­zi­si­on und emo­tio­na­len Nach­druck groß­ar­ti­ge, laut be­ju­bel­te Deu­tung.

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