Far­be und »Ver­wei­ßung«

Das Do­ro­the­um ver­stei­gert in der Auk­ti­ons­wo­che zeit­ge­nös­si­sche Kunst und Klas­si­sche Mo­der­ne. Das An­ge­bot ist dies­mal be­son­ders in­ter­na­tio­nal.

Die Presse am Sonntag - - Kunstmarkt - VON EVA KOMAREK

Die Künst­ler­grup­pe Ze­ro wird nach ei­nem in­ter­na­tio­na­len Hö­hen­flug der­zeit auch in Wi­en groß in Sze­ne ge­setzt. Nach Ver­kaufs­aus­stel­lun­gen im Pa­lais Schön­born-Bat­thi­a­ny durch die Ga­le­rie Wie­n­er­roi­t­her & Kohl­ba­cher so­wie in der neu­en Nie­der­las­sung der deut­schen Ga­le­rie Beck & Eg­ge­ling ist sie auch im Wie­ner Do­ro­the­um bei der letz­ten Auk­ti­ons­wo­che des Jah­res pro­mi­nent ver­tre­ten. Der Kunst­markt hat vor ei­ni­gen Jah­ren die Künst­ler­grup­pe ent­deckt. Das liegt auch dar­an, dass Mu­se­en welt­weit die Ze­ro-Kunst mit ih­rem Spiel aus Licht und Schat­ten groß fei­ern. 2014 mach­te et­wa das New Yor­ker Gug­gen­heim-Mu­se­um ei­ne gro­ße Aus­stel­lung, die da­nach in den Mar­tin-Gro­pi­us-Bau nach Ber­lin und von dort ins Ams­ter­da­mer Ste­de­li­jkMu­se­um wei­ter­ging. Seit­her sind die Prei­se im Hö­hen­flug, wo­bei es von den deut­schen Ze­ro-Künst­lern bis­her nur Gün­ther Ue­cker ge­schafft hat, die Mil­lio­nen­gren­ze zu durch­bre­chen. Er ist auch im Do­ro­the­um mit ei­nem Na­gel­bild ver­tre­ten. „Raum zer­teil­ter Vor­stel­lung“aus dem Jahr 1982 kommt mit ei­nem Schätz­preis von 40.000 bis 60.000 Eu­ro un­ter den Ham­mer. Adolf Lu­ther ist un­ter an­de­rem mit ei­ner Hohl­spie­gel­ob­jekt-Ar­beit um 30.000 bis 40.000 Eu­ro in der Auk­ti­on. „Ver­wei­ßung“heißt das Werk von Her­bert Zangs, das aus sei­ner nur sehr kur­zen Schaf­fens­zeit stammt, in der er bei der Er­stel­lung der wei­ßen Bil­der im Sin­ne des Ac­tion Pain­ting agier­te und die Far­be durch Trop­fen oder Sprit­zen auf den Un­ter­grund auf­brach­te. Mit sei­ner mo­no- oder po­ly­chro­men se­ri­el­len Ar­beit ist er nicht nur ei­ner der Vor­rei­ter des deut­schen In­for­mel, son­dern greift auch dem Grund­ge­dan­ken von Ze­ro vor. Das Werk soll 40.000 bis 60.000 Eu­ro ein­brin­gen. Ita­li­en-Con­nec­tion. Stark ver­tre­ten sind im Do­ro­the­um, seit das Auk­ti­ons­haus Nie­der­las­sun­gen in Ita­li­en hat, die Avant­gar­de-Wer­ke der 1960er-Jah­ren. Poe­ti­sche Ar­bei­ten von Pao­lo Cal­zo­la­ri, ei­ner Schlüs­sel­fi­gur ita­lie­ni­scher und in­ter­na­tio­na­ler Kunst, füh­ren ge­ra­de­wegs in Rich­tung Ar­te Po­ve­ra und Kon­zept­kunst. Al­len vor­an hat Lu­cio Fon­ta­na in Wi­en bei Auk­tio­nen Er­fol­ge ge­fei­ert, auch dies­mal ist er da­bei mit „Con­cet­to spa­zia­le, Tea­tri­no“, für das mit ei­nem Preis von 200.000 bis 300.000 Eu­ro ge­rech­net wird. Klas­si­sches Ta­fel­bild und Raum­kon­zept ver­bin­den die Avant­gar­dis­ten En­ri­co Ca­s­tel­la­ni, Pao­lo Scheg­gi, Ago­s­ti­no Bo­nalu­mi und Da­d­amai­no. Ca­s­tel­la­nis „Su­per­fi­cie bi­an­ca“kommt bei­spiels­wei­se mit ei­ner Ta­xe von 250.000 bis 350.000 Eu­ro zum Auf­ruf. Wie man Ze­ment und Ei­sen poe­ti­sche Qua­li­tä­ten ab­ge­win­nen kann, zeigt Gi­u­sep­pe Un­ci­ni in sei­ner Ar­beit „Ce­men­tar­ma­to“aus dem Jahr 1959, das auf 150.000 bis 200.000 Eu­ro ge­schätzt wird. Stars aus Ös­ter­reich. Na­tür­lich spie­len im Do­ro­the­um auch die ös­ter­rei­chi­schen Künst­ler ei­ne wich­ti­ge Rol­le. Zu den Stars, die auch in­ter­na­tio­nal re­üs­sie­ren, ge­hö­ren Ar­nulf Rai­ner, Er­win Wurm, Hei­mo Zo­ber­nig, Franz West und na­tür­lich Ma­ria Lass­nig. Sie al­le sind auch in An­ge­bo­ten der Auk­ti­ons­wo­che zu fin­den. Letz­te­re ist auch ge­ra­de in­ter­na­tio­nal sehr ge­fragt und in di­ver­sen Aus­stel­lun­gen zu se­hen, dar­un­ter et­wa bei der Ga­le­rie Hau­ser Wirth & Schim­mel in Los An­ge­les und in ei­ner um­fang­rei­chen Re­tro­spek­ti­ve in der Ta­te Li­ver­pool, die jetzt auf Eu­ro­pa-Tour geht. Den höchs­ten Preis für ein Werk Lass­nigs er­ziel­te üb­ri­gens das Do­ro­the­um 2014 für „Wald“, das 491.000 Eu­ro ein­brach­te. Nächs­te Wo­che kommt von ihr un­ter an­de­rem „Oh­ne Ti­tel (Ber­ge)“mit ei­nem Schätz­preis von 70.000 bis 120.000 Eu­ro zum Auf­ruf.

Franz West wid­met ab De­zem­ber das 21er Haus die Aus­stel­lung Ar­tist­club. Im Do­ro­the­um kann man un­ter an­de­rem sei­ne Ar­beit „Sailor“er­stei­gern, die 40.000 bis 60.000 Eu­ro wert sein soll. Der bis­her höchs­te Preis für ein Ge­mäl­de von West wur­de mit 83.810 Eu­ro 2006 von Phil­lips de Pu­ry er­zielt. Schließ­lich sei an die­ser Stel­le noch Ar­nulf Rai­ner er­wähnt, des­sen Ar­beit „Zen­tral­ge­stal­tung“noch mit dem knur­ren­den „TRRR“der „Hunds­grup­pe“si­gniert ist, de­ren Mit­glied er da­mals war. Der Schätz­preis be­trägt 190.000 bis 230.000 Eu­ro. Der ak­tu­el­le Re­kord­preis für Rai­ner liegt bei 230.000 Eu­ro, er­zielt vom Auk­ti­ons­haus im Kins­ky 2012 für die Ar­beit „Gro­ße Ver­ti­kal­ge­stal­tung“. So ge­se­hen hat die­ses Werk ei­ne ge­wis­se Chan­ce ei­nen neu­en Höchst­preis zu er­zie­len.

In der Auk­ti­on mit Klas­si­scher Mo­der­ne, die am 23. No­vem­ber statt­fin­det, ist der Hö­he­punkt si­cher­lich ein Bl­um­strauß von Marc Cha­gall. „Fleurs“aus dem Jahr 1924 ist ein schö­nes Bei­spiel von Na­tur­stu­di­um und ei­ner Abs­trak­ti­on und Fi­gu­ra­ti­on ver­bin­den­den Mal­wei­se. Wenn er ein Bou­quet ma­le, sag­te Cha­gall, dann sei es, als wür­de er ei­ne Land­schaft ma­len. Das sei für ihn Frank­reich. Der Schätz­preis be­trägt 750.000 bis ei­ne Mil­li­on Eu­ro. Eben­falls in der Auk­ti­on ist Al­bin Eg­ger-Li­enz „Ma­don­na“. Ei­ne La­ter­ne im Vor­der­grund gibt die­sem Werk ei­nen be­son­ders aus­druck­star­ken Hell-Dun­kelKon­trast. Die Ta­xe liegt bei 100.000 bis 160.000 Eu­ro. Er­gänzt wird das An­ge­bot mit Wer­ken von Max Ernst, Paul Klee und Gior­gio de Chi­ri­co.

Die Künst­ler­grup­pe Ze­ro ist der­zeit ge­fragt. Zur Auk­ti­on ge­lan­gen meh­re­re Wer­ke. Spit­zen­los der Klas­si­schen Mo­der­ne ist das Still­le­ben »Fleurs« von Marc Cha­gall.

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