Er will nicht nur spie­len

Wer ist die­ser Mann, den kei­ner ganz zu durch­schau­en glaubt? Viel­leicht ist Nor­bert Ho­fer ein­fach so, wie er rü­ber­kommt: ein Rech­ter mit meist gu­ten Ma­nie­ren. Die Ge­schich­te ei­nes un­frei­wil­li­gen Auf­stiegs.

Die Presse am Sonntag - - Inland - VON IRIS BONAVIDA

So schnell än­dern sich die Zei­ten. En­de April, diens­tag­abends im Schwei­zer­haus: Ei­ne Frau geht schüch­tern auf Heinz-Christian Stra­che zu. Sie fragt, ob sie mit ihm für ein Fo­to po­sie­ren dür­fe. Sie darf. Ein Mann bie­tet so­gar an, den Aus­lö­ser der Han­dy­ka­me­ra zu drü­cken. Was die Frau nicht sehr be­ein­druckt: Der Mann ist Nor­bert Ho­fer – je­ner Kan­di­dat, der zwei Ta­ge zu­vor fast 1,5 Mil­lio­nen Stim­men er­hal­ten hat­te. Das Es­sen im Tra­di­ti­ons­lo­kal wur­de an­läss­lich der ers­ten Run­de der Hof­burg-Wahl or­ga­ni­siert.

En­de No­vem­ber, mon­tag­abends im Par­la­ment: Stra­che lädt zu ei­nem Fest­akt. Der An­lass ist sein Ju­bi­lä­um: Seit zehn Jah­ren ist er be­reits Klub­ob­mann der Frei­heit­li­chen. Elf Jah­re lang lei­tet er schon die Bun­des­par­tei, seit zwölf Jah­ren ist er Wie­ner FPÖ-Chef. Rund 180 Gäs­te sind zu sei­nen Eh­ren er­schie­nen. Of­fi­zi­ell. Als er den Raum be­tritt, schüt­teln sie ihm die Hand, be­grü­ßen ihn, lä­cheln ihm zu. Dann Auf­tritt Ho­fer: Es gibt Ap­plaus, Ju­bel, so­gar Stan­ding Ova­tions. Un­nö­tig zu er­wäh­nen, wer hier in­of­fi­zi­ell ge­fei­ert wird.

Was ist in der Zwi­schen­zeit pas­siert? Ei­ne Wahl. Ei­ne Auf­he­bung. Ei­ne Ver­schie­bung. Es ist die Ge­schich­te ei­nes Wahl­kampfs, den man auch oh­ne Hang zur Über­trei­bung als his­to­risch be­zeich­nen kann. Es ist aber auch die Ge­schich­te ei­nes nicht ganz frei­wil­li­gen Auf­stiegs ei­nes Man­nes, der lan­ge frei­wil­lig die Num­mer drei war. Hin­ter dem Par­tei­chef, aber auch hin­ter dem FPÖGe­ne­ral­se­kre­tär, Her­bert Kickl.

Wer ist aber die­ser 45-jäh­ri­ge Bur­gen­län­der, der für die FPÖ neue Re­kord­wer­te auf­stellt? Wie ge­fähr­lich, wie harm­los ist er wirk­lich? Trägt er ei­ne Mas­ke, spielt er ei­ne Rol­le? Seit elf Mo­na­ten ver­sucht Ös­ter­reich, Ho­fers Per­sön­lich­keit ein­zu­fan­gen.

Ab­ge­se­hen da­von, dass je­der Kan­di­dat wäh­rend der Kam­pa­gne be­stimm­te Vor­ga­ben er­füllt, könn­te man die The­se auf­stel­len: Nor­bert Ho­fer ist mög­li­cher­wei­se ein­fach so, wie er wirkt. Ein Frei­heit­li­cher, aber freund­lich. Ein Rech­ter. Mit gu­ten Ma­nie­ren, aber den­sel­ben Po­si­tio­nen sei­ner Par­tei­kol­le­gen. Schließ­lich hat er fe­der­füh­rend am Par­tei­pro­gramm mit­ge­ar­bei­tet.

Um ei­nen mu­si­ka­li­schen Ver­gleich zu wa­gen: Für Trom­pe­ten gibt es Dämp­fer, trich­ter­för­mi­ge Uten­si­li­en, die die Laut­stär­ke und die Klang­far­be re­geln. Es ist das­sel­be In­stru­ment, die­sel­be Tech­nik. Blech­blä­ser kön­nen mit der­sel­ben Wucht in ihr In­stru­ment schmet­tern. Es klingt nur an­ders. So ist es bei Nor­bert Ho­fer. Die Jun­gen sol­len über­neh­men. Dass Ho­fer nun er­folg­reich und be­liebt ist, dürf­te Stra­che nicht ver­wun­dern. Der Par­tei­chef woll­te von An­fang an, dass sein Weg­be­glei­ter mehr Ver­ant­wor­tung über­nimmt und stär­ker in die Öf­fent­lich­keit rückt.

Dass er aber er­folg­rei­cher und be­lieb­ter als Stra­che ist, dürf­te das Ego des Par­tei­chefs dann doch ank­rat­zen. Ein Grund mehr für ihn, Ho­fer in die Hof­burg brin­gen zu wol­len: Wer Bun­des­prä­si­dent ist, kann schließ­lich kein Par­tei­chef sein.

Es soll­te al­so wohl auch ein biss­chen be­schwich­ti­gend klin­gen, als Ho­fer bei der Ju­bi­lä­ums­fei­er zu Stra­che mein­te: „Ich wer­de viel­leicht bald, falls ich Prä­si­dent bin, nicht mehr dein par­tei­po­li­ti­scher Mit­strei­ter sein. Aber ich wer­de für im­mer dein Freund sein.“

Ho­fer soll­te ei­gent­lich Ge­ne­ral­se­kre­tär wer­den. Er lehn­te ab.

Und die­se Freund­schaft be­gann vor vie­len Jah­ren. Vor mehr als ei­nem Jahr­zehnt be­geg­ne­ten sie sich zum ers­ten Mal (O-Ton Ho­fer: „an ei­nem Ort, den ich nicht nä­her de­fi­nie­ren möch­te“). Stra­che soll ihm, ei­nem „völ­li­gen Frem­den“, ge­sagt ha­ben: „Die Jun­gen müs­sen die Par­tei über­neh­men.“Ho­fer ha­be sich nur ge­dacht: „Wer ist das, was will er von mir?“Kur­ze Zeit spä­ter be­gann ih­re po­li­ti­sche Zu­sam­men­ar­beit. Stra­che an der Spit­ze der Par­tei, Ho­fer als ei­ner sei­ner wich­tigs­ten Mit­ar­bei­ter – „oft in ei­nem klei­nen, schwar­zen Smart un­ter­wegs, um zu Ver­hand­lun­gen zu fah­ren“. Kein Ket­ten­hund, aber bis­sig. Stra­che bot Ho­fer zu Be­ginn so­gar den Job als Ge­ne­ral­se­kre­tär an. Er lehn­te ab. Im Nach­hin­ein be­trach­tet, ver­wun­dert das nicht: Für den Pos­ten muss man der Typ Ket­ten­hund, an­grif­fig und harsch, sein. Ho­fer selbst ver­glich sich hin­ge­gen schon mit ei­nem Co­cker­spa­ni­el: „Der ist bis­sig, hin­ter­lässt aber kei­ne

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