Nach­hal­tig­keit im Wein­bau ist jetzt ge­fragt

Die Presse am Sonntag - - Essen Und Trinken -

Ös­ter­reichs Wein­wirt­schaft ist Welt­meis­ter, wenn es um Bio­pro­duk­ti­on geht. Kein Wein­land der Welt kann – be­zo­gen auf sei­ne ge­sam­te Wein­flä­che – pro­zen­tu­ell so viel Bio­be­wirt­schaf­tung auf­wei­sen wie die ös­ter­rei­chi­sche Win­zer­schaft. In Sum­me gibt es schon knapp elf Pro­zent Bio­wein­gär­ten. Das rührt un­ter an­de­rem da­her, dass auf dem hei­mi­schen Agrar­sek­tor ge­ne­rell ein ho­hes Bi­oden­ken herrscht, auch die ös­ter­rei­chi­schen Kon­su­men­ten ha­ben schon seit vie­len Jah­ren ein ho­hes Bio­be­wusst­sein. Nicht zu­letzt se­hen im­mer mehr Win­zer im Bio­wein­bau ih­re Be­ru­fung und in der bio­lo­gi­schen Be­wirt­schaf­tung ei­ne wei­te­re Mög­lich­keit, die Qua­li­tät ih­rer Wei­ne zu stei­gern, und stel­len da­her von kon­ven­tio­nel­ler Be­wirt­schaf­tung auf Bio um. Der Ös­ter­rei­chi­sche Wein­bau­ver­band ist noch ei­nen Schritt wei­ter ge­gan­gen und hat vor zwei Jah­ren ei­nen um­fas­sen­den Nach­hal­tig­keits­an­satz ge­schaf­fen, der mit ei­nem ei­ge­nen Zer­ti­fi­kat, „Nach­hal­tig Aus­tria“, aus­ge­drückt wird. „Das Nach­hal­tig­keits­zer­ti­fi­kat ist ein ge­samt­heit­li­cher An­satz“, be­tont Jo­sef Glatt, Ge­schäfts­füh­rer des Ös­ter­rei­chi­schen Wein­bau­ver­bands. Ne­ben dem Ziel, Bo­den, Kli­ma und Ve­ge­ta­ti­on nach­hal­tig zu er­hal­ten, deckt das Zer­ti­fi­kat auch so­zia­le und wirt­schaft­li­che Aspek­te ab. Nach­hal­tig­keit dür­fe da­bei kein Schlag­wort sein, „son­dern muss nach stren­gen Kri­te­ri­en de­fi­niert, über­prüft und ga­ran­tiert wer­den“, er­gänzt Wein­bau­prä­si­dent Jo­han­nes Schmu­cken­schla­ger.

Vorbilder und Stu­di­en

Drei Jah­re in­ten­si­ve Vor­ar­beit hat der Ver­band in sein neu­es Nach­hal­tig­keits­zer­ti­fi­kat ge­steckt. Auch ei­ne Stu­die wur­de er­stellt, die auf­zeigt, wo es in der Welt be­reits ähn­li­che An­sät­ze gibt. Fün­dig wur­de man in Ka­li­for­ni­en, Aus­tra­li­en und Neu­see­land. „Dort gibt es be­reits Zer­ti­fi­ka­te mit un­ter­schied­li­chen An­for­de­run­gen. Doch bei uns in Eu­ro­pa gibt es we­ni­ge“, sagt Glatt. Nach der ein­ge­hen­den Ana­ly­se hat der Ver­band in die­sen drei Jah­ren ein On­line-Tool für die Mes­sung nach­hal­ti­ger Ar­beits­wei­se ent­wi­ckelt, „das je­den Schritt, der im Wein­gar­ten und im Kel­ler ge­macht wird, be­wer­tet“, sagt Glatt. Da­mit kön­nen Ös­ter­reichs Win­zer ei­ne Ei­gen­be­wer­tung durch­füh­ren. Die Un­ter­su­chung ist um­fas­send: Nach der Ein­ga­be ih­rer be­trieb­li­chen Kenn­zah­len be­kom­men die Win­zer ei­ne Aus­wer­tung ih­rer Nach­hal­tig­keit in Form ei­nes Dia­gramms, das in Ab­stu­fun­gen auf­zeigt, in wel­chen Be­rei­chen der Nach­hal­tig­keit sie ei­ne ho­he be­zie­hungs­wei­se ge­rin­ge Wer­tig­keit auf­wei­sen. Das Sys­tem wirft kei­ne kon­kre­ten Zah­len aus, son­dern zeigt den Re­la­tiv­be­zug, in wel­chen Be­rei­chen man über­durch­schnitt­lich nach­hal­tig wirt­schaf­tet, aber auch, in wel­chen Be­rei­chen deut- li­ches Ver­bes­se­rungs­po­ten­zi­al be­steht. Für die Be­wer­tung wer­den neun Kri­te­ri­en her­an­ge­zo­gen: • Kli­ma­neu­tra­li­tät • Was­ser­nut­zung • Ener­gie­ein­satz • Be­triebs­mit­tel­ein­satz • Bo­den­frucht­bar­keit • • • • Bi­o­di­ver­si­tät Ho­her Qua­li­täts­an­spruch So­zia­le Aspek­te Öko­no­mi­sche Ren­ta­bi­li­tät Nach der Ei­gen­kon­trol­le, wie nach­hal­ti­ge Stan­dards be­reits ein­ge­hal­ten wer­den, kann der Win­zer in ei­nem zwei­ten Schritt seit ein­ein­halb Jah­ren ei­ne Nach­hal­tig­keits­zer­ti­fi­zie­rung be­an­tra­gen. Die Über­prü­fung und Zer­ti­fi­zie­rung für das Gü­te­sie­gel „Nach­hal­tig Aus­tria“wird laut Wein­bau­ge­schäfts­füh­rer Glatt „von zwei Kon­troll­fir­men durch­ge­führt, die seit vie­len Jah­ren im bio­lo­gi­schen An­bau ak­tiv sind“.

Zahl der Zer­ti­fi­ka­te steigt

Be­reits rund 50 Wein­be­trie­be sind mit „Nach­hal­tig Aus­tria“zer­ti­fi­ziert und dür­fen das Nach­hal­tig­keitsLo­go auf dem Etikett an­brin­gen. Da der Auf­wand, das Sie­gel zu er­hal­ten, re­la­tiv hoch ist und die Kon­trol­len in­ten­siv sind, ist die An­zahl der Wein­gü­ter noch über­schau­bar. Aber Glatt ist si­cher, „die Zahl wird lang­sam wach­sen, denn die Zer­ti­fi­zie­rung wird im­mer wich­ti­ger“. Vor al­lem, wenn man ex­port­ori­en­tiert sei, wie Hun­der­te ös­ter­rei­chi­sche Wein­bau­be­trie­be. Die 50 „Nach­hal­tig Aus­tria“-zer­ti­fi­zier­ten Wein­gü­ter sind al­le stark im Ex­port tä­tig. Da­her gibt es das Nach­hal­tig­keits­sie­gel auch in eng­li­scher Ver­si­on: „Sustainable Aus­tria.“Un­ter­stüt­zung für die Be­kannt­ma­chung des neu­en Zer­ti­fi­kats ge­be es auch von der ÖWM (Ös­ter­reich Wein Mar­ke­ting Gm­bH)“sagt Glatt, die das Sie­gel bei Mes­sen und Aus­lands­ak­tiv­tä­ten prä­sen­tiert und in Aus­stel­ler­ver­zeich­nis­sen an­führt. „Um­welt­be­wusst­sein, ho­he So­zi­al­stan­dards und wirt­schaft­li­cher Er­folg schlie­ßen sich kei­nes­falls aus, son­dern wer­den als neue vor­dring­li­che Un­ter­neh­mens­zie­le ge­se­hen“, sagt ÖWM-Ge­schäfts­füh­rer Wil­li Klin­ger. „Da auch die Kun­den ei­ne ver­ant­wor­tungs­vol­le Wirt­schafts­wei­se im­mer stär­ker ein­for­dern, wird das The­ma Nach­hal­tig­keit auch im Mar­ke­ting im­mer wich­ti­ger.“

Drei Jah­re darf ein Wein­be­trieb nach der Zer­ti­fi­zie­rung das Sie­gel „Nach­hal­tig­keit Aus­tria“tra­gen, dann wird er wie­der über­prüft.

FO­TO: STEI­ER­MARK TOU­RIS­MUS/HAR­RY SCHIFFER

Rund 50 Wein­be­trie­be tra­gen mo­men­tan das Zer­ti­fi­kat „Nach­hal­tig Aus­tria“als Logo auf ih­rem Etikett.

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