Wenn aus Trump Rea­gan wird

Soll­te DonŻl© Trumps Wirt­schŻfts­kurs tŻts´chlich Żn je­nen von RonŻl© ReŻgŻn Żn­knüp­fen, ©Żnn er­wŻr­tet Ame­ri­kŻ ©ie größ­te Schul­den­ex­plo­si­on sei­ner Ge­schich­te.

Die Presse am Sonntag - - Eco - VON GER­HARD HO­FER

Viel­leicht hofft Do­nald Trump, dass er zu­min­dest in ei­nem Punkt an sein Vor­bild Ro­nald Rea­gan an­knüp­fen kann. Je­nem näm­lich, von der Nach­welt mit gro­ßer Mil­de be­ur­teilt zu wer­den. Als Ro­nald Rea­gan 1980 die Wahl ge­wann, dach­ten vie­le, die­ser Cow­boy wird den Drit­ten Welt­krieg an­zet­teln. Am En­de war er es, der den Kal­ten Krieg be­en­de­te. Nicht ganz al­lein, ver­steht sich. Aber doch. Mag man über sein po­li­ti­sches Er­be ge­teil­ter Mei­nung sein, so sind sich die meis­ten Ex­per­ten bei sei­ner wirt­schafts­po­li­ti­schen Hin­ter­las­sen­schaft ziem­lich ei­nig: Kein an­de­rer USPrä­si­dent hin­ter­ließ ei­ne der­ar­ti­ge Hy­po­thek.

Al­lein die Wahl Do­nald Trumps zum US-Prä­si­den­ten mach­te zu­min­dest den Dol­lar „gre­at again“. Der Buck könn­te in den nächs­ten Wo­chen erst­mals seit 2002 wie­der mehr als der Eu­ro wert sein. Der Dol­lar wer­de die ein­zi­ge Welt­wäh­rung blei­ben, mein­te der frü­he­re Bun­des­bank-Chef Axel We­ber vor we­ni­gen Ta­gen. Den Eu­ro sieht er „in der zwei­ten Li­ga“ge­mein­sam mit Yen, Pfund und dem chi­ne­si­schen Ren­min­bi.

Bör­se und De­vi­sen­markt ju­beln Trump al­so zu. Er hat schließ­lich mas­si­ve Steu­er­sen­kun­gen und De­re­gu­lie­run­gen an­ge­kün­digt. Zu­dem will er Steu­er­geld in die Hand neh­men, um Ar­beits­plät­ze zu schaf­fen. All das hat Rea­gan einst auch ge­tan. Nur in ei­nem Punkt un­ter­schei­den sich die bei­den Re­pu­bli­ka­ner ekla­tant: Rea­gan war für of­fe­nen Welt­han­del, nicht für Pro­tek­tio­nis­mus und Ab­schot­tung.

Als Rea­gan sein Amt an­trat, hat­ten die USA knapp 970 Mil­li­ar­den Dol­lar Schul­den. Als er das Wei­ße Haus 1989 ver­ließ, hat­te sich der Schul­den­berg fast ver­drei­facht, war auf 2,7 Bil­lio­nen an­ge­wach­sen. Ein Plus von 184 Pro­zent. Das ist ab­so­lu­ter Ne­ga­tiv­re­kord in der US-Nach­kriegs­ge­schich­te. Was war ge­sche­hen? Rea­gan hat­te die Steu­ern ra­di­kal ge­senkt, hat­te da­mit die Wirt­schaft auch kräf­tig an­ge­kur­belt. Aber wäh­rend das BIP um drei Pro­zent zu­leg­te, stie­gen die Schul­den jähr­lich um fast 14 Pro­zent. Der kon­ser­va­ti­ve Rea­gan, der stets in der Öf­fent­lich­keit ei­ne neo­li­be­ra­le Wirt­schafts­po­li­tik nach dem Ge­schmack der Chi­ca­go Boys pro­pa­gier­te, mach­te all die Jah­re De­fi­cit Spen­ding, wie es das Land der un­be­grenz­ten Mög­lich­kei­ten nicht für mög­lich ge­hal­ten hat­te. Rea­gan war so­zu­sa­gen der größ­te Keyne­sia­ner al­ler Zei­ten. Im­mer­hin senk­te er da­mit die Ar­beits­lo­sig­keit, die An­fang der 1980erJah­re weit über sie­ben Pro­zent lag.

Heu­te liegt die Ar­beits­lo­sen­quo­te un­ter fünf Pro­zent, es herrscht für ame­ri­ka­ni­sche Ver­hält­nis­se al­so de fac­to Voll­be­schäf­ti­gung. Trump wird sich des­halb viel schwe­rer tun, noch mehr Be­schäf­ti­gung zu ge­ne­rie­ren. 20 Bil­lio­nen Schul­den. Heu­te sit­zen die USA auf Schul­den in Hö­he von fast 20 Bil­lio­nen Dol­lar. Ba­rack Oba­ma hat in sei­ner Amts­zeit, die von der Fi­nanz­kri­se über­schat­tet war, fast acht Bil­lio­nen Dol­lar Schul­den an­ge­häuft. In ab­so­lu­ten Zah­len ist das mehr als un­ter je­dem an­de­ren Prä­si­dent. Re­la­tiv be­trach­tet wuch­sen die Schul­den in sei­ner Ära um 80 Pro­zent. Hef­tig, oh­ne Zwei­fel. Aber da­mit ist er weit von Rea­gan ent­fernt. Auch die Re­gie­rung sei­nes re­pu­bli­ka­ni­schen Vor­gän­gers, Georg Bush jun., er­höh­te die Staats­schul­den deut­lich – um 90 Pro­zent.

Mit an­de­ren Wor­ten: Dass Re­pu­bli­ka­ner für ei­nen spar­sa­men Staat ste­hen, De­mo­kra­ten hin­ge­gen ei­ne eher lo­cke­re Schul­den­po­li­tik vor­zie­hen, die­se The­se wird seit Jahr­zehn­ten wi­der­legt. Georg Bush sen. stand be­kannt­lich nur ei­ne Amt­s­pe­ri­ode zur Ver­fü­gung, um die Staats­schul­den von 2,7 auf 4,2 Bil­lio­nen an­schwel­len zu las­sen. US-Schul­den

Rea­gan als Keyne­sia­ner zu be­zeich­nen, das geht dann wohl doch et­was zu weit. Denn sei­ne Schul­den­po­li­tik ging zu­las­ten der Ar­men, auch zu­las­ten der Mit­tel­schicht und kam vor al­lem den obe­ren fünf Pro­zent zu­gu­te. Rea­gan för­der­te al­so ge­nau je­ne Eli­te, die Trump nun zu be­kämp­fen vor­gibt. Und un­ter Rea­gan wur­den je­ne Struk­tu­ren ge­schaf­fen, die den so­zia­len Auf­stieg – den ame­ri­ka­ni­schen Traum – für im­mer mehr Men­schen un­mög­lich ma­chen. Spar­sa­mer Bill Cl­in­ton. Es war Bill Cl­in­ton, der den Pfad der ex­zes­si­ven Schul­den­po­li­tik ver­ließ. Am En­de sei­ner Amts­zeit gab es in den USA so­gar Bud­get­über­schüs­se. Un­ter dem De­mo­kra­ten Bill Cl­in­ton stie­gen die Schul­den des ame­ri­ka­ni­schen Staats um mo­de­ra­te 36 Pro­zent. Bill Cl­in­ton über­nahm üb­ri­gens Rea­gans schärfs­te und um­strit­tens­te öko­no­mi­sche Waf­fe: US-No­ten­bank-Chef Alan Gre­en­span. Gre­en­span dien­te vier Prä­si­den­ten, war 18 Jah­re im Amt und ließ die No­ten­pres­se auf Hoch­tou­ren lau­fen. Auf sei­ne Initia­ti­ve wur­de im Sep­tem­ber 2000 der da­mals kaum zwei Jah­re al­te Eu­ro ge­stützt. Die­ser war un­ter 0,85 Dol­lar ab­ge­stürzt. Nicht zur Freu­de der ame­ri­ka­ni­schen Ex­por­teu­re, die un­ter dem star­ken Dol­lar lit­ten.

Heu­te ist der Dol­lar gre­at again. Und der ame­ri­ka­ni­sche Schul­den­berg grö­ßer als je zu zu­vor.

DŻss Re­puã­li­kŻ­ner für ei­nen spŻr­sŻ­men StŻŻt ste­hen, ©ie­se The­se wur©e l´ngst wi©er­legt.

US NŻ­ti­onŻl Ar­chi­ves

Ro­nald Rea­gan ver­drei­fach­te den ame­ri­ka­ni­schen Schul­den­berg und gilt den­noch als Neo­li­be­ra­ler.

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