Die et­was an¤ere Van­ne

Der fŻ­mi­li­en­geführ­te In­stal­la­teur Mar­van kŻnn 120 JŻh­re Ge­schich­te un© 11.000 Kun©en in sei­ner KŻr­tei vor­wei­sen. Die vier­te Ge­nerŻ­ti­on meng­te ©er TrŻ©iti­on nun ©ie nö­ti­ge In­no­vŻ­ti­on ãei.

Die Presse am Sonntag - - Mein Geld - VON AN­TO­NIA LÖFF­LER

Wäh­rend Matthias Mar­van den Bä­der­ka­ta­log aus Kai­sers Zei­ten durch­blät­tert, kann er sei­ne Be­geis­te­rung schwer ver­ber­gen. Auch wenn er ihn be­stimmt schon Dut­zen­de Ma­le in der Hand ge­habt hat. „Das war pu­rer Lu­xus. Es ist al­les schon da ge­we­sen, die irr­wit­zigs­ten Brau­sen und Bä­der“, sagt er, wäh­rend er sich tie­fer über den Ka­ta­log mit den fei­nen Dru­cken beugt.

Al­les schon da ge­we­sen, das mag stim­men. Aber wenn man auf die Preis­an­ga­ben in Kro­nen am Rand der hübsch ge­mal­ten Ba­de­ge­mä­cher blickt, sieht man: Ein ge­flies­tes, ei­ge­nes Ba­de­zim­mer mit flie­ßen­dem Was­ser und wo­mög­lich noch ei­ner Wan­ne, das war in ei­ner nicht so weit zu­rück­lie­gen­den Ver­gan­gen­heit den obe­ren Zehn­tau­send vor­be­hal­ten.

Was Mar­van ne­ben all dem ge­flies­ten Lu­xus be­son­ders gern un­ter­streicht: „Ei­ne Ba­de­wan­ne mit Tür hat­ten sie da­mals nicht.“Die ist näm­lich die Spe­zia­li­tät des fa­mi­li­en­geführ­ten In­stal­la­teur­be­triebs na­he dem Wie­ner Re­u­mann­platz. Das 120 Jah­re al­te Un­ter­neh­men wird zur­zeit in drit­ter und vier­ter Ge­ne­ra­ti­on ge­führt. Aber erst die Idee mit der Ba­de­wan­nen­tür vor et­wa zehn Jah­ren mach­te die Mar­vans über die Gren­zen von Fa­vo­ri­ten hin­weg be­kannt, er­zählt Mut­ter Regina.

Als „graue Emi­nenz im Hin­ter­grund“be­zeich­net sich die freund­li­che, äl­te­re Da­me. Sich selbst rech­net sie gar nicht mehr in die Mit­ar­bei­ter- zahl ein – und den­noch kann man un­ge­fragt da­von aus­ge­hen: Oh­ne den Se­gen der Se­ni­or­che­fin ge­sellt sich zu den ak­tu­ell 13 Mit­ar­bei­tern so schnell kein neu­er hin­zu. Da­für sind vie­le ih­rer An­ge­stell­ten be­reits seit mehr als 20 Jah­ren im Team, die Mon­teu­re sind al­le bei den Mar­vans in die Leh­re ge­gan­gen. „Au­ßen­sei­ter kann man bei uns nicht sein, weil es so fa­mi­li­en­geführt ist“, er­gänzt Sohn Matthias.

Dass er und sein äl­te­rer Bru­der, Chris­toph, dem die Fir­ma die Er­fin­dung der mitt­ler­wei­le pa­ten­tier­ten Ba­de­wan­nen­tür ver­dankt, nun­mehr als vier­te Ge­ne­ra­ti­on zur Über­ga­be be­reit­ste­hen, war trotz des be­hü­te­ten Ar­beits­um­felds nicht vor­ge­zeich­net. Bei­de be­such­ten ei­ne HTL, bei­de zog es aber kurz­fris­tig auf die Uni­ver­si­tät – und dann wie­der zu­rück in den el­ter­li­chen Be­trieb.

„Ich woll­te im­mer, dass sie frei ent­schei­den“, be­tont Regina Mar­van. Zu leb­haft ha­be sie das Ne­ga­tiv­bei­spiel ih­res ei­ge­nen Man­nes, Fer­di­nand, vor Au­gen ge­habt, der ei­gent­lich Leh­rer wer­den woll­te und nicht durf­te. Es galt schließ­lich, ei­nen Be­trieb zu über­neh­men. Er sei nach al­lem mensch­li­chen Er­mes­sen auch in der Gel­lert­gas­se glück­lich ge­wor­den, sagt sie. Aber so ei­ne Zwangs­ent­schei­dung woll­te sie für ih­re Söh­ne nicht. Ge­zwun­gen hat ihn kei­ner, be­tont Matthias Mar­van. Es sei viel­mehr das Ge­fühl ge­we­sen, Teil ei­nes funk­tio­nie­ren­den Gan­zen zu sein, das ihn zu­rück nach Fa­vo­ri­ten lock­te. Der Ju­ni­or­chef be­tont: Trotz der 11.000 Kun­den in der Kar­tei und der seit 120 Jah­ren ge­wach­se­nen Struk­tu­ren er­lau­be das Fa­mi­li­en­un­ter­neh­men ihm, dar­in zu wach­sen. Die vier­te Wel­le. Eben­die­se ge­wach­se­nen Struk­tu­ren wa­ren es aber auch, die den Ju­ni­or­chef nach sei­nem Ein­tritt 2009 auf den Bei­nen hiel­ten. Ei­ne Web­site hat­te im In­stal­la­teur­be­trieb Mar­van noch kei­nen Ein­zug ge­hal­ten. Die La­ger­hal­tung ge­hör­te über­dacht, die Bü­ro­räu­me in der Gel­lert­gas­se aus­ge­baut. Zu­dem war die Zeit reif für ei­ne aber­ma­li­ge Neu­ver­or­tung.

Die ers­te Ge­ne­ra­ti­on, der böh­mi­sche Ur­groß­va­ter, Jo­hann Mar­van, grün­de­te das Ge­schäft 1896 als klei­nen Speng­ler­be­trieb. Groß­va­ter Fer­di­nand ent­wi­ckel­te es in der Zwi­schen­kriegs­zeit zum In­stal­la­teur­un­ter­neh­men, das vie­le Groß­auf­trä­ge für die Stadt Wi­en ab­wi­ckel­te. Va­ter Fer­di­nand leg­te den Schwer­punkt auf Pri­vat­bä­der. Um die Jahr­tau­send­wen­de muss­te der Fa­mi­li­en­be­trieb in­mit­ten des im­mer stär­ke­ren Wett­be­werbs sei­ne Spe­zia­li­sie­rung neu ab­ste­cken.

„Wir ha­ben ei­nen sehr gro­ßen Kun­den­stock über­nom­men. Die Leu­te sind mit uns mit­ge­al­tert“, er­zählt Se­ni­or­che­fin Regina Mar­van. Was lä­ge al­so nä­her, als dem de­mo­gra­fi­schen Wan­del und den sich än­dern­den Be­dürf­nis­sen im Bad ent­ge­gen­zu­kom­men? So ent­wi­ckel­te der äl­te­re Sohn, Chris­toph, auf An­stoß der be­tag­ten Kund­schaft ei­ne nach­träg­lich ein­bau­ba­re Wan­nen­tür und nann­te sie Ma­gic Bad. Sein Bru­der, Matthias, nahm den Ge­dan­ken auf und spann ihn wei­ter: Heu­te gibt es aus dem Haus Mar­van vor­ge­fer­tig­te Ba­de­wan­nen mit Tür zu kau­fen. Die

»Wir hŻãen ei­nen gro­ßen Kun©en­stock üãer­nom­men, er ist mit uns mit­geŻl­tert.« »In ©er BrŻn­che wur©en wir lŻng ge­nug für ver­rückt gehŻl­ten.«

zwei In­ge­nieur­brü­der ver­ge­ben die Li­zen­zen zum Ein­bau der Tü­ren mitt­ler­wei­le auch an rund 70 wei­te­re In­stal­la­teur­un­ter­neh­men in Ös­ter­reich. Die Mon­ta­ge der 7000 Tü­ren, die seit der Pa­ten­tie­rung 2006 ein­ge­baut wur­den, wä­re auch mit dem rou­ti­nier­ten, alt­ein­ge­ses­se­nen 13-köp­fi­gen Team ir­gend­wann nicht mehr zu be­werk­stel­li­gen ge­we­sen.

„In der Bran­che wur­den wir lang ge­nug für ver­rückt ge­hal­ten“, sagt die Se­ni­or­che­fin. Jetzt ist die einst be­lä­chel­te Tür in sechs Län­dern ver­tre­ten. Kon­kur­renz wie der Groß­han­del kauft bei den Mar­vans zu. Aus der Mas­se an Wie­ner In­stal­la­teu­ren sticht man dank der Er­fin­dung mitt­ler­wei­le her­vor. Klas­si­sche In­stal­la­teur­ar­bei­ten an Hei­zun­gen, Kli­ma­an­la­gen, Ther­men oder Gas­lei­tun­gen füh­re man aber nach wie vor durch – auch ein krea­ti­ves Stand­bein al­lein er­hält wirt­schaft­lich kei­nen Be­trieb.

Die vier­te Ge­ne­ra­ti­on sieht ge­las­sen in die Zu­kunft. Den­noch be­to­nen die In­ge­nieur­brü­der, wie un­gern sie ih­ren Va­ter in die Pen­si­on ent­las­sen wür­den: „Wir kön­nen nicht oh­ne ihn. Er ist die Er­fah­rung pur. Er sagt selbst, er hat 30 Jah­re nur ge­lernt“, sagt Matthias Mar­van. In dem Sinn ha­ben er und sein Bru­der noch ei­ni­ge Lehr­jah­re vor sich.

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