Trep­pen­wit­ze und Anachro­nis­mus

Sind nicht ge­schäfts­schä­di­gend, die For­mel 1 de­mons­triert das seit Jahr­zehn­ten. Es rol­len Mil­li­ar­den für TV-Rech­te und Teams, flot­te Rei­fen­wech­sel und Stra­ßen­ver­kehrs­ord­nung ge­nü­gen.

Die Presse am Sonntag - - Sport - VON MARK­KU DATLER

Die For­mel 1 galt für vie­le Län­der, de­ren Ma­cher und Po­li­ti­ker, als ech­tes Schmuck­stück, das man um schier je­den Preis ha­ben muss­te. Wo ein Grand Prix star­te­te, so das welt­wei­te Si­gnal, sind Auf­schwung, Wohl­stand, Busi­ness und Gla­mour zu Hau­se. Die­ses Ver­lan­gen ist Ge­schich­te, längst zwei­felt manch Kanz­ler nicht mehr an der In­te­gri­tät des Eccles­to­ne ver­lie­he­nen Gol­de­nen Eh­ren­zei­chens, wenn sein Ren­nen aus dem Ka­len­der fliegt, weil an­de­re mehr Geld bie­ten. Oder dik­ta­to­ri­sche Län­der be­vor­zugt wer­den, weil die EU mit Wer­be­ver­bo­ten und Markt­re­gu­lie­run­gen die­ses „Renn­fah­ren für Reich­tum“un­ter­bin­det. In Ös­ter­reich, das ist die Wahr­heit, fährt die For­mel 1 nur, weil Dietrich Ma­te­schitz es will – und be­zahlt.

Eccles­to­ne folgt, wie der Welt­fuß­ball oder Olym­pia, dem Lock­ruf des Gel­des. Nun er­reich­ten ihn be­dau­er­li­che Meldungen: Ma­lay­sia steigt nach 2018 aus, die Aus­ga­ben für ein Renn­wo­chen­en­de von 64,6 Mil­lio­nen Eu­ro sei­en zu hoch. Sin­ga­pur er­wägt die­sen Schritt be­reits 2017. Auch in Mon­tre­al, Sao˜ Pau­lo und Ho­cken­heim (Fix­ab­sa­ge für 2017) soll die Rech­nung nicht stim­men.

Geld schläft nie, es sind die üb­li­chen Mätz­chen vor dem Sai­son­schluss. Es geht nur um Ge­winn­ma­xi­mie­rung, längst nicht mehr im zwei­stel­li­gen Mil­lio­nen­be­reich. Das zeigt das Bei­spiel McLa­ren. Beim Sechs­ten der Kon­struk­teurs-WM wur­de Ron Dennis nach 36 Di­enst­jah­ren von den Mit­ge­sell­schaf­tern ab­ser­viert. Man muss den eit­len Bri­ten wirk- lich nicht mö­gen, al­ler­dings ver­stand er sein Ge­schäft und hat­te In­ves­to­ren pa­rat, die 1,88 Mil­li­ar­den Eu­ro für die Über­nah­me aus­ge­ben woll­ten. Es war zu we­nig . . .

Wer­den sol­che De­als ab­ge­lehnt, geht es nur noch um viel mehr Geld. Li­ber­ty Me­dia kauf­te die For­mel 1 für acht Mil­li­ar­den Dol­lar, das hat ge­wiss ei­nen gu­ten Grund. Wer sol­che Sum­men aus­gibt, dem ist völ­lig egal, ob über­holt wird, der Mo­tor schnurrt oder sich glo­bal ein paar Fans är­gern. Anachro­nis­mus ist kei­nes­wegs ge­schäfts­schä­di­gend, Haupt­sa­che, das vor­ab aus­fi­nan­zier­te Ren­nen läuft sonn­tags welt­weit vor mehr als 70 Mil­lio­nen Men­schen im TV oder on­line.

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