Mehr als nur Acht­zi­ger­jah­re-Spiel­zeug

Die Mi­ni NES Clas­sic von Nin­ten­do lässt die Her­zen von Re­tro-Fans hö­her­schla­gen, aber stei­gert auch das Frust­le­vel, weil sie nir­gend­wo er­hält­lich ist. Es gibt aber ei­nen Aus­weg.

Die Presse am Sonntag - - Spielzeug - VON BAR­BA­RA GRECH

Nin­ten­do hat sich mit „Po­ke-´ mon Go“, das im Som­mer ge­mein­sam mit Ni­an­tic für Smart­pho­nes er­schie­nen ist, er­folg­reich zu­rück­ge­mel­det. Am 15. De­zem­ber er­scheint die ers­te ei­ge­ne App der Ja­pa­ner für iOS: „Su­per Ma­rio Run“. Seit dem 11. No­vem­ber ist ein Stück Ge­schich­te in neu­em, klei­nem Ge­wand er­hält­lich – zu­min­dest theo­re­tisch. Denn die Mi­ni­ver­si­on der Spie­le­kon­so­le NES ist ver­grif­fen. Ein­zel­ne Händ­ler bie­ten das Ge­rät noch an, aber der Preis liegt jen­seits der 300-Eu­ro-Gren­ze, und das, ob­wohl die Kon­so­le mit 30 vor­in­stal­lier­ten Nin­ten­do-Klas­si­kern nur 70 Eu­ro kos­ten soll­te.

„Die Pres­se am Sonn­tag“hat das Ge­rät ge­tes­tet und geht der Fra­ge auf den Grund, ob der Hy­pe be­rech­tigt ist. Bei der Nin­ten­do Mi­ni NES Clas­sic han­delt es sich um kei­ne li­mi­tier­te Auf­la­ge. Doch ob die Ge­rä­te recht­zei­tig zu Weihnachten wie­der in den Ge­schäf­ten lan­den, ist un­klar. An­ste­cken, los­s­pie­len. Wer mit der Nin­ten­do NES auf­ge­wach­sen ist, wird spä­tes­tens bei der Me­lo­die von „Su­per Ma­rio Bros.“nost­al­gisch, und bei dem Tod durch ei­ne Schild­krö­te er­wacht der al­te Ehr­geiz. Statt Up­dates ab­war­ten zu müs­sen und ein Spiel mit sechs Gi­ga­byte her­un­ter­zu­la­den, steckt man die Kon­so­le ein­fach an und kann auch schon star­ten. Schon öff­net sich das bis zu 30 Jah­re al­te Nin­ten­do-Uni­ver­sum. Zwei Ka­bel, zwei An­schlüs­se. Die Ka­bel wer­den mit­ge­lie­fert. Ein Netz­teil sucht man in der klei­nen Ver­pa­ckung ver­geb­lich. Dar­auf ver­zich­tet Nin­ten­do. Gän­gi­ge Smart­pho­ne-Netz­ste­cker rei­chen aber schon aus.

Wirk­lich är­ger­lich ist, dass Nin­ten­do bei der Ka­bel­län­ge der­art ge­geizt hat. Von ei­ner ge­müt­li­chen Spie­le­ses­si­on auf der Couch muss man sich ver­ab­schie­den. Ab­hil­fe schafft man, in­dem man sich im Fach­han­del ein ent­spre­chend lan­ges HDMI-Ka­bel be­sorgt. Kos­ten­punkt: ab fünf Eu­ro (drei Me­ter). Man darf sich nicht dar­an stö­ren, dass so­mit ein Ka­bel quer durch das Wohn­zim­mer ver­läuft. Die Kon­so­le bie­tet da­für al­les, was das Nost­al­gik­er­herz be­gehrt.

Die Bild­aus­ga­be er­folgt in 480 p oder 720 p bei ei­ner Bild­wie­der­hol­ra­te von 60 Hertz. An­ge­zeigt wer­den die Spie­le wahl­wei­se in 4:3 (frü­he­rer Stan­dard), in Ori­gi­nal­auf­lö­sung oder mit ei­nem CRT-Fil­ter, wo­durch das Bild ei­nes al­ten Röh­ren­fern­se­hers emu­liert wird. Die Ein­fach­heit der Kon­so­le macht ih­ren Reiz aus. Es zeigt, dass es für pu­res Spiel­ver­gnü­gen gar nicht vie­le Zu­ta­ten braucht. Schnell wer­den aber Er­in­ne­run­gen an schmer­zen­de Dau­men und an­ge­hen­de Seh­nen­schei­den­ent­zün­dun­gen wie­der wach. In ei­nen zwei­ten Con­trol­ler, der nor­ma­ler­wei­se für zehn Eu­ro er­hält­lich ist, soll­te auf je­den Fall in­ves­tiert wer­den. Für un­ge­dul­di­ge Bast­ler. Wer nicht war­ten will, kann sich mit nur we­ni­gen Zu­ta­ten selbst ei­ne Mi­ni-NES bau­en. Da­für be­nö­tigt man ei­nen Raspber­ry Pi des Typs B3, die­ser bie­tet ei­ne tech­nisch bes­se­re Aus­stat­tung. Für das Re­tro-Fee­ling emp­fiehlt sich ein Blick auf Web­sei­ten wie will­ha­ben.at oder eBay. Dort wer­den güns­tig Con­trol­ler an­ge­bo­ten. Vor­sicht gilt beim In­stal­lie­ren von ur­he­ber­rechts­ge­schütz­ten Spie­len. Soll­te man noch im Be­sitz von Ori­gi­nal-NES-Spie­len sein, ist man so­wie­so auf der si­che­ren Sei­te. Ei­ne de­tail­lier­te Be­schrei­bung zur In­stal­la­ti­on und der not­wen­di­gen Aus­stat­tung fin­det sich auf sei­te360.de. Zwar sieht der Raspber­ry Pi nicht wie die Nin­ten­do-Kon­so­le aus, aber der Un­ter­schied bei den emu­lier­ten Spie­len ist ge­ring. Und mit knapp 100 Eu­ro taucht man eben­falls in die Nin­ten­do-Welt ein.

Nin­ten­do

Klei­ner als das Ori­gi­nal, aber tech­nisch über­le­gen.

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