Ma­schi­nen­raum

VOL­LE KRAFT VOR­AUS DURCH DIE TECHNIKWELT

Die Presse am Sonntag - - Spielzeug -

Ich mach mir ja ge­le­gent­lich ei­nen Spaß dar­aus, tech­ni­sche Neu­ig­kei­ten mit ei­nem ge­hö­ri­gen Quan­tum Iro­nie – bis­wei­len so­gar Zy­nis­mus – zu kom­men­tie­ren. „Mi­kro­sko­pe und Fern­röh­re ver­wir­ren den rei­nen Men­schen­sinn“, wuss­te schon der al­te Goe­the, aber erst Karl Kraus er­kann­te, dass die Ent­wick­lung der Tech­nik bei der Wehr­lo­sig­keit vor ihr an­ge­langt ist. Was hat Elon Musk da­zu zu sa­gen? Wür­de mich glatt in­ter­es­sie­ren. Nicht zu­letzt, was dem Vi­sio­när des 21. Jahr­hun­derts ent­fuhr – des­sen Elek­tro­au­to-Ma­nu­fak­tur wohl nicht zu­fäl­lig nach Nikola Tes­la be­nannt wur­de –, als er erst­mals den Nio EP9 zu Ge­sicht be­kam. „Was ist das nun wie­der?“, hö­re ich Sie fra­gen. Zu Recht. Der Nio NP9 ist – auf den ers­ten Blick mäch­tig be­ein­dru­ckend – nicht mehr als ei­ne Mar­gi­na­lie der ra­san­ten tech­ni­schen Ent­wick­lung der Spe­zi­es Elek­tro­mo­bil. Es han- delt sich um ei­nen Sport­wa­gen des chi­ne­si­schen Her­stel­lers Next EV, der kürz­lich vor­ge­stellt wur­de. Mo­tor­leis­tung 1000 Ki­lo­watt (ent­spricht 1360 PS), 1,7 Ton­nen Ge­wicht, Preis un­be­kannt, aber ga­ran­tiert sie­ben­stel­lig. Mit dem Ding lässt sich in sie­ben Mi­nu­ten, fünf Se­kun­den und zwölf Hun­derts­tel über die Nür­burg­ring-Nord­schlei­fe flit­zen, was ein Re­kord ist. Auch sonst ist er nicht von schlech­ten El­tern. Er­hält­lich ist er vor­erst nur in Chi­na. Aber es gibt hier­zu­lan­de si­cher auch Ab­neh­mer. Nor­mal­ver­die­nern wie uns blei­ben nur mehr oder min­der ge­witz­te Dis­tan­zie­rungs­ver­su­che. „Wenn ich den China­kra­cher im­por­tie­re“, schrieb ich auf Face­book, „schießt mir dann die Bun­des­re­gie­rung die Kos­ten für die Fuß­mat­ten zu?“Be­zo­gen ist die­se Wort­mel­dung auf die An­kün­di­gung des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Ver­kehr, In­no­va­ti­on und Tech­no­lo­gie (BMVIT), ein 72 Mil­lio­nen Eu­ro schwe­res Ak­ti­ons­pa­ket der Elek­tro­mo­bi­li­tät zu wid­men. Sprich: Pri­vat­per­so­nen sol­len beim Kauf von E-Au­tos bis zu 4000 Eu­ro be­kom­men. Die­se sol­len mit grü­nen Num­mern­ta­feln rumsur­ren und von Park­ge­büh­ren so­wie Bus­spur­fahr­ver­bo­ten be­freit wer­den. Zu­dem möch­te man – die Au­to­im­por­teu­re sind an Bord – in Strom­tank­stel­len in­ves­tie­ren. Lei­der wird es nix mit dem staat­lich un­ter­füt­ter­ten Er­werb ei­nes Nio EP9. Vor­aus­set­zung für För­der­koh­le ist näm­lich, dass ein Neu­wa­gen „in der Ba­sis­ver­si­on“un­ter 50.000 Eu­ro kos­tet und ei­nen Grün­strom­lie­fer­ver­trag er­hält. Ich fürch­te, da bei­ße ich in Chi­na auf Gra­nit. Über die­ses vor­weih­nacht­li­che Ge­schenk darf – der Jah­res­zeit ad­äquat – be­sinn­lich lei­se dis­ku­tiert wer­den.

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