Wer braucht da noch US-Kri­mis?

»Die Pres­se am Sonn­tag« hat be­ein­dru­cken­de deutsch­spra­chi­ge Span­nungs­ro­ma­ne ge­le­sen: vom Tech-Thril­ler über ei­nen Po­li­zei­kri­mi bis hin zu zwei ge­gen­sätz­li­chen Outs­ider­por­träts.

Die Presse am Sonntag - - Lesenhören - VON PE­TER HU­BER

Der US-Au­ßen­mi­nis­ter stirbt bei ei­nem Staatsbesuch in Mün­chen. Die Auf­re­gung ist groß. Als bei der Ob­duk­ti­on des To­ten dann aber auch noch ein Smi­ley am Her­zen des Man­nes ge­fun­den wird, herrscht vor al­lem Fas­sungs­lo­sig­keit: Wie kann das sein?

Der ös­ter­rei­chi­sche Best­sel­ler­au­tor Marc Els­berg liebt au­ßer­ge­wöhn­li­che Sze­na­ri­en wie die­ses. In „Black­out“(von dem mitt­ler­wei­le über ei­ne Mil­li­on Ex­em­pla­re ver­kauft wur­den) ließ er zwei Wo­chen lang in gro­ßen Tei­len Eu­ro­pas den Strom aus­fal­len, in „Ze­ro“ka­men die mäch­ti­gen Da­ten­kra­ken und de­ren un­se­ren All­tag be­ein­flus­sen­de Al­go­rith­men zum Ein­satz. In „He­lix“geht es nun um die Ein­satz­mög­lich­kei­ten der mo­der­nen Gen­tech­nik, die Fluch und Se­gen sein kann. Das be­tont der Au­tor im­mer wie­der, wes­halb er sei­ne Bü­cher nicht als Ka­ta­stro­phen-, son­dern viel­mehr als Ge­sell­schafts- oder De­bat­ten­thril­ler ver­stan­den wis­sen will.

Das ist die ganz gro­ße Stär­ke des Au­tors: Er macht kom­ple­xe Din­ge wie die Cris­pr-Tech­no­lo­gie, mit de­ren Hil­fe die DNA fast je­des Or­ga­nis­mus, auch des Men­schen, ma­ni­pu­liert wer­den kann, leicht ver­ständ­lich. Da­bei ver­sucht er erst gar nicht, li­te­ra­risch zu sein, wie er in In­ter­views zu­gibt, und hat auch kein Pro­blem da­mit, mög­lichst vie­le Le­ser er­rei­chen zu wol­len. Fak­ten und Fik­ti­on. Els­berg braucht Platz für sei­ne Ge­schich­ten, denn er er­zählt gern aus ei­ner Mul­ti­per­spek­ti­ve mit vie­len par­al­le­len Er­zähl­strän­gen. We­nig ver­wun­der­lich um­fass­te sein per­fekt funk­tio­nie­ren­des Er­folgs­buch „Black­out“da­her 800 Sei­ten. Der et­was we­ni­ger run­de Nach­fol­ger, „Ze­ro“, kam dann al­ler­dings mit „nur“480 Sei­ten aus, ver­mut­lich auf Ver­lags­wunsch. Fans kön­nen nun aber be­ru­higt sein: „He­lix“bie­tet 648 kurz­wei­li­ge Sei­ten lang Els­bergs ge­wohn­ten Fak­ten-un­dFik­ti­on-Mix, der ge­konnt in ei­ne Thril­ler­hand­lung ein­ge­wo­ben wur­de.

Der Au­tor mag da­bei manch­mal über das Ziel hin­aus­schie­ßen. Denn es ist schon sehr viel, was er da hin­ein­packt: ei­nen to­ten US-Au­ßen­mi­nis­ter auf deut­schem Bo­den, ge­ne­tisch ver­än­der­te Vi­ren, plötz­lich ge­gen al­le Schäd­lin­ge im­mu­ne Nutz­pflan­zen und Marc Els­berg „He­lix“Blan­va­let Ver­lag 648 Sei­ten 23,70 Eu­ro

Lukas Il­g­ner

Marc Els­berg hat sich „Ju­ras­sic Park“-Er­fin­der Micha­el Crich­ton als Vor­bild ge­nom­men. Mit gro­ßem Er­folg.

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