WAHL­KAMPF AUS VE­LES

Die Presse am Sonntag - - Globus -

Ve­les

liegt am Fluss Var­dar im Lan­des­in­ne­ren von Ma­ze­do­ni­en. Die Kle­in­stadt hat rund 44.000 Ein­woh­ner. In die Schlag­zei­len kam Ve­les, weil In­ter­nett­rol­le von hier aus Fal­sch­mel­dun­gen ver­brei­te­ten, die im US-Wahl­kampf pu­bli­kums­wirk­sam zi­tiert wur­den. Vor al­lem ka­men die Meldungen zu­gu­te. Die haupt­säch­lich jun­gen Bur­schen ver­die­nen Geld mit der Ver­brei­tung der Nach­rich­ten, da mit den Klick­zah­len die Wer­be­ein­nah­men stei­gen.

Do­nald Trump

Hun­dert Eu­ro. Die­je­ni­gen, die das gro­ße Geld ma­chen, sind schon Mit­te, En­de 20“, sagt Zoran. Aber auch sie sind meis­tens kei­ne In­for­ma­ti­ker, son­dern Zahn­tech­ni­ker oder Eng­lisch­leh­rer. Die meis­ten hät­ten zwi­schen 3000 und 5000 Eu­ro mit den Sei­ten ver­dient, ei­ni­ge we­ni­ge bis zu 30.000 Eu­ro. In ei­nem Land, in dem das Durch­schnitts­ge­halt bei rund 350 Eu­ro liegt, ist das ei­ne Men­ge Geld. Schnel­les Geld, schnel­le Pro­ble­me. Im Ca­fe´ Escape sitzt der 28-jäh­ri­ge Bo­jan und schaut sich auf sei­nem Bild­schirm ei­ne Fal­sch­nach­richt an, in der be­haup­tet wird, der US-Grenz­schutz wol­le Ba­rack Oba­ma ab­schie­ben, weil er ein il­le­ga­ler Ein­wan­de­rer sei. Mit ei­nem Lä­cheln sagt Bo­jan: „Die ha­ben Do­nald Trump ver­dient, wenn sie so ei­nen Un­sinn glau­ben.“Ja, auch er ken­ne ei­ni­ge der Be­trei­ber. „Die Men­schen hier müs­sen halt se­hen, wo sie blei­ben. War­um soll­ten sie die­se Sei­ten nicht be­trei­ben?“War­um sei­ne Freun­de sich ver­ste­cken und nicht an die Öf­fent­lich­keit ge­hen? „Hier kennt je­der je­den. Wer hier schnell an Geld kommt, kriegt auch schnell Pro­ble­me.“

Der Um­satz von Face­book liegt hö­her als das ge­sam­te Brut­to­in­lands­pro­dukt Ma­ze­do­ni­ens. Und doch wa­ren es auch die Fal­sch­nach­rich­ten aus Ve­les, die Face­book-Chef Mark Zu­cker­berg zu ei­nem State­ment zwan­gen. Zu­nächst sag­te der Kon­zern­chef noch: „Es ist ver­rück­te zu glau­ben, dass die Fa­keNews auf Face­book die US-Wah­len be­ein­flusst ha­ben. 99 Pro­zent des In­halts sind ak­ku­rat.“Ei­ne Ana­ly­se von vox.com wi­der­legt die­se Aus­sa­ge.

Dem­nach sei­en die 20 meist ge­klick­ten Fal­sch­nach­rich­ten zum En­de des Wahl­kampfs zu 20 Pro­zent mehr ge­klickt wor­den als die er­folg­reichs­ten se­riö­sen Meldungen. 44 Pro­zent der US-Ame­ri­ka­ner be­kom­men ih­re Nach­rich­ten über Face­book. Vor zwei Wo­chen gab Face­book dem Druck der Öf­fent­lich­keit dann doch nach und än­der­te sei­ne Ge­schäfts­be­din­gun­gen. Mit­glie­der dür­fen dem­nach kei­ne In­hal­te mehr be­wer­ben, die „ir­re­füh­rend oder il­le­gal“sind. Auch Goog­le geht jetzt ge­gen die Fal­sch­nach­rich­ten vor. Da­mit ist das Ge­schäft mit Do­nald Trump für die Be­trei­ber in Ve­les vor­erst vor­bei. Ei­ni­ge der Sei­ten wer­den nicht mehr ver­linkt und sind be­reits aus dem Netz ver­schwun­den. Das Ge­schäft mit Goo­gleAds geht aber wei­ter, sagt Zoran. „Sie be­schäf­ti­gen sich jetzt wie­der mit den Sport­sei­ten. Was sol­len sie hier auch sonst ma­chen.“

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