MAREK GIB­NEY

Die Presse am Sonntag - - Kultur -

Er schuf aus Spaß das Pro­gramm Gnooks, das Usern Au­to­ren emp­fiehlt, und die Li­te­ra­tu­re Map: Sie zeigt, wel­che Au­to­ren die Fans ei­nes be­stimm­ten Au­tors au­ßer­dem noch mö­gen. nicht nur kurz vor­bei­schau­en, son­dern viel Zeit hier ver­brin­gen.“

Gib­neys Sys­tem be­ruht auf den An­ga­ben der User über ih­re drei Lieb­lings­kom­po­nis­ten und -bands bzw. Lieb­lings­au­to­ren. Je mehr Da­ten ein­lan­gen, des­to aus­sa­ge­kräf­ti­ger die Er­geb­nis­se. Mu­sik ist mit Ab­stand die meist­be­nutz­te Sek­ti­on, des­we­gen lie­fert sie die ver­läss­lichs­ten Emp­feh­lun­gen – auch wenn sie mit den größ­ten Mu­sik­emp­feh­lungs­diens­ten wie Spo­ti­fy oder App­les iTu­nes-Pro­gramm nicht ver­gleich­bar ist. Der Vor­teil und Nach­teil zugleich an Gnod: Es be­ruht nicht auf dem Such- und Kauf­ver­hal­ten, son­dern al­lein auf User­an­ga­ben. Je­linek nah an An­ton Tsche­chow. Auch Gib­neys Li­te­ra­tur­dienst Gnooks wird viel ge­nutzt, eben­so wie sei­ne Li­te­ra­tu­re Map. Die­ser Land­kar­te der Au­to­ren­vor­lie­ben zu­fol­ge hat El­frie­de Je­linek kei­nen wirk­lich en­gen Nach­barn, aber ei­ni­ge in re­spekt­vol­lem Ab­stand: Hand­ke, Bor­chert, Bach­mann, Ro­bert Wal­ser, aber auch Tsche­chow, Ha­rold Brod­key und Hu­bert Fich­te. Da­für fin­det sich Phi­lip Roth von gleich drei be­rühm­ten Kol­le­gen so eng um­schnürt, dass es aus­sieht wie ei­ne ein­ge­schwo­re­ne Vie­rer­ban­de: John Up­di­ke, Saul Bel­low und Julian Bar­nes.

Dass der Groß­teil der bü­cher­inter­es­sier­ten Gäs­te auf die­ser eng­lisch­spra­chi­gen Platt­form nicht aus Deutsch­land oder Ös­ter­reich stam­men

Hou­el­l­e­becq ne­ben Tho­mas Mann – weil bei­de Ge­schich­ten vom Nie­der­gang er­zäh­len?

dürf­te, be­gin­ne ich zu ver­mu­ten, als ich es mit wei­te­ren deutsch­spra­chi­gen Schrift­stel­lern ver­su­che. Wer wohnt in den Le­s­er­her­zen, sa­gen wir, gleich ne­ben Tho­mas Mann? Das Er­geb­nis ist ein­deu­tig: Ste­fan Zweig. Der Zweit­nächs­te ist nicht ganz so er­wart­bar, es ist Tho­mas Bern­hard. Auch Marcel Proust und Ro­bert Mu­sil sind gar nicht weit, fast eben­so we­nig Mar­tin Wal­ser – und: Mi­chel Hou­el­l­e­becq.

Hou­el­l­e­becq und Tho­mas Mann – wie soll man das nun deu­ten? Man könn­te in­ter­es­san­te Schlüs­se dar­aus zie­hen, et­wa über kon­ser­va­ti­ve eu­ro­päi­sche Le­ser, die sich für Ge­schich­ten vom Nie­der­gang in­ter­es­sie­ren (in „Bud­den­brooks“den ei­ner Fa­mi­lie, in Hou­el­l­e­bec­qs jüngs­tem Ro­man „Un­ter­wer­fung“den des christ­li­chen Abend­lan­des). Doch für weit­rei­chen­de Schlüs­se schei­nen die Ein­ga­ben zu deutsch­spra­chi­gen Schrift­stel­lern zu we­nig re­prä­sen­ta­tiv.

Auch dass Goe­the-Fans sehr gern Hen­ning Man­kell le­sen, be­zweif­le ich ein we­nig. Ich be­schlie­ße al­so, mein Da­ten­scherf­lein bei­zu­tra­gen und

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