Die Ober­klas­se mit den Peil­stä­ben

Die Presse am Sonntag - - Fahren -

Mit­te der 1980er-Jah­re muss­te der Daimler-Kon­zern zu­se­hen, wie sein Flagg­schiff, die Mer­ce­des S-Klas­se, im­mer mehr Ge­sell­schaft be­kam – un­lieb­sa­me Ge­sell­schaft. BMW hat­te den 7er er­folg­reich eta­bliert und presch­te gar mit ei­nem Zwölf­zy­lin­der vor. Au­di prob­te den Ein­stieg in die Ober­klas­se mit dem V8, aus dem spä­ter der A8 her­vor­ging. Und die To­yo­ta-Toch­ter Le­xus bog mit dem LS400 eben­falls in die Ziel­ge­ra­de ein. Da war Zu­rück­hal­tung wohl das fal­sche Re­zept: Der Nach­fol­ger des ele­gan­ten, heu­te noch so ge­schätz­ten W126 ge­riet so feist und mas­sig, dass sich in Deutsch­land ei­ne ge­sell­schaft­li­che De­bat­te dar­an ent­zün­de­te. Der W140 war das ge­bo­re­ne Bon­zen­au­to – so groß, dass beim Ein­le­gen des Rück­wärts­gangs am Heck Peil­stä­be aus­fuh­ren, um beim Ran­gie­ren zu hel­fen. Frei­lich spiel­te die Li­mou­si­ne al­le Stü­cke, vom V12 bis zu al­ler­lei tech­ni­schen In­no­va­tio­nen wie CAN-Bus (Ver­net­zung der Steu­er­ge­rä­te), ESP und elek­tro­ni­sche Ein­park­hil­fe. Dass Mer­ce­des mit dem me­dia­len Echo nicht glück­lich war, zeig­te sich an den Nach­fol­ge­mo­del­len – die ge­rie­ten al­le­samt kür­zer, erst die ak­tu­el­le S-Klas­se reicht in Kurz­ver­si­on wie­der über 5,1 Me­ter. Zu trau­ri­ger Be­rühmt­heit ge­lang­te der W140 durch den töd­li­chen Un­fall von La­dy Dia­na in Pa­ris an ei­nem Sonn­tag vor 20 Jah­ren. Im Au­to­bahn­tem­po krach­te das Au­to ge­gen ei­ne Be­ton­säu­le. Ein Leib­wäch­ter, als Ein­zi­ger im Au­to an­ge­schnallt, über­leb­te. Mer­ce­des-Benz W140, 1991–1998

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