Kein Die­sel? Kein Pro­blem für

Im Zu­ge der Ab­gas­af­fä­re von VW hat auch Por­sche Är­ger mit Die­sel­mo­to­ren. Doch die Mar­ke en­ga­gier­te sich früh­zei­tig in der Plug-in-Hy­brid­tech­no­lo­gie und hat ei­ne at­trak­ti­ve Al­ter­na­ti­ve zu bie­ten – was den Fi­nanz­mi­nis­ter kaum freu­en dürf­te.

Die Presse am Sonntag - - Mein Geld - VON TI­MO VÖL­KER

Für die Fans der al­ten Schu­le, die so­ge­nann­ten Guss­ei­ser­nen, war ein Die­sel­mo­tor in ei­nem Por­sche so­wie­so im­mer ein Sa­kri­leg (von den Trak­to­ren aus der Früh­zeit ein­mal ab­ge­se­hen). Doch gin­ge es nach die­ser Frak­ti­on, hät­te Por­sche heu­te wohl auch kei­ne SUVs im Pro­gramm und so­mit im Vor­jahr kaum 237.778 Fahr­zeu­ge aus­ge­lie­fert – bis da­to ei­ne ab­so­lu­te Re­kord­zahl für die zum VW-Kon­zern ge­hö­ren­de Mar­ke aus Stutt­gart-Zuf­fen­hau­sen. Sie grün­det im We­sent­li­chen auf den bei­den SUV-Bau­rei­hen im Sor­ti­ment, dem Ma­can und dem Cay­enne.

In Chi­na, dem größ­ten Au­to­markt der Welt, sind es haupt­säch­lich die­se bei­den Mo­del­le, die man von der Mar­ke kennt, Sport­wa­gen wie der 911 sind dort (noch) eher schwer ver­mit­tel­bar. Aber auch in Eu­ro­pa, Por­sches ab­satz­stärks­ter Re­gi­on, sind die SUVs un­gleich ge­frag­ter als die bo­den­na­hen For­ma­te. Und hier kommt der Die­sel­an­trieb ins Spiel – als bis­lang klar be­vor­zug­te Mo­to­ri­sie­rung. Nicht im Al­lein­gang. Nun ist Por­sche nicht nur ei­ne sehr nach­ge­frag­te, son­dern auch lu­kra­ti­ve Mar­ke, die im Kon­zern ( und auch in­dus­trie­weit) mit traum­haf­ten Mar­gen glänzt. Da­für gibt es vie­le Grün­de, ei­ner da­von sind die vie­len Sy­ner­gi­en, die sich im Mar­ken­ver­bund er­ge­ben. So ba­sie­ren et­wa der neue Por­sche Pan­ame­ra und der Bent­ley Con­ti­nen­tal GT auf der glei­chen tech­ni­schen Platt­form. Auf ähn­li­che Wei­se spar­te man sich schon Pro­duk­ti­ons- und Ent­wick­lungs­kos­ten, be­vor Por­sche zu VW ge­hör­te. Den Cay­enne, 2002 auf den Markt ge­kom­men, hät­te die klei­ne Mar­ke nicht im Al­lein­gang ge­stemmt.

Por­sche ent­wi­ckelt und pro­du­ziert auch kei­ne Die­sel­mo­to­ren. Die be­zieht man von Au­di. Und so kam es, dass die stets auf ih­ren gu­ten Ruf be­dach­te In­ge­nieurs- und En­thu­si­as­ten­mar­ke in den Stru­del der Ab­gas­af­fä­re hin­ein­ge­zo­gen wur­de.

„Kran­ke Mo­to­ren“ha­be Au­di ge­lie­fert, zürn­te Por­sche-Be­triebs­rat Uwe Hück öf­fent­lich, „wir füh­len uns von Au­di be­tro­gen.“Die „Un­re­gel­mä­ßig­kei­ten“an den V6-Mo­to­ren ha­be Por­sche selbst ent­deckt und dem deut­schen Kraft­fahr­bun­des­amt (KBA) ge­mel­det, wor­auf­hin ei­ne bei­spiel­lo­se Rück­ruf­ak­ti­on von 21.500 Ex­em­pla­ren des Typs Cay­enne der Bau­jah­re 2014 bis 2017 ver­ein­bart wur­de. Das schütz­te die Mar­ke frei­lich nicht vor et­was, das man als öf­fent­lich­keits­wirk­sa­me Sank­ti­ons­maß­nah­me ver­ste­hen kann: Seit der An­ge­le­gen­heit be­kommt man bei Por­sche über­haupt kein Die­sel­fahr­zeug mehr zu kau­fen, weil das KBA das In­ver­kehr­brin­gen neu­er Die­sel­mo­to­ren der­zeit un­ter­bin­det. Was po­ten­zi­ell da­zu an­ge­tan ist, den Ab­satz Die­sel­ab­hän­gi­ger Bau­rei­hen ein­bre­chen zu las­sen – auch wenn die Aus­lie­fe­rung der Mo­to­ren be­hörd­lich nur ver­zö­gert wer­den kann (so­wohl Pan­ame­ra als auch die neue Cay­enne-Ge­ne­ra­ti­on sind ab­seh­bar da­mit be­stell­bar).

Der Ruch des Un­sau­be­ren könn­te im schlimms­ten Fall den­noch haf­ten blei­ben. Schon dach­te man bei Por­sche laut dar­über nach, ganz (und frei­wil­lig) auf Selbst­zün­der zu ver­zich­ten.

Denn es gibt mitt­ler­wei­le viel Bes­se­res: die Plug-in-Hy­brid­tech­no­lo­gie – Strom als ge­eig­ne­tes Mit­tel, den lan­ge als not­wen­dig er­ach­te­ten, aber un­ge­lieb­ten Die­sel­mo­tor schnell und oh­ne Schmer­zen los­zu­wer­den.

Strom als ge­eig­ne­tes Mit­tel, den un­ge­lieb­ten Die­sel­mo­tor schnell los­zu­wer­den.

Ku­rio­ser Ne­ben­ef­fekt. Moch­ten sich die deut­schen Pre­mium­mar­ken erst nach ei­ni­gem Wi­der­stand auf die hy­bri­de An­triebs­tech­nik ein­las­sen, so ist Por­sche auf dem Ge­biet schon län­ger kun­dig. Mit dem fast 900 PS star­ken 918 Spy­der prä­sen­tier­te Por­sche 2013 ein epo­cha­les Hy­per­car, des­sen An­trieb auf dem Zu­sam­men­spiel von Ver­bren­nungs- und Elek­tro­mo­to­ren ba­siert. An­ders als die ver­gleich­ba­ren Werk­stü­cke von Fer­ra­ri (LaFer­ra­ri) und McLa­ren (P1) kann der Por­sche rein elek­trisch fah­ren und die Ak­kus am Strom­ka­bel auf­la­den. Die Tech­no­lo­gie fließt nun auch in den so­zu­sa­gen Main­stream der Por­sche­welt ein. Mit ku­rio­sen Ne­ben­ef­fek­ten.

So ist das rech­ne­risch güns­ti­ge Mo­dell des neu­en Pan­ame­ra in Ös­ter­reich ein sol­cher Plug-in-Hy­brid (ab 114.629 Eu­ro) – def­ti­ger­wei­se gleich mit 462 PS. Die gibt es güns­ti­ger als die kon­ven­tio­nel­le 330-PS-Va­ri­an­te, weil die Norm­ver­brauchs­ab­ga­be (NoVA) kom­plett

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