Am Herd

BRANDHEISS UND HÖCHST PER­SÖN­LICH

Die Presse am Sonntag - - Leben - VON BET­TI­NA ST­EI­NER

Din­ge, die ich ger­ne ver­wechs­le: links und rechts, Push und Pull, 122 und 133. Und wo­für steht der Kreis auf dem Reg­ler der Kli­ma­an­la­ge noch ein­mal? An oder aus?

Ein Lo­kal al­so. In Wien. Ich muss aufs Klo und ste­he vor zwei Zei­chen: und Gut, wer­den Sie jetzt sa­gen, das ist nun wirk­lich nicht be­son­ders her­aus­for­dernd. In Sa­chen Toi­let­ten­be­schrif­tun­gen gibt es Aus­ge­fal­le­ne­res: lee­re Klam­mern zum Bei­spiel als Sym­bol für Va­gi­na. Ei­nen hal­ben Pfir­sich mit Kern. Ei­ne Schlei­fe überm Kreis (Haar­band) ver­sus ei­ne Schlei­fe un­term Kreis (Flie­ge). soll­te ei­nen da­ge­gen nicht ver­wir­ren, au­ßer man ist ge­ra­de 7 Jah­re alt ge­wor­den und stolz dar­auf, dass ei­nen die Ma­ma im Re­stau­rant nicht mehr auf die Toi­let­te be­glei­ten muss.

Tut es aber trotz­dem. Al­so: Nicht so krass, dass ich mich un­ver­mu­tet in ei­nem Raum mit Uri­nal wie­der­fän­de, aber ich muss zu­min­dest kurz nach­den­ken. Wo­bei und kei­ne Aus­nah­men sind. Es gibt ei­ne Men­ge Din­ge, die ich leicht ver­wechs­le: Links und rechts zum Bei­spiel, je­den­falls als Bei­fah­re­rin mit der Stra­ßen­kar­te auf den Kni­en. Push und Pull – wo­bei Push mir klar ist, nur bei Pull hap­pert’s. Die fran­zö­si­sche und die ita­lie­ni­sche Flag­ge. Ve­nen und Ar­te­ri­en. 122 und 133. „Nur noch“und „nur mehr“.

Und dann die Sym­bo­le auf dem Reg­ler der Kli­ma­an­la­ge in der Re­dak­ti­on: Was be­deu­tet der Kreis? An oder aus? Und war­um noch gleich? Das Pro­blem: Das al­les ist zu ähn­lich. Und es wird meist auch noch gleich­zei­tig ge­lernt, was dann zur Ransch­burg’schen Hem­mung führt. Die macht al­les noch viel schlim­mer, wes­halb mo­der­ne Päd­ago­gen es ver­mei­den, „links“und „rechts“, „d“und „b“, „the­re“und „their“gleich­zei­tig zu un­ter­rich­ten. Vi­el­leicht, den­ke ich mir, ist die Ransch­burg’sche Hem­mung so­gar an der das/dass-Ver­wir­rung schuld! Für die gibt es sonst ja kei­ne ra­tio­na­le Er­klä­rung: Je­der Mensch kann „das“und „dass“un­ter­schei­den, so­lan­ge er (Dia­lekt) spricht. Das geht so­gar be­sof­fen! War­um nicht in der Schrift?

Wenn der Scha­den ein­mal an­ge­rich­tet ist, dann hel­fen frei­lich nur noch Esels­brü­cken: Brut­to hat et­wa mehr Buch­sta­ben als net­to (ja, das war ein Pro­blem, be­vor ich sel­ber Geld ver­dien­te). Bei 122 soll man an ei­nen Feu­er­wehr­schlauch den­ken, bei 133 an Hand­schel­len, und Mar­le­ne macht mich dar­auf auf­merk­sam, dass es sich bei um den Spie­gel der Ve­nus hand­le, bei um Mars mit ei­nem Speer und ei­nem Schild in der Hand. Tja, da war mei­ne Esels­brü­cke we­ni­ger ju­gend­frei. Und Ar­te­ri­en und Ve­nen? Das sei doch völ­lig klar, meint Han­nah: „Wie kannst du das nur ver­wech­seln! Das klingt nicht ein­mal gleich! Und er­gibt auch kei­nen Sinn: Hast du et­wa schon ein­mal von ei­ner Ar­te­ri­en­klap­pe ge­hört?“

Ich kann sie ver­ste­hen. Die Fehl­leis­tun­gen von an­de­ren kom­men ei­nem ganz schnell ganz ko­misch vor.

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