Ja, er geht – aber noch nicht ganz

Vom Auf­de­cker zum Auf­ge­deck­ten: Auf­stieg und Fall des Pe­ter Pilz. Ein Por­trät.

Die Presse am Sonntag - - Inland - OLIVER PINK

Es wird nicht we­ni­ge ge­ge­ben ha­ben in die­ser Re­pu­blik, die den gest­ri­gen Tag mit ei­ner ge­wis­sen Ge­nug­tu­ung ver­folg­ten. Un­ter an­de­rem je­ne, in die sich Pe­ter Pilz, der Auf­de­cker, ver­bis­sen hat­te – mit­un­ter über Jah­re. Und das war ja auch ei­ne sei­ner Stär­ken: Hat­te er sich ein­mal in je­man­den oder in ei­nen Fall ver­bis­sen, dann ließ er nicht mehr los. Von Kar­lHeinz-Gras­ser bis Hans Pe­ter Ha­sel­stei­ner, von No­ri­cum bis Euro­figh­ter.

Und Skan­da­le al­ler Art – der an­de­ren näm­lich – hat­te Pe­ter Pilz stän­dig zu bie­ten. Nicht al­les er­wies sich im­mer als hieb- und stich­fest. Aber doch vie­les. Er hat­te sich Me­ri­ten in den Cau­sen Lu­co­na und No­ri­cum er­wor­ben, deck­te ein Bau­kar­tell auf, re­cher­chier­te hart­nä­ckig im Fall der Kur­den­mor­de im Wi­en der spä­ten 1980er und trieb die Fäl­le Bu­wog und Euro­figh­ter zeit­wei­lig im Al­lein­gang vor­an. Stets mit dem Ges­tus gro­ßer Auf­re­gung ver­bun­den. Im­mer knapp vor der Auf­fin­dung der Smo­king Gun.

Un­be­strit­ten ist Pe­ter Pilz ein im­mens flei­ßi­ger und akri­bi­scher Re­cher­cheur. Und ein gu­ter Ver­käu­fer in ei­ge­ner Sa­che, nicht sel­ten auch ein Über­trei­ber. Ro­bes­pierre wur­de Pe­ter Pilz in die­ser Zei­tung ein­mal ge­nannt. Der Un­be­stech­li­che. Bei ihm wa­ren die We­sens­zü­ge des un­er­bitt­li­chen An­klä­gers aber ge­mil­dert durch Selbst­iro­nie und Hu­mor, sei­nen Le­bens­wan­del zwi­schen Ro­ckBand und Ra­pid-Fan­tum. Und er ist durch­aus auch kom­pro­miss­fä­hig: Ei­ne schwarz-grü­ne Ko­ali­ti­on un­ter Wolf­gang Schüs­sel hät­te er 2003 mit­ge­tra­gen.

Auch Pe­ter Pilz war das Kind ei­ner Re­vo­lu­ti­on – je­ner von 1968. In sei­ner Stu­den­ten­zeit war er Mit­glied der Grup­pe Re­vo­lu­tio­nä­rer Mar­xis­ten. Und als „Alt-68er-Ma­cho“galt er bei den Grü­nen schon lang, be­vor die nun­meh­ri­gen Vor­wür­fe pu­blik wur-

Pe­ter Pilz

Ge­bo­ren am 22. 1. 1945 in Kap­fen­berg. Stu­di­um der Volks­wirt­schaft. Pro­mo­ti­on zum Dr. rer. soc. oec. 1986 zog er für die Grü­nen ins Par­la­ment ein. Von 1992 bis 1994 war er de­ren Par­tei­chef. Da­mals hol­te er Alexander Van der Bel­len, einst sein Pro­fes­sor an der Uni, zu den Grü­nen. Auf dem Bun­des­kon­gress 2017 be­kam er kein Fix­man­dat mehr und grün­de­te sei­ne ei­ge­ne Par­tei. Pilz ist seit Mit­te der 80erJah­re ver­hei­ra­tet. den. Bei den Grü­nen war er lan­ge Zeit ein Ein­zel­kämp­fer ge­we­sen. Wenn nö­tig auch ge­gen die ei­ge­ne Par­tei­füh­rung. Da­bei war Pe­ter Pilz selbst ein­mal Grü­nen-Chef ge­we­sen – von 1992 bis 1994. Nicht gera­de sei­ne bes­te Rol­le, wie er spä­ter ein­mal ein­ge­stand. Um­so er­staun­li­cher, dass Pe­ter Pilz dann doch noch ein­mal Chef ei­ner Par­tei wur­de, dies­mal sei­ner ei­ge­nen – der Lis­te Pilz. Slo­gan: Ja, es geht.

Nun geht Pe­ter Pilz. Aber noch nicht ganz. Das Par­la­ment, in dem er seit 1986 saß – mit ei­ner Un­ter­bre­chung von sechs Jah­ren, die er im Wie­ner Ge­mein­de­rat ver­brach­te – ver­lässt er. Sei­ne neue Par­tei (noch) nicht. Er bleibt de­ren Spi­ri­tus Rec­tor. Um sich vi­el­leicht doch noch ein­mal in sei­ne an­ge­stamm­te Rol­le des Jä­gers – nun von Schwarz-Blau – hin­über­zu­ret­ten. Der­zeit steht er aber ein­mal selbst mit dem Sil­ber­rü­cken zur Wand.

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