Li­ba­non: Re­gie­rungs­chef Saad Har­i­ri tritt zu­rück

Der 47-Jäh­ri­ge hat Angst, wie sein Va­ter, Ra­fik Har­i­ri, er­mor©et zu wer­den. Dem Iran wirft er vor, in der Re­gi­on Un­ru­he zu stif­ten.

Die Presse am Sonntag - - Nachrichten -

Bei­rut. Der li­ba­ne­si­sche Mi­nis­ter­prä­si­dent, Saad Har­i­ri, ist über­ra­schend zu­rück­ge­tre­ten. Er ha­be Angst, wie sein Va­ter, Ra­fik Har­i­ri, er­mor­det zu wer­den, sag­te Har­i­ri am Sams­tag in ei­ner Fern­seh­an­spra­che im Sen­der al-Ara­biya. Der Schii­ten­mi­liz His­bol­lah so­wie de­ren Schutz­macht Iran warf er vor, Un­ru­he in der Re­gi­on zu schü­ren.

„Die His­bol­lah ist der Arm des Iran, nicht nur im Li­ba­non, son­dern auch in an­de­ren ara­bi­schen Län­dern“, sag­te Har­i­ri. Das li­ba­ne­si­sche Par­la­ment ist tief ge­spal­ten zwi­schen dem von den USA und Sau­di­ara­bi­en un­ter­stütz­ten La­ger um Har­i­ri und dem von der His­bol­lah an­ge­führ­ten Block, der vom Iran und Sy­ri­en un­ter­stützt wird. Har­i­ri: „Wir le­ben in ei­ner ähn­li­chen At­mo­sphä­re wie je­ner, die vor der Er­mor­dung des Mär­ty­rers Ra­fik Har­i­ri herrsch­te.“

Ver­gan­ge­ne Wo­che hat Har­i­ri zwei­mal Sau­di­ara­bi­en be­sucht und mit Kron­prinz Mo­ham­med bin Sal­man so­wie wei­te­ren rang­ho­hen Po­li­ti­kern ge­spro­chen. Das sun­ni­ti­sche Sau­di­ara­bi­en ringt mit dem schii­ti­schen Iran um die po­li­ti­sche Vor­herr­schaft im Na­hen Os­ten und der Golf­re­gi­on.

Saad Har­i­ris Va­ter, Ra­fik Har­i­ri, ist am 14. Fe­bru­ar 2005 in der In­nen­stadt von Bei­rut bei ei­nem An­schlag ums Le­ben ge­kom­men. Der Mord war ei­nes der blu­tigs­ten At­ten­ta­te im von Ge­walt ge­plag­ten Li­ba­non und brach­te das Land an den Rand ei­nes Bür­ger­kriegs. Vie­le Li­ba­ne­sen ge­ben Sy­ri­en, das zu dem Zeit­punkt Trup­pen im Li­ba­non sta­tio­niert hat­te, die Schuld an dem An­schlag. Nach wo­chen­lan­gen Mas­sen­kund­ge­bun­gen war die Re­gie­rung in Da­mas­kus ge­zwun­gen, ih­re Trup­pen nach 29 Jah­ren aus dem Li­ba­non ab­zu­zie­hen. Der Fall wur­de an ein UN-Tri­bu­nal über­tra­gen. Zwei­te Amts­zeit. Der 47-jäh­ri­ge Har­i­ri ist seit ei­nem Jahr zum zwei­ten Mal Re­gie­rungs­chef. Von 2009 bis 2011 stand er be­reits an der Spit­ze ei­ner Ein­heits­re­gie­rung. Die Ko­ali­ti­on zer­brach, als die His­bol­lah und ver­bün­de­te Par­tei­en ih­re Mi­nis­ter aus der Re­gie­rung ab­zo­gen. Seit En­de 2016 steht er er­neut an der Spit­ze ei­ner brei­ten Ko­ali­ti­on. In dem Ka­bi­nett sind fast al­le wich­ti­gen po­li­ti­schen Par­tei­en des Lan­des ver­eint, dar­un­ter auch die His­bol­lah.

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