Auf der Er­satz­bank

Andre­as Schie­der: die ewi­ge Per­so­nal­re­ser­ve?

Die Presse am Sonntag - - Wien - PRI

Im Bü­ro von Andre­as Schie­der ste­hen holz­ge­schnitz­te Fi­gu­ren gro­ßer Po­li­ti­ker und Staa­ten­len­ker, un­ter an­de­rem Ma­hat­ma Gandhi, Abra­ham Lin­coln, Nel­son Man­de­la, Wil­ly Brandt und na­tür­lich Bru­no Kreis­ky. Micha­el Häupl ist nicht dar­un­ter. Aber das liegt wahr­schein­lich dar­an, dass man den Wie­ner Bür­ger­meis­ter in Schwe­den nicht kennt. Je­den­falls nicht in der Schnit­zer­bran­che. Die Fi­gu­ren hat Schie­der näm­lich bei ei­nem schwe­di­schen Hand­wer­ker ge­kauft und zum Teil – Bru­no Kreis­ky! – be­stellt.

Dass er sich ei­nes Ta­ges selbst gern als Holz­fi­gur hier ein­rei­hen wür­de, ist na­tür­lich ei­ne Un­ter­stel­lung. Aber ei­nen ge­wis­sen Ehr­geiz wird der 48-Jäh­ri­ge nicht ab­strei­ten kön­nen. Als Kanz­le­r­al­ter­na­ti­ve zu Wer­ner Fay­mann war Schie­der schon mehr­mals – auch in die­ser Zei­tung – ge­han­delt wor­den. Aber dann kam Chris­ti­an Kern. Und jetzt ist das Kanz­ler­fens­ter für die SPÖ erst ein­mal ge­schlos­sen.

Bleibt al­so die Bür­ger­meis­ter-Op­ti­on, wenn Micha­el Häupl nächs­tes Jahr in Pen­si­on geht. Für Andre­as Schie­der spre­chen: sei­ne Er­fah­rung (Be­am­ten­staats­se­kre­tär, Fi­nanz­staats­se­kre­tär, Klub­chef im Na­tio­nal­rat), sei­ne Ver­an­ke­rung in der Wie­ner SPÖ (seit 2002 Be­zirks­par­tei­chef in Pen­zing) und ein gu­ter Draht ins Bür­ger­meis­ter­bü­ro.

Die Fra­ge ist al­ler­dings, ob Schie­der au­ßer­halb des Wie­ner Gür­tels mehr­heits­fä­hig ist. Ge­mein­hin wird er ja dem lin­ken SPÖ-Flü­gel zu­ge­ord­net, der ei­ne Zeit­lang – wäh­rend der Flücht­lings­kri­se vor al­lem – von sei­ner Le­bens­ge­fähr­tin Son­ja Weh­se­ly an­ge­führt wur­de. Es könn­te auch je­mand auf die Idee kom­men, Schie­der vor­zu­hal­ten, dass das Hy­po-Al­pe-Adria-De­sas­ter in sei­ne Zeit als Fi­nanz­staats­se­kre­tär fällt. Ein Ma­gis­ter in Volks­wirt­schaft und ei­ne Vor­lie­be für John May­nard Keynes wer­den da als Selbst­ver­tei­di­gung nicht aus­rei­chen.

Schie­ders größ­tes Pro­blem ist je­doch, dass er in den Per­so­nal­plä­nen im­mer nur als Ver­le­gen­heits­lö­sung vor­kommt. Als je­mand, der dann be­ru­fen wer­den soll, wenn die SPÖ kei­nen Bes­se­ren fin­det. Fast scheint es so, als wä­re die Er­satz­bank sein Los. Seit sich die SPÖ mit der Op­po­si­ti­ons­rol­le im Bund ab­ge­fun­den hat, spielt er je­den­falls auch im Par­la­ment nur noch die zwei­te Gei­ge. Als ge­schäfts­füh­ren­der Klub­ob­mann ne­ben Chris­ti­an Kern.

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