ÄRA HÄUPL

Die Presse am Sonntag - - Wien -

Micha­el Häupl

ist seit 23 Jah­ren Wie­ner Bür­ger­meis­ter. Seit ei­ni­gen Jah­ren ko­ket­tiert er mit sei­nem Rück­zug – trat dann aber doch im­mer wie­der an. Für den Jän­ner 2018 hat Häupl nun aber fix sei­nen Rück­zug an­ge­kün­digt. Bei ei­nem Lan­des­par­tei­tag wird der neue Par­tei­chef der Wie­ner SPÖ ge­wählt. Er oder sie wird dann auch Bür­ger­meis­ter(in). Ei­ne Ämt­er­tren­nung hat die Par­tei nach in­ter­ner De­bat­te ab­ge­lehnt. Des­halb hofft man prag­ma­tisch, dass sich nach der Rich­tungs­ent­schei­dung al­le hin­ter je­ne Per­son stel­len, die Häupl nach­folgt – und zwar zu­sam­men­ge­schweißt durch das Feind­bild der schwarz-blau­en Bun­des­re­gie­rung. Denn die­se wird wie schon im Wahl­kampf sich auf Wi­en ein­schie­ßen. Und egal, wer an der Spit­ze der SPÖ steht, wird Wi­en als gal­li­sches ro­tes Dorf in­sze­nie­ren – vor dem Hin­ter­grund ei­ner schwarz-blau­en Ge­wit­ter­front.

oder die Neue muss al­te Streit­fra­gen lö­sen. Bei dem Kon­flikt in der Wie­ner Par­tei geht es zwar um per­sön­li­che Ver­let­zun­gen, In­ter­es­sens­la­gen, aber eben nicht nur. Wi­en spie­gelt den in­halt­li­chen ro­ten Kon­flikt im Gro­ßen (Wi­en ver­sus Bur­gen­land) und im Klei­nen wi­der – nicht zu­letzt, weil die ei­ge­ne Kli­en­tel (In­nen­stadt­be­zir­ke ver­sus Flä­chen­be­zir­ke) hier teil­wei­se ge­gen­sätz­li­che Mei­nun­gen hat. Bei Fra­gen der Mi­gra­ti­on und der Si­cher­heits­po­li­tik wird der oder die Neue Ant­wor­ten fin­den müs­sen.

Micha­el Häupl nach­folgt, muss die Wie­ner SPÖ re­for­mie­ren. Nach der Wi­en-Wahl 2015 mit deut­li­chen SPÖ-Ver­lus­ten wur­de ei­ne ra­di­ka­le Par­tei­re­form an­ge­kün­digt. Pas­siert ist nichts. Der Hin­ter­grund: Frü­her galt die Wie­ner SPÖ als ei­ne der am bes­ten or­ga­ni­sier­ten Par­tei­en, doch die Struk­tu­ren stam­men aus ei­ner Zeit, als die Par­tei noch dop­pelt oder drei­mal so vie­le Mit­glie­der hat­te. Und an­de­re Auf­ga­ben. Das so zu än­dern, wird schmerz­haft, geht es da­bei doch um Jobs und Ein­fluss. Pas­siert nichts, droht das Schick­sal der Gra­zer Ge­nos­sen. Dort stell­te die SPÖ bis 2003 fast 20 Jah­re den Bür­ger­meis­ter. Heu­te gilt es als Er­folg, wenn man ein zwei­stel­li­ges Wah­l­er­geb­nis er­reicht.

Micha­el Häupl nach­folgt, muss Kri­sen­ma­nage­ment be­herr­schen. Das Wie­ner Bür­ger­meis­ter­amt galt lan­ge Zeit als at­trak­tivs­ter Job in Ös­ter­reich. Das ist vor­bei. Die Stadt­re­gie­rung hat nichts mehr zu ver­tei­len, im Ge­gen­teil: Sie muss spa­ren. Pa­ra­de­bei­spiel ist das Wie­ner Ge­sund­heits­sys­tem. Der Kran­ken­an­stal­ten­ver­bund ist de fac­to kon­kurs­reif. Die Schul­den der Stadt wer­den (En­de 2018) auf rund sie­ben Mil­li­ar­den Eu­ro an­ge­stie­gen sein, wäh­rend im So­zi­al­be­reich im­mer wie­der Geld für die Min­dest­si­che­rung nach­ge­schos­sen wer­den muss.

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