Ki­no: Das Ge­nie als Lang­wei­ler

In »Gau­gu­in« schei­tert Vin­cent Kas­sel am ba­na­len Dreh­buch.

Die Presse am Sonntag - - Kultur - VON AL­MUTH SPIEGLER

Das Dra­ma Künst­ler­film hat wie­der Gestalt an­ge­nom­men; so vie­le gab es noch nie, so vie­le schlech­te, ba­na­le, kit­schi­ge wohl auch nicht. Kom­pli­zier­te Bio­gra­fi­en, schwie­ri­ge Wer­ke wer­den zur Ver­ständ­lich­keit ent­stellt und meist auf Lie­bes- und Ei­fer­suchts­ge­schich­ten re­du­ziert. So auch „Gau­gu­in“, der zwei­te Spiel­film von Edouard De­luc, der da­für zu­min­dest ei­nen groß­ar­ti­gen Haupt­dar­stel­ler ge­fun­den hat: Vin­cent Cas­sel („Black Swan“) kann man so­gar Ähn­lich­keit mit ge­wis­sen Fo­tos Gau­gu­ins kon­sta­tie­ren.

Auch Tu­he¨ı Adams, die in ih­rer ers­ten gro­ßen Film­rol­le sei­ne Ta­hi­tia­ni­sche Frau Tehu­ra spielt, wirkt wie aus ei­nem der Ge­mäl­de ent­stie­gen. Nur dass sie nicht wie 13 Jah­re aus­sieht, so jung war sie tat­säch­lich, son­dern für un­se­re Au­gen ak­zep­ta­bel ju­gend­lich. Der in Wahr­heit sy­phi­lis­kran­ke Gau­gu­in darf zwar ziem­lich Hus­ten und ei­nen Herz­in­farkt ha­ben, aber von der Ge­schlechts­krank­heit selbst er­fährt man nichts.

In der ers­ten Film-Hälf­te spürt man noch ge­wis­se Wi­der­sprü­che, wirkt der Nar­ziss­mus noch ir­ri­tie­rend, wenn er sei­ne Frau mit den fünf Kin­dern zu- rück­lässt, die er zu lie­ben scheint, aber sie nicht vor sein ei­ge­nes Glück und Ziel stel­len kann. In der zwei­ten Hälf­te aber do­mi­niert ei­ne kon­stru­ier­te Drei­ecks­ge­schich­te zwi­schen ihm, Tehu­ra und dem jun­gen Nach­barn.

Es bleibt ei­nem, sich die Zeit mit dem Ra­te­spiel tot­zu­schla­gen, wie vie­le Mo­ti­ve von Ge­mäl­den man in den Sze­nen wie­der­er­kennt, die De­luc im üb­ri­gen sehr hübsch nach­ge­stellt hat. In­klu­si­ve dem eu­ro­päi­schen „Ab­schieds­bild“von Tehu­ra im stren­gen Mis­si­ons­kleid (das auch in der Pa­ri­ser Aus­stel­lung zu se­hen ist).

Dann kommt er tat­säch­lich end­lich, der Schluss und da heißt es: „Er sah Tehu­ra nie wie­der.“Stimmt nur nicht. Er kehr­te aus Pa­ris wie­der zu­rück, sie war zwar an­der­wärts ver­hei­ra­tet, aber ver­brach­te noch ei­ne Wo­che mit dem Ex. Der vom Sy­phi­lis-Aus­schlag über­sät war. Sie blieb nicht. Er fuhr wei­ter und nahm sich im Lauf der Zeit auf an­de­ren In­seln noch zwei an­de­re jun­ge Mäd­chen. Passt nicht als Schluss­satz. De­luc ist auf das Pa­ra­dies, das Gau­gu­in kon­stru­ier­te und im il­lus­trier­ten Buch „Noa Noa“fest­hielt, her­ein­ge­fal­len.

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