Glau­bens­fra­ge

RE­LI­GI­ON RE­FLEK­TIERT – ÜBER LETZ­TE UND VORLETZTE DIN­GE

Die Presse am Sonntag - - Geschichte - VON DIET­MAR NEU­WIRTH

Sieht so ei­ne Tren­nung von Kir­che und Staat aus? Der Bun­des­prä­si­dent emp­fing zu­letzt die Bi­schö­fe in der Hof­burg. Am Don­ners­tag wird er selbst vom Papst im Va­ti­kan emp­fan­gen.

Die Ver­bin­dung zwi­schen Thron und Al­tar galt un­ter den Habs­bur­gern als Selbst­ver­ständ­lich­keit. Den von ei­nem Mon­ar­chen be­set­zen Thron gibt es hier­zu­lan­de nun seit an­nä­hernd ei­nem Jahr­hun­dert nicht mehr. In der Hof­burg re­si­diert mitt­ler­wei­le ei­ne Art Er­satz­mon­arch, der Bun­des­prä­si­dent. Wer sich von ei­nem frü­he­ren Be­wun­de­rer Bru­no Kreis­kys, ei­nem Ex-Chef der Grü­nen und ei­nem aus der ka­tho­li­schen Kir­che Aus­ge­tre­te­nen wie Alex­an­der Van der Bel­len er­war­tet hat­te, dass er ein völ­lig an­de­res Amts­ver­ständ­nis in den Leo­pol­di­ni­schen Trakt mit­bringt (oder durch­setzt), wur­de ei­nes Bes­se­ren be­lehrt. Die Ver­bin­dung zwi­schen Wie­ner Hof­burg und dem Ste­phans­platz bleibt ei­ne en­ge.

Ge­gen­sei­ti­ge Wert­schät­zung, ver­trau­ens­vol­ler Um­gang mit­ein­an­der und, ja, auch die Zu­sam­men­ar­beit zwi­schen Staat und Kir­che, funk­tio­niert auch mit Alex­an­der Van der Bel­len an der Spit­ze der Re­pu­blik. Vor we­ni­gen Ta­gen wa­ren al­le Bi­schö­fe zum Mit­tags­tisch in die Hof­burg ein­ge­la­den. Am Don­ners­tag wird der Bun­des­prä­si­dent im Va­ti­kan Papst Fran­zis­kus sei­ne Auf­war­tung ma­chen. Sieht so die von man­chen pos­tu­lier­te Tren­nung zwi­schen Staat und Kir­che aus?

Die ka­tho­li­sche Kir­che hat lan­ge ge­braucht, staat­li­che, auf de­mo­kra­ti­schem Weg (!) zu­stan­de ge­kom­me­ne Ge­set­ze auch als für sie gül­tig zu ak­zep­tie­ren. Das heißt noch lan­ge nicht, dass zu al­lem Ja und Amen ge­sagt wird. An­schau­li­ches Bei­spiel ist die so­ge­nann­te Fris­ten­re­ge­lung, die Schwan­ger­schafts­ab­bruch in den ers­ten drei Mo­na­ten straf­frei stellt. Bis heu­te wird die­ses un­ter dem be­reits ge­nann­ten Bru­no Kreis­ky be­schlos­se­ne Ge­setz von Amts­trä­gern zwar nicht be­kämpft – das wür­de auch eher we­ni­ger zum Na­tu­rell Kar­di­nal Chris­toph Schön­borns pas­sen – aber als „of­fe­ne Wun­de“be­zeich­net. Ei­ne Wort­schöp­fung, die üb­ri­gens von Schön­borns Vor-Vor­gän­ger, Kar­di­nal Franz Kö­nig, stammt, der sei­ner­zeit ge­gen den Ge­set­zes­be­schluss auf die Stra­ße ging.

Mit Stau­nen bis Ge­nug­tu­ung ha­ben zu­min­dest die po­li­ti­schen Fein­spit­ze un­ter den Bi­schö­fen die Aus­sa­ge Van der Bel­lens bei de­ren Mit­tag­es­sen in der Hof­burg über das Kon­kor­dat ver­nom­men. Die­ser Völ­ker­ver­trag zwi­schen der Re­pu­blik Ös­ter­reich und dem Va­ti­kan ha­be sich sehr be­währt. Pra­e­ses lo­cu­tus, cau­sa fi­ni­ta. De­li­kat ist dies des­halb, weil sich aus­ge­rech­net Van der Bel­lens frü­he­re po­li­ti­sche Hei­mat für die Kün­di­gung des Kon­kor­dats aus­ge­spro­chen hat. Ei­ne ech­te Ge­fahr ging von der Klein­par­tei für die Kir­che nie aus. Jetzt, wo sich die Grü­nen im Bund wie­der in au­ßer­par­la­men­ta­ri­scher Op­po­si­ti­on ein­üben müs­sen, noch we­ni­ger.

Staat und Kir­che ge­hen al­so wei­ter­hin in Ös­ter­reich de­fi­ni­tiv nicht völ­lig ge­trenn­te We­ge. Gut so. Ein sich Re­li­gi­ons­ge­mein­schaf­ten un­in­ter­es­siert und taub ge­ben­der Staat ver­zich­tet auf zu vie­les.

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