Mit Dis­co-Mu­sik über die Loi­pen

Der ers­te Lang­lauf­be­werb der Win­ter­spie­le in Pyeong­chang mu­te­te et­was selt­sam an, das rein skan­di­na­vi­sche Po­dest ganz und gar nicht. Te­re­sa Stad­lobers gro­ße Chan­ce kommt noch.

Die Presse am Sonntag - - Pyeongchang 2018 - VON CHRIS­TOPH GAS­TIN­GER (PYEONG­CHANG)

Mit dem Langlauf-Skiathlon der Da­men wur­den die Olym­pi­schen Spie­le in Pyeong­chang Sams­tag­nach­mit­tag (Orts­zeit) auch sport­lich end­gül­tig er­öff­net, nach di­ver­sen Trai­nings, Qua­li­fi­ka­tio­nen und Vor­kämp­fen fiel im Al­pen­sia Cross-Coun­try Ski­ing Cent­re die ers­te von ins­ge­samt 102 Me­dail­len­ent­schei­dun­gen. Der Be­werb gab Ver­an­stal­tern und IOC auch ein ers­tes, mit Span­nung er­war­te­tes Feed­back be­züg­lich Zu­schau­er­re­so­nanz.

Die Tri­bü­nen wa­ren längst nicht voll be­setzt, aber doch gut ge­füllt, ob­wohl Lang­lau­fen hier­zu­lan­de kei­ne Tra­di­ti­on hat, nur ei­ne ein­zi­ge der 62 Star­te­rin­nen aus Süd­ko­rea kam. Auch Ski­le­gen­de Franz Klam­mer hat­te sich ein­ge­fun­den, er schwang ei­ne Kärn­ten-Fah­ne und hoff­te wohl auf et­was in­ter­na­tio­na­le Fern­seh­zeit, da­bei ist das Prä­sen­tie­ren von Spon­so­ren, wel­che die Kas­sen des IOC nicht klin­geln las­sen, bei Olym­pia ja ei­gent­lich ver­bo­ten. Klam­mer je­den­falls war das egal.

Die Stim­mung wäh­rend des Ren­nens war nicht über­bor­dend, aus Eu­ro­pa ist man frei­lich an­de­res ge­wöhnt. Ös­ter­reichs Bei­trag zu die­ser Ver­an­stal­tung, Te­re­sa Stad­lober, sag­te: „Es war na­tür­lich kein Ver­gleich zu den Ren­nen in Skan­di­na­vi­en, aber es war ganz okay. Es hat Spaß ge­macht.“Für ge­wöhn­lich be­la­gern klei­ne­re oder grö­ße­re Hor­den von nor­we­gi­schen An­hän­gern die Loi­pen die­ser Welt, in Pyeong­chang wa­ren die Wi­kin­ger am ers­ten Wett­kampf­tag al­ler­dings noch nicht aus­zu­ma­chen. Süd­ko­rea ist eben nicht das at­trak­tivs­te Rei­se­ziel für Sport­fans aus al­ler Welt.

Süd­ko­rea ist eben nicht das at­trak­tivs­te Rei­se­ziel für Sport­fans aus al­ler Welt.

„Clap your hands!“Po­li­ti­sche Span­nun­gen im Vor­feld, die Dis­tanz, die At­trak­ti­vi­tät der Des­ti­na­ti­on, letzt­lich auch die Prei­se – für Fans gab es ei­ni­ge Grün­de, die ge­gen ei­nen Trip nach Pyeong­chang spra­chen. Al­so muss­ten Bild­schir­me im Ziel­raum die Zu­schau­er dar­auf auf­merk­sam ma­chen, wann es an der Zeit war, in die Hän­de zu klat­schen. „Clap your hands!“, stand dort ge­schrie­ben. Ei­ne sinn­vol­le Auf­for­de­rung, al­lein schon der Käl­te we­gen. Aus den Bo­xen dröhn­te un­ent­wegt ge­wöh­nungs­be­dürf­ti­ge Dis­co-Mu­sik. Nein, man wähn­te sich nicht zwangs­läu­fig bei Olym­pia.

Sport­lich führ­te der Weg zu Gold, Sil­ber und Bron­ze wie er­war­tet über die Skan­di­na­vie­rin­nen. Die Me­dail­len wur­den an­stän­dig un­ter­ein­an­der auf­ge­teilt, die Schwe­din Char­lot­te Kal­la ge­wann vor der Nor­we­ge­rin Ma­rit Bjør­gen, das Po­dest kom­plet­tier­te Kris­ta Pär­mä­koski aus Finnn­land. Te­re­sa Stad­lober spiel­te ei­ne gu­te Rol­le, wur­de mit 26,6 Se­kun­den Rück­stand auf Kal­la Sie­ben­te, auf Bron­ze fehl­ten 16,5 Se­kun­den. Nach dem ers­ten Teil­stück – beim Skiathlon wer­den je 7,5 km Klas­sisch und Ska­ting zu­rück­ge­legt – war die 25-Jäh­ri­ge noch auf Tuch­füh­lung zur ab­so­lu­ten Spit­ze, Teil ei­ner knapp zehn­köp­fi­gen Grup­pe. Erst dann wur­de das Tem­po ver­schärft, Kal­la lief oh­ne­hin in ei­ner ei­ge­nen Li­ga. Als die Schwe­din dann ih­re ers­te At­ta-

Gold

Char­lot­te Kal­la (SWE)

Sil­ber

Ma­rit Björ­gen (NOR)

Bron­ze

Kris­ta Pär­ma­koski (FIN) cke ge­setzt hat, „ha­be ich ge­merkt, dass es zach wird bei mir“. Beim letz­ten An­stieg vor dem Ziel­ein­lauf sei Stad­lober mit ih­ren Kräf­ten am En­de ge­we­sen, „da ha­ben die Ober­schen­kel zu­ge­macht“. Coup am Schluss­tag? Den er­hoff­ten Top-sechs-Platz ver­pass­te die Salz­bur­ge­rin knapp, sie spar­te aber mit über­trie­be­ner Selbst­kri­tik, „es war trotz­dem ein gu­ter Ein­stieg“. Vie­le Jah­re hät­te Ös­ter­reichs Lang­lauf­team über Top­zehn-Plat­zie­run­gen bei Groß­er­eig­nis­sen ge­ju­belt, von Stad­lober wer­den sie in Pyeong­chang re­gel­recht er­war­tet, weil ih­re jüngs­ten Er­fol­ge wie der ers­te Welt­cup-Po­dest­platz oder der fünf­te Rang bei der Tour de Ski gro­ße Hoff- nun­gen ge­weckt ha­ben. Stad­lober gilt als be­son­ders aus­dau­ernd, auch des­halb rech­net sie sich über 30 Ki­lo­me­ter am Schluss­tag der Spie­le (25. Fe­bru­ar) die größ­ten Mög­lich­kei­ten aus. „Dann ha­ben al­le schon ei­ni­ge Ren­nen in den Bei­nen, wer­den al­le zu kämp­fen ha­ben.“

Stad­lober, die nach ih­rem Auf­takt auch Lob von Trai­ner­va­ter Alois er­hielt („Ein gu­tes Ren­nen, das passt so“), ge­fällt die­ser Ge­dan­ke, weil es für die 25-Jäh­ri­ge nicht zu schwer und oder zu her­aus­for­dernd sein kann. Zu­nächst gilt es aber ein­mal, best­mög­lich zu re­ge­ne­rie­ren. Ih­ren nächs­ten Start hat Stad­lober am Don­ners­tag über zehn Ki­lo­me­ter. „Gut, dass ich jetzt et­was mehr Zeit zur Er­ho­lung ha­be.“

APA

Char­lot­te Kal­la führt an, die Kon­kur­renz be­kommt die am En­de über­le­ge­ne Schwe­din nur noch von hin­ten zu se­hen.

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