»Ten­nis ist wie­der in al­ler Mun­de«

Der Da­vis­cup in Graz ge­gen Aus­tra­li­en be­wegt Mas­sen. ÖTV-Ge­schäfts­füh­rer Tho­mas Schwe­da sieht enor­mes Po­ten­zi­al und hofft auf den Bau ei­ner Mul­ti­funk­ti­ons­a­re­na.

Die Presse am Sonntag - - Sport - VON CHRIS­TOPH GASTINGER (GRAZ)

Vor fünf Jah­ren spiel­te Ös­ter­reichs Da­vis­cup-Team zu­letzt im Kon­zert der Gro­ßen mit, war noch Be­stand­teil der 16 bes­ten Mann­schaf­ten der Welt. Fans er­in­nern sich an das pa­cken­de Du­ell im Han­gar 3 des Flug­ha­fens Schwe­chat ge­gen Frank­reich (2011) oder den Auf­marsch der US-Stars rund um An­dy Rod­dick im Du­si­ka-Sta­di­on (2008). Mit dem Ab­stieg aus der Welt­grup­pe 2013 ha­ben die Auf­trit­te der hei­mi­schen Aus­wahl aber arg an Strahl­kraft ver­lo­ren. Die Eu­ro­pa-Afri­ka-Zo­ne I, in der sich die ÖTV-Equi­pe in den ver­gan­ge­nen Jah­ren ge­tum­melt hat, ist zwar nicht das sport­li­che Nie­mands­land, die gro­ße Büh­ne sieht je­doch an­ders aus.

Mit dem dies­wö­chi­gen Heim­spiel ge­gen Aus­tra­li­en auf dem Gra­zer Mes­se­ge­län­de ist Rot-Weiß-Rot wie­der in den „Re­le­vanz­be­reich des Sport­in­ter­es­sier­ten“vor­ge­drun­gen, wie Tho­mas Schwe­da, Ge­schäfts­füh­rer des ÖTV, er­freut fest­stellt. Täg­lich 6000 Fans auf den Tri­bü­nen, bes­te Stim­mung, da­zu nicht nur sport­li­che Höchst­leis­tun­gen, son­dern auch ös­ter­rei­chi­sche Sie­ge. „Ten­nis ist wie­der in al­ler Mun­de“, sagt Schwe­da. Der Fak­tor Do­mi­nic Thiem ist bei die­sem Er­folgs­puz­zle un­be­strit­ten groß. Der Welt­rang­lis­ten­ach­te be­wegt die Mas­sen, dient als Te­sti­mo­ni­al und Vor­bild für Tau­sen­de Ju­gend­li­che und Kin­der. Dass der Da­vis­cup in Graz für Ver­an­stal­ter und Ver­band auch „ein gu­tes Ge­schäft“wird, ist nicht zu­letzt Thiems An­tre­ten ge­schul­det.

Weil sich der 25-Jäh­ri­ge re­la­tiv früh zu ei­nem Start in der Stei­er­mark ent­schlos­sen hat, konn­te die Wer­be­trom­mel dem­ent­spre­chend ge­rührt wer­den, ha­ben Spon­so­ren und VIP-Gäs­te grö­ße­res In­ter­es­se si­gna­li­siert. Das Heim­spiel ge­gen Weiß­russ­land im Fe­bru­ar in St. Pöl­ten war ver­gli­chen zu Graz „ei­ne Grat­wan­de­rung“, er­in­nert sich Schwe­da. „Do­mi­nic hat erst sehr spät zu­ge­sagt, bis zu die­sem Zeit­punkt war es ein Null­sum­men­spiel. Ein ge­wis­ses Res­t­ri­si­ko bleibt im­mer.“Für die Spie­ler selbst war der Da­vis­cup in fi­nan­zi­el­ler Hin­sicht üb­ri­gens nie ein son­der­lich gu­tes Ge­schäft. Über ge­naue Ver­trags­in­hal­te wird nicht ge­spro­chen, „aber nie­mand spielt des Gel­des we-

Tho­mas Schwe­da

ist seit An­fang Ja­nu­ar 2017 Ge­schäfts­füh­rer des Ös­ter­rei­chi­schen Ten­nis­ver­bands. Einst spiel­te er in der Eis­ho­ckey-Bun­des­li­ga beim WEV, war un­ter an­de­rem für das Sport­mar­ke­ting des ATP-Events in der Wie­ner Stadt­hal­le zu­stän­dig und Teil der Tur­nier­lei­tung.

Frank­reich

steht als ers­ter Fi­na­list des Da­vis­cups fest. Die Fran­zo­sen füh­ren ge­gen Spa­ni­en in Lil­le nach zwei Ta­gen un­ein­hol­bar mit 3:0, nach Ein­zel­sie­gen von Pe­noit Pai­re und Lu­cas Pouil­le ge­wann die Equi­pe Tri­co­lo­re auch das Dop­pel mit Ju­li­en Ben­ne­teau/Ni­co­las Ma­hut. Im zwei­ten Halb­fi­na­le führt Kroa­ti­en ge­gen die USA mit 2:0, das Dop­pel war bei Re­dak­ti­ons­schluss noch im Gan­ge. gen.“Grand Slams und ATP–Tur­nie­re sind da schon weit­aus lu­kra­ti­ver. Hät­te Thiem im US-Open-Vier­tel­fi­na­le ge­gen Ra­fa­el Na­dal ge­won­nen, hät­te er schlag­ar­tig 450.000 US-Dol­lar zu­sätz­lich ver­dient – ei­ne Sum­me, die der Nie­der­ös­ter­rei­cher wohl wäh­rend sei­ner ge­sam­ten Da­vis­cup-Kar­rie­re nicht wird ein­spie­len kön­nen.

Win­ken Ös­ter­reich in Zu­kunft wie­der öf­ters Heim­spie­le der Gra­zer Grö­ßen­ord­nung, so wie­der­holt sich die Fra­ge nach der Heim­stät­te. Ein mit­un­ter müh­sa­mes Un­ter­fan­gen, das die na­tio­na­len Män­gel der Sport­in­fra­struk­tur wie­der ein­mal of­fen­legt. „Wir ha­ben kein Sta­di­on, das wir auf­sper­ren und in das wir ein­fach hin­ein­mar­schie­ren“, sagt Schwe­da, der die Idee ei­ner Mul­ti­funk­ti­ons­a­re­na un­ter­stützt. Nicht nur der Ten­nis­ver­band könn­te in ei­ner sol- chen ei­ne Heim­stät­te für den Da­vis­cup fin­den, auch an­de­ren Ball- und Schlä­ger­sport­ar­ten wä­re ge­hol­fen. „Das wä­re mein Wunsch an die Po­li­tik. Ein Sport­land wie Ös­ter­reich be­nö­tigt ei­ne sol­che Are­na.“Ein ers­tes Ge­spräch mit Sport­mi­nis­ter Heinz-Chris­ti­an Stra­che sei „sehr po­si­tiv“ver­lau­fen, Schwe­da ist aber auch Rea­list. „Je­der Ver­band wünscht sich Ver­bes­se­run­gen, aber es gibt nur be­grenz­te Mit­tel.“

Die Ent­wick­lung des hei­mi­schen Da­vis­cup-Teams sieht der Wie­ner po­si­tiv, an­ge­führt von Do­mi­nic Thiem sei al­les mög­lich. „Ich se­he enor­mes Po­ten­zi­al. Wenn sich die drei, vier bes­ten Spie­ler ge­gen­über dem Be­werb ver­pflich­ten, dann ist im neu­en Fi­nal­mo­dus mit nur zwei Ein­zeln und ei­nem Dop­pel al­les mög­lich. Dann könn­ten wir so­gar Da­vis­cup-Sie­ger wer­den.“

Newspapers in German

Newspapers from Austria

© PressReader. All rights reserved.