»Das sind schwe­re Vor­wür­fe«

Pa­ti­en­ten ha­ben ein Recht dar­auf zu wis­sen, wer sie ope­riert hat, sagt Ärz­te­kam­mer-Prä­si­dent Tho­mas Sze­ke­res über die ma­ni­pu­lier­ten OP-Pro­to­kol­le ei­nes AKH-Chir­ur­gen.

Die Presse am Sonntag - - Österreich - VON KÖKSAL BALTACI

Ein AKH-Chir­urg soll sei­nen Na­men in Pro­to­kol­le von Ope­ra­tio­nen ein­ge­tra­gen ha­ben, die er nicht durch­ge­führt hat – um gleich­zei­tig in ei­nem Pri­vat­spi­tal zu ope­rie­ren. Heißt das, als Pa­ti­ent soll­te man künf­tig nach ei­ner Ope­ra­ti­on nach­se­hen, ob man tat­säch­lich von dem Arzt ope­riert wur­de, der sich zu­vor als Ope­ra­teur vor­ge­stellt hat? Tho­mas Sze­ke­res: Ich weiß nicht, ob er sich zu­vor als ope­rie­ren­der Chir­urg vor­ge­stellt hat. Ich weiß nur, dass Pro­to­kol­le falsch aus­ge­füllt wur­den. Dann fra­ge ich an­ders: Ha­ben Pa­ti­en­ten ein Recht dar­auf zu wis­sen, wel­cher Arzt bei ih­nen ei­nen Ein­griff durch­führt? Na­tür­lich, je­der Pa­ti­ent hat ein Recht dar­auf zu wis­sen, wer ihn ope­riert hat. Man darf al­so als Arzt ei­nen Pa­ti­en­ten auch nicht im Glau­ben las­sen, man wer­de ihn ope­rie­ren, ob­wohl man das gar nicht vor­hat? Und da­nach bei­spiels­wei­se ar­gu­men­tie­ren, dass der Pa­ti­ent nicht ex­pli­zit nach­ge­fragt hat, wer ihn ope­rie­ren wird? Selbst­ver­ständ­lich Selbst­ver­stän nicht. Ein Pa­ti­ent darf nicht ge­täuscht get wer­den. Der be­schul­dig­te be­schul­dig Chir­urg hat et­was In­ter­es­san­tes ge­sagt: ge­sagt Ärz­te sei­en heu­te „Pa­ti­en­ten­ma­na­ger in ei­nem Team“. Und ei­ne Ope­ra­ti­on sei nur e ein „Bau­teil der Be­hand­lung“. Klingt fast so, als wä­re es üb­lich, sei­ne Pa­ti­en­ten nicht im­mer selbst zu ope­rie­ren, son­dern nur den de Ge­samt­über­blick zu ha­ben. Na­tür­lich ar­bei­tet ar man als Arzt im Team. Und es e kann auch im­mer et­was da­zwi­schen­kom­men. da­zwi­schenk Ein Chir­urg wird krank, wäh­re wäh­rend der Ope­ra­ti­on kommt es zu Kom­pli­ka­tio­nen, Komp wes­we­gen ein wei­te­rer Chir Chir­urg hin­zu­ge­zo­gen wer­den muss und de der­glei­chen. Aber es gibt im­mer ei­nen Haupt­ope­ra­teur, H und der Pa­ti­ent muss wis­sen, wer das ist. Ob das die Pa­ti­en­ten bei die­sem Arzt im­mer wuss­ten, ist frag­lich. Ken­nen Sie den Mann? Na­tür­lich. Ha­ben Sie ihn seit dem Be­kannt­wer­den der An­schul­di­gun­gen kon­tak­tiert? Nein. Das wer­de ich auch nicht. Mit dem Fall be­fasst sich der Eh­ren­rat der Ärz­te­kam­mer – un­ter dem Vor­sitz des Prä­si­den­ten des Ober­lan­des­ge­richts Inns­bruck. Ich mi­sche mich nicht ein. Kommt der Eh­ren­rat zum Schluss, dass sei­ne Ver­trau­ens­wür­dig­keit nicht mehr ge­ge­ben ist, könn­te er aus der Ärz­te­lis­te ge­stri­chen wer­den. Hal­ten Sie das – nach al­lem, was wir bis­her wis­sen – für mög­lich? Das kann ich nicht ab­schät­zen, weil ich die Fak­ten nicht ken­ne. Ich will je­den­falls nie­man­den schüt­zen, der sich et­was zu­schul­den kom­men ließ. Aber ich will auch nie­man­den vor­ver­ur­tei­len. Hal­ten Sie ei­ne po­li­ti­sche In­tri­ge ge­gen ihn für mög­lich? Er selbst hat das ja an­ge­deu­tet. Das wird die Un­ter­su­chung klä­ren. Oh­ne die Fak­ten zu ken­nen, wä­re das rei­ne Spe­ku­la­ti­on. Stim­men die Vor­wür­fe, kommt nur fi­nan­zi­el­le Be­rei­che­rung als Mo­tiv in­fra­ge, oder? Nicht ein­mal das. So weit ich weiß, han­delt es sich bei den Ope­rier­ten um kei­ne Son­der­klas­se­pa­ti­en­ten. Und für sie hät­te er im AKH kein zu­sätz­li­ches Geld be­kom­men. Im AKH nicht. Aber er könn­te sie zu­nächst in sei­ner Pri­va­t­or­di­na­ti­on be­han­delt und für die Ver­mitt­lung ins AKH kas­siert ha­ben – mit der Aus­sicht, sie selbst zu ope­rie­ren. Ei­ne nicht un­üb­li­che Vor­ge­hens­wei­se, wie mir meh­re­re Ärz­te ver­si­chert ha­ben. Das sind aber schwe­re Vor­wür­fe, die un­ter­sucht ge­hö­ren. Ein Ho­no­rar für ei­ne Pa­ti­en­ten­ver­mitt­lung ist ge­ne­rell un­zu­läs­sig. Die Vor­wür­fe kom­men nicht von mir. Wenn er gleich­zei­tig Pri­vat­pa­ti­en­ten ope­riert ha­ben soll­te, hät­te er so­gar dop­pelt ver­dient. Wenn er das ge­tan hat, dann ja. Soll­ten die Vor­wür­fe stim­men, müss­ten sich sei­ne Un­ter­ge­be­nen in Ge­fahr ge­bracht ha­ben, um sei­nen An­wei­sun­gen zu fol­gen. Sind die Struk­tu­ren im AKH so hier­ar­chisch? Auch hier wird man die Un­ter­su­chung ab­war­ten müs­sen. Die Me­di­zin kennt Hier­ar­chi­en, aber in den ver­gan­ge­nen Jah­ren wur­den sie zu­neh­mend fla­cher. Ist Ih­nen die­se Cau­sa als Ärz­te­kam­mer-Chef un­an­ge­nehm? Be­son­ders gut kommt Ih­re Zunft ja bei der gan­zen Sa­che nicht weg. Al­le Ärz­te in ei­nen Topf zu wer­fen ist nicht fair. Die Kol­le­gen­schaft ist nicht glück­lich über die­se öf­fent­lich ge­führ­te Dis­kus­si­on. Und ich auch nicht. Ein Ver­bot von Ne­ben­be­schäf­ti­gun­gen hät­te Ih­nen das al­les wahr­schein­lich er­spart. Im AKH sind Ne­ben­be­schäf­ti­gun­gen mit höchs­tens zehn St­un­den pro Wo­che klar be­grenzt. Die Ge­häl­ter lei­ten­der Ärz­te ent­spre­chen in Ös­ter­reich nicht dem in­ter­na­tio­na­len Ni­veau, wes­we­gen sie sich mit Pri­vat­pa­ti­en­ten et­was da­zu­ver­die­nen. Wür­de man das ver­bie­ten, wür­den ei­ni­ge zur Gän­ze in die Pri­vat­me­di­zin ab­wan­dern und dem öf­fent­li­chen Sek­tor ab­han­den­kom­men. Der be­schul­dig­te Arzt be­treibt ei­ne Or­di­na­ti­on, die laut DocFin­der 14 St­un­den in der Wo­che ge­öff­net hat. Wie geht sich das aus? Ich ken­ne sei­nen Ver­trag nicht, viel­leicht hat er ei­ne spe­zi­el­le Ver­ein­ba­rung ge­trof­fen. Gibt es denn Aus­nah­me­re­ge­lun­gen? Das müs­sen Sie das Rek­to­rat fra­gen, aber für lei­ten­de Ärz­te in Kli­ni­ken kann es Son­der­ver­ein­ba­run­gen ge­ben, da die­se ei­ne Ge­samt­ver­ant­wor­tung tra­gen und wie Ma­na­ger de fac­to im­mer er­reich­bar sein müs­sen. The­men­wech­sel: Vie­le Spi­tals­ärz­te ver­lan­gen nach Un­ter­stüt­zung in Form von So­zi­al­ar­bei­tern und Dol­met­schern, da­mit sie wie- Be­auf­trag­te den Eh­ren­rat der Ärz­te­kam­mer, um die Cau­sa des AKH-Arz­tes zu un­ter­su­chen, der OP-Pro­to­kol­le ge­fälscht ha­ben soll: Tho­mas Sze­ke­res. der mehr Zeit für ih­re Kern­auf­ga­ben ha­ben. Ist das ei­ne be­rech­tig­te For­de­rung? Ja, es gibt ei­nen Be­darf an ad­mi­nis­tra­ti­ver Un­ter­stüt­zung, der All­tag ei­nes Arz­tes ist von Pa­pier­krieg do­mi­niert. Die Mög­lich­keit des Vi­deo­dol­met­schens bei­spiels­wei­se soll­te aus­ge­baut wer­den. Da­mit hat man gu­te Er­fah­run­gen ge­macht. Das Dol­met­schen soll­ten Pro­fis über­neh­men, nicht die An­ge­hö­ri­gen der Pa­ti­en­ten, die oft Kin­der sind. Wi­ens Ge­sund­heits­stadt­rat Pe­ter Ha­cker mein­te, das gä­be es schon. Vie­le Ärz­te, mit de­nen ich ge­spro­chen ha­be, sa­gen, sie hät­ten noch nie et­was da­von ge­hört. Es gibt die Mög­lich­keit, aber eben nicht flä­chen­de­ckend. Die Idee ist je­den­falls gut, das An­ge­bot soll­te es in al­len Spi­tä­lern ge­ben. Ärz­tin­nen be­kla­gen auch, dass sich zu­letzt Fäl­le von Män­nern ge­häuft hät­ten, die sich nicht von Frau­en be­han­deln las­sen wol­len. Nie­mand wird ge­zwun­gen, sich be­han­deln zu las­sen. Es gibt kei­nen Rechts­an­spruch auf ei­nen männ­li­chen Arzt. Wer al­so in der La­ge ist, die Be­hand­lung zu ver­wei­gern, darf das auch. Die Rechts­la­ge ist ein­deu­tig: Der Pa­ti­ent hat die freie Ent­schei­dung, muss dann aber auch die Kon­se­quen­zen tra­gen. Das „Don’t smo­ke“-Volks­be­geh­ren war ein gro­ßer Er­folg und ein Coup der Ärz­te­kam­mer. Mög­li­cher­wei­se aber oh­ne Hap­py End? Ich ver­ste­he die po­li­ti­sche De­bat­te dar­über nicht. Rau­chen schä­digt un­ab­hän­gig von der Par­tei­zu­ge­hö­rig­keit. Hier geht es nicht um po­li­ti­sche, son­dern um ge­sund­heit­li­che Fra­gen. Wir ha­ben ein De­fi­zit bei der Prä­ven­ti­on, das ha­ben wir auf­ge­zeigt. Und der Zu­spruch aus der Be­völ­ke­rung ist enorm. Jetzt hof­fe ich, dass es zu ei­ner Ab­stim­mung im Par­la­ment oh­ne Klub­zwang kommt, da­mit Ab­ge­ord­ne­te im In­ter­es­se der Men­schen han­deln kön­nen.

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