Der ewi­ge Kampf um die Wie­ner Park­plät­ze

Kaum ein The­ma po­la­ri­siert der­art wie das Park­pi­ckerl.

Die Presse am Sonntag - - Chronik - STU

Es ist seit Jahr­zehn­ten das kon­tro­ver­si­ells­te The­ma in Wi­en, das nicht sel­ten Di­men­sio­nen ei­nes Glau­bens­kriegs an­nimmt: Au­to­fah­ren und (vor al­lem) die Dis­kus­si­on um Park­plät­ze. Vor al­lem, wenn es um die Aus­wei­tung des so­ge­nann­ten Park­pi­ckerls geht. Al­so der (meist) auf ei­nen Be­zirk be­grenz­ten kos­ten­pflich­ti­gen Aus­nah­me­ge­neh­mi­gung zum Par­ken in Kurz­park­zo­nen für Be­zirks­be­woh­ner.

Die­se Dis­kus­si­on läuft seit 1959, sorgt seit­dem lau­fend für ei­nen (po­li­ti­schen) Schlag­ab­tausch und hat nun in Wi­en Dö­bling die Emo­tio­nen wie­der hoch­ge­hen las­sen – geht es doch um ei­nen der letz­ten Be­zir­ke dies­seits der Do­nau, in dem das Park­pi­ckerl ein­ge­führt wird. Die grü­ne Ver­kehrs­stadt­rä­tin, Ma­ria Vas­silak­ou, for­der­te seit Lan­gem die Ein­füh­rung ei­nes Park­pi­ckerls in Dö­bling. ÖVP-Be­zirks­chef Adi Til­ler wehr­te sich – be­tref­fen die Park­platz­pro­ble­me doch nur ei­nen Teil des Be­zirks rund um U-Bahn-Sta­tio­nen.

Als Vas­silak­ou den Druck er­höh­te, in­iti­ier­te Til­ler 2016 ei­ne Bür­ger­be­fra­gung, bei der die Dö­blin­ger ein flä­chen­de­cken­des Park­pi­ckerl ab­lehn­ten. Im Ge­gen­zug for­der­te Til­ler „In­sel­lö­sun­gen“, al­so ein Park­pi­ckerl nur in be­trof­fe­nen Be­zirks­tei­len. Das lehn­te Vas­silak­ou ab. Nun wur­de plötz­lich – ge­gen das Bür­ger­vo­tum – doch ein flä­chen­de­cken­des Park­pi­ckerl von neun bis 19 Uhr im Dö­blin­ger Be­zirks­par­la­ment be­schlos­sen. Auf An­trag von SPÖ und Grü­nen mit Stim­men der Ne­os, aber auch mit Man­da­ta­ren von Til­lers ÖVP. Die­se sei­en von Be­für­wor­tern der­art un­ter Druck ge­setzt und be­droht wor­den, dass sie ge­gen ih­re Über­zeu­gung zu­ge­stimmt hät­ten, hat­te der Be­zirks­vor­ste­her der „Pres­se am Sonn­tag“kürz­lich er­klärt. Nun kämpft Til­ler wie­der­um da­für, Rand­ge­bie­te an der Gren­ze zu Nie­der­ös­ter­reich trotz Be­schlus­ses vom Park­pi­ckerl aus­zu­neh­men. Auf­ge­la­den. Das zeigt, wie emo­tio­nal auf­ge­la­den die­ses The­ma ist. Und es ver­schärft sich wei­ter. Im­mer­hin wur­den in in­ner­städ­tisch stark über­park­ten Ge­bie­ten, in de­nen An­rai­ner trotz Park­pi­ckerl kaum ei­nen Park­platz fan­den, vor Jah­ren so­ge­nann­te An­woh­ner­park­plät­ze ge­schaf­fen. Dort dür­fen nur Be- zirks­be­woh­ner mit Park­pi­ckerl ihr Fahr­zeug ab­stel­len, was zu hef­ti­gen Pro­tes­ten der Wirt­schaft führ­te – wes­halb Vas­silak­ou die Re­ge­lung auf­ge­weicht hat. Der An­kün­di­gung Vas­silak­ous, An­rai­ner­park­plät­ze für den Wirt­schafts­ver­kehr zu öff­nen, folg­ten post­wen­dend em­pör­te Pro­tes­te von be­trof­fe­nen Be­zir­ken, die das nicht ak­zep­tie­ren wol­len. Der Al­ser­grund hat am Frei­tag (nach lan­gem Wi­der­stand) aber zu­ge­stimmt – mit der Be­din­gung, dass 30 Pro­zent al­ler Park­plät­ze im Be­zirk zu An­rai­ner­park­plät­zen wer­den. Da­mit wird der Be­zirk sys­te­ma­tisch ge­gen frem­de Au­to­fah­rer ab­ge­schot­tet, wäh­rend sich der an­gren­zen­de ers­te Be­zirk wei­gert, sei­ne An­rai-

Die gel­ten­den Re­ge­lun­gen für Wie­ner Kurz­park­zo­nen wer­den im­mer un­über­sicht­li­cher.

ner­park­plät­ze für Wirt­schafts- und Lie­fer­ver­kehr zu öff­nen. Und da­bei mit ei­ner Bür­ger­be­fra­gung ar­gu­men­tiert, bei der 92 Pro­zent der Ci­ty-Be­woh­ner sich ge­gen ei­ne Öff­nung der An­rai­ner­park­plät­ze für den Wirt­schafts­ver­kehr aus­spra­chen. Wo­bei seit Frei­tag durch An­kün­di­gung im Amts­blatt of­fi­zi­ell ist: Al­le An­rai­ner­park­plät­ze wer­den mit 1. De­zem­ber für die Wirt­schaft ge­öff­net, was das Wirr­warr in der Park­pi­ckerl­zo­ne ver­grö­ßern dürf­te. Wirr­warr. In­ner­halb des Gür­tels samt 20. und zwei­tem Be­zirk gilt das Park­pi­ckerl von mon­tags bis frei­tags (neun bis 22 Uhr). Ma­xi­ma­le Park­dau­er sind zwei St­un­den, Ge­schäfts­stra­ßen sind aber aus­ge­nom­men. Dort dür­fen lo­ka­le Park­pi­ckerl­be­sit­zer nur 1,5 St­un­den par­ken. Und das auch nur, wenn sie ei­ne Park­schei­be hin­ter die Wind­schutz­schei­be le­gen. Da­für gilt die Kurz­park­zo­ne in Ein­kaufs­stra­ßen auch am Sams­tag bis zwölf Uhr. Fährt man über den Wie­ner Gür­tel, ist al­les an­ders. Dort gilt die Kurz­park­zo­ne von neun bis 19 Uhr (drei St­un­den Park­dau­er). Da­ne­ben gibt es noch ei­ne Son­der­zo­ne bei der Stadt­hal­le (Mon­tag bis Frei­tag, 9 bis 22 Uhr). Die gilt an Sams­ta­gen so­wie Sonn- und Fei­er­ta­gen aber von 18 bis 22 Uhr.

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