Fri­scher Ing­wer zwi­schen Pa­pri

Clau­dia und Ge­rald Kern ha­ben ge­mein­sam mit See­wink­ler Son­nen­ge­mü­se eben­dort erst­mals Ing­wer an­ge­pflanzt. Im Ge­gen­satz zur Knol­le aus dem Su­per­markt ist er frisch und kein Jahr alt.

Die Presse am Sonntag - - Essen Und Trinken - VON KA­RIN SCHUH

Viel­leicht kommt es ei­nem an­ge­sichts des der­zei­ti­gen Früh­lings­gast­spiels nur so vor. Viel­leicht aber hat sich (spä­tes­tens) mit dem Som­mer 2018 die Na­tur tat­säch­lich ver­än­dert. Das spü­ren nicht nur die Win­zer, die im­mer frü­her ern­ten und, wenn auch noch nicht auf Nord­la­gen, aber doch teils auf hö­he­re und nicht so son­nen­ex­po­nier­te La­gen aus­wei­chen müs­sen (im­mer­hin sind Al­ko­hol­bom­ben nicht mehr so ge­fragt). Plötz­lich wird nicht nur in En­g­land Wein an­ge­baut, um dar­aus Schaum­wein zu ma­chen. Auch hier­zu­lan­de wer­den Pflan­zen kul­ti­viert, bei de­nen es frü­her hieß: geht nicht, weil viel zu kalt.

Die Na­tur hat sich ver­än­dert. Was­ser­me­lo­nen, Reis und Ing­wer wach­sen auch bei uns.

Was­ser­me­lo­nen zum Bei­spiel, Ki­wis, Reis, Süß­kar­tof­feln und jetzt auch noch Ing­wer. Na­tür­lich nicht im Wald­vier­tel, son­dern eben im Bur­gen­land, ge­nau ge­nom­men im son­nigs­ten Eck: dem See­win­kel. Dort ha­ben die bei­den Ge­mü­se­bau­ern Clau­dia und Ge­rald Kern in Zu­sam­men­ar­beit mit der Er­zeu­ger­ge­nos­sen­schaft See­wink­ler Son­nen­ge­mü­se (die wie­der­um mit der Ge­nos­sen­schaft LGV Frisch­ge­mü­se ko­ope­rie­ren), ei­nen Ver­such ge­star­tet. Auf 385 Qua­drat­me­tern im Fo­li­en­tun­nel und 3000 Qua­drat­me­tern Frei­flä­che wur­de im Mai die­ses Jah­res Ing­wer an­ge­baut. Der Som­mer war ide­al für die exo­ti­sche Pflan­ze, der An­bau­ver­such ging auf. „Es wä­re auch nicht pu­blik ge­wor­den, wenn es nicht ge­klappt hät­te“, sagt Ge­rald Kern auf sei­nem Feld in St. An­drä, das man erst ein­mal fin­den muss. Ein klei­nes La­by­rinth aus Gü­ter­we­gen und Schot­ter­stra­ßen führt zu dem auf den ers­ten Blick ge­wöhn­li­chen Ge­mü­se­feld. Im In­ne­ren des Fo­li­en­tun­nels kom­men al­ler­dings Pflan­zen zum Vor­schein, die ein biss­chen an Bam­bus er­in­nern. Al­ler­dings nur op­tisch, denn so schnell wie Bam­bus wächst Ing­wer bei Wei­tem nicht. „Im Mai ha­ben wir die ers­ten Setz­lin­ge aus­ge­pflanzt, und dann ha­ben wir sie erst ein­mal be­ob­ach­tet“, sagt Clau­dia Kern. Ihr Mann fügt la­chend hin­zu: „Na ja, be­ob­ach­tet, ge­ar­bei­tet ha­ben wir schon auch.“Vor al­lem mit Un­kraut­jä­ten wa­ren sie be­schäf­tigt, das wächst we­sent­lich schnel­ler als Ing­wer. In den ers­ten vier Wo­chen war gar nichts zu se­hen, dann hat sich lang­sam ein zar­tes Pf­länz­chen be­merk­bar ge­macht. Aber erst jetzt, da die Pflan­zen groß sind, lässt sich dank des Schat­tens, den sie spen­den, das Un­kraut im Zaum hal­ten. Jun­ger Ing­wer aus dem See­win­kel. Clau­dia und Ge­rald Kern ha­ben heu­er in Ko­ope­ra­ti­on mit der Ge­nos­sen­schaft See­wink­ler Son­nen­ge­mü­se erst­mals Ing­wer an­ge­baut. Der Ver­such hat ge­klappt, in den nächs­ten Wo­chen ist der fri­sche Ing­wer über die LGV Frisch­ge­mü­se im Han­del (v. a. Mer­kur, teil­wei­se Billa und Adeg) für 3,99 Eu­ro (100 Gramm) er­hält­lich. www.see­wink­ler.at

1800 Pflan­zen wur­den im Fo­li­en­tun­nel an­ge­baut, rund 13.000 Ex­em­pla­re im Frei­land. Wo­bei sich je­ne im ge­schütz­ten An­bau we­sent­lich präch­ti­ger ent­wi­ckelt ha­ben. Die jun­gen Pflan­zen im Frei­land wur­den oft vom Wild ge­fres­sen. Und auch sonst dürf­te es ih­nen dort we­ni­ger be­hagt ha­ben. „Aber wir sind noch ganz am An­fang, wir müs­sen viel ler­nen. Wir wis­sen zum Bei­spiel nicht, war­um ei­ne Rei­he von Pflan­zen in der Mit­te des Fo­li­en­tun­nels so klein ge­blie­ben ist. Am Rand wä­re es lo­gisch, aber in der Mit­te, kei­ne Ah­nung“, sagt Ge­rald Kern. Knol­len, wie bei Erd­äp­feln. Be­wäs­sert wird die aus den Süd­tro­pen stam­men­de Pflan­ze mit­tels Tröpf­chen­be­wäs­se­rung, „die scho­nen­ds­te Be­wäs­se­rung, bei der am we­nigs­ten ver­dampft“. Da­mit die Pflan­ze über­haupt wach­sen kann, braucht sie ei­ne Bo­den­tem­pe­ra­tur von zwölf bis 15 Grad. Neun Mo­na­te lang dau­ert üb­li­cher­wei­se die Ve­ge­ta­ti­ons­pe­ri­ode. „Das ist für uns aber zu lang, wir ha­ben ja vier Mo­na­te Win­ter.“

Auch wenn die Fa­mi­lie Kern kei­nen bio­zer­ti­fi­zier­ten

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