Tie­ri­sche In­va­sio­nen

Im Herbst su­chen nicht nur die Mar­mo­rier­ten Baum­wan­zen in un­ap­pe­tit­li­chen Mas­sen die Wär­me, auch Asia­ti­sche Ma­ri­en­kä­fer und Mäu­se über­win­tern lie­ber in mensch­li­cher Be­hau­sung als im Frei­en.

Die Presse am Sonntag - - Garten - VON UTE WOLTRON

Trotz der ab­ar­ti­gen Mil­de die­ses ho­nig­gol­de­nen Herbs­tes hat die Mar­mo­rier­te Blatt­wan­ze be­schlos­sen, bes­ser jetzt als spä­ter ihr Win­ter­quar­tier zu be­zie­hen, denn lang kann es nicht mehr dau­ern bis zum ers­ten Frost. Es ist Zeit. Wer jetzt kein Haus hat, baut sich kei­nes mehr, und die Wan­ze liebt im Herbst nichts mehr als ge­müt­lich war­me Woh­nun­gen und Häu­ser. Sie ist nicht al­lein. Sie kommt in Ge­sell­schaft.

Wan­zen­schwär­me be­sie­deln Haus­fas­sa­den, drin­gen durch of­fe­ne Fens­ter in Wohn­räu­me ein, ver­stop­fen in Mas­sen Mau­er­rit­zen. Seit 2004 die ers­te aus Asi­en stam­men­de Mar­mo­rier­te Baum­wan­ze in Eu­ro­pa ge­sich­tet wur­de, hat sie sich mäch­tig ver­mehrt und zu ei­ner Pla­ge aus­ge­wach­sen. Doch sie ist nicht das ein­zi­ge Tier, das der­zeit Ob­dach in mensch­li­cher Be­hau­sung sucht.

Der eben­falls im­por­tier­te in­va­si­ve Asia­ti­sche Ma­ri­en­kä­fer, auf­grund sei­ner bis zu 21 Punk­te und der auf­fäl­lig va­ria­blen Flü­gel­de­ckel­far­be von schwarz über gelb bis rot auch Har­le­kin-Ma­ri­en­kä­fer ge­nannt, sucht eben­falls Schutz in woh­lig ge­heiz­ten Räu­men. Zu die­sem Zweck ver­sam­meln sich die Kä­fer vor­ab und bil­den re­gel­rech­te Schwär­me von nicht sel­ten meh­re­ren Tau­send Ex­em­pla­ren. Die Asia­ten ha­ben die bes­se­ren Kar­ten. In den 1990er-Jah­ren hat­te man die Lar­ven der ge­frä­ßi­gen In­sek­ten ge­zielt als Blatt­laus- und Mehl­tau­ver­til­ger in Glas­häu­sern ein­ge­setzt. In lo­gi­scher Kon­se­quenz ver­brei­ten sie sich seit­her auch in frei­er Wild­bahn und ma­chen den klei­ne­ren hei­mi­schen Zwei­punkt­und Sie­ben­punkt-Ma­ri­en­kä­fern das Le­ben schwer. Ei­ner der Grün­de da­für be­steht da­rin, dass sich die Rau­blar­ven der Kä­fer ge­gen­sei­tig auf­fres­sen, wo­bei die Zu­wan­de­rer die bes­se­ren Kar­ten ha­ben. Ers­tens sind sie grö­ßer, zwei­tens ent­hal­ten sie ein Al­ka­lo­id und sind für die hei­mi­schen Kol­le­gen gif­tig.

So­weit die In­sek­ten­in­va­sio­nen, die Stadt und Land glei­cher­ma­ßen be­tref­fen. Ein eher länd­li­ches Phä­no­men ist die be­rüch­tig­te wärme­su­chen­de Herbst­maus. Auch sie zieht die Über­win­te­rung im lau­schi­gen Men­schen- heim dem fros­ti­gen Bau un­ter der Wie­se vor, wes­halb wohl je­der, der auf dem Land auf­ge­wach­sen ist, die en­er­gi­schen Ru­fe al­ler Omas und Müt­ter im Ohr hat: Tür zu! Die Mäu­se kom­men.

Wer sich auf die Lau­er legt, kann sie her­ein­hu­schen se­hen. Drei Mög­lich­kei­ten der Maus­pla­ge Herr zu wer­den: Kat­zen als Mit­be­woh­ner. Tü­ren pe­ni­bel ge­schlos­sen hal­ten. Mau­se­fal­len auf­stel­len. Im Ge­gen­satz zu den stin­ken­den Wan­zen sind die klei­nen Mäu­schen put­zi­ge Ge­sel­len mit schwar­zen Ku­ge­l­äug­lein, ge­sträub­tem Bärt­chen und gro­ßen run­den Oh­ren.

Trotz­dem lebt man un­gern mit ih­nen un­ter ei­nem Dach. Sie fres­sen al­les an, rich­ten durch ihr Na­gen er­heb­li­che Schä­den an Bau­sub­stanz und Mo­bi­li­ar an und ver­stin­ken das gan­ze Haus.

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