Ak­ti­en, die der Kor­rek­tur trot­zen

Die jüngs­ten Tur­bu­len­zen las­sen er­ah­nen, wel­che Ak­ti­en sich im Ab­schwung am re­la­tiv bes­ten hal­ten soll­ten: Fast-Food-Ket­ten et­wa. Auch für Bay­er ha­ben sich die Aus­sich­ten ver­bes­sert.

Die Presse am Sonntag - - Mein Geld - VON BEA­TE LAMMER

In der ver­gan­ge­nen Wo­che hat sich an den Bör­sen wie­der ein­mal ge­zeigt, wie schnell die Stim­mung um­schla­gen kann. Tech­no­lo­gie­wer­te wie Ama­zon oder Wi­re­card – die noch im­mer zu den er­trag­reichs­ten seit Jah­res­be­ginn zäh­len – sind am Don­ners­tag be­son­ders tief nach un­ten ge­ras­selt, um sich am Frei­tag wie­der ein we­nig zu er­ho­len. Das En­de des Bul­len­markts dürf­te die­se Kor­rek­tur noch nicht be­deu­ten, sie könn­te aber ein Vor­zei­chen da­für sein, wie ei­ne sol­che Bais­se aus­se­hen könn­te – und wel­che Ak­ti­en man dann ha­ben soll­te.

Da­für lohnt sich ein Blick auf je­ne Ak­ti­en, die in der ver­gan­ge­nen Wo­che we­nig oder gar nicht ge­fal­len sind. Et­wa das Pa­pier des Wa­ren­haus-Un­ter­neh­mens Cost­co. Im Dow Jo­nes trotz­te der Ein­zel­händ­ler Wal­mart der Kor­rek­tur – ge­folgt von Dau­er­bren­ner App­le und McDo­nald’s. In Eu­ro­pa be­gab sich der Phar­ma- und Che­mie­kon­zern Bay­er auf ei­nen Er­ho­lungs­kurs. An­lei­hen wie­der at­trak­tiv. Die Grün­de: Zum ei­nen sind die Ren­di­ten für zehn­jäh­ri­ge US-An­lei­hen auf ein Sie­ben­jah­res­hoch ge­stie­gen. Zu­letzt be­tru­gen sie 3,16 Pro­zent. Das be­deu­tet, dass es für An­le­ger wie­der Al­ter­na­ti­ven zu Ak­ti­en gibt – und dass sie auch bei Ak­ti­en wie­der mehr Wert auf sta­bi­le Er­trä­ge le­gen. Hin­zu kommt, dass sich Ak­ti­en aus de­fen­si­ven Bran­chen (et­wa Han­del und Kon­sum) in der Kri­se bes­ser hal­ten als Zy­kli­ker (et­wa Au­to­her­stel­ler).

In der Spät­pha­se des Zy­klus soll­te man auf Sub­stanz­wer­te (Va­lue-Ak­ti­en) set­zen, rät Til­mann Gal­ler, Ka­pi­tal­markt­stra­te­ge bei JP Mor­gan As­set Ma­nage­ment. Sol­che zeich­nen sich durch sta­bi­le Er­trä­ge aus, wäh­rend die An­le­ger bei Wachs­tums­un­ter­neh­men erst in Zu­kunft mit sol­chen rech­nen (wes­halb die­se Ak­ti­en in Re­la­ti­on zu den ge­gen­wär­ti­gen Er­trä­gen oft teu­er sind). Wäh­rend der jüngs­ten Kri­se, der Fi­nanz­kri­se, ha­ben sich Va­lue-Ak­ti­en aber un­ter­durch­schnitt­lich ge­schla­gen, was auf die ho­he Ge­wich­tung von Fi­nanz­wer­ten zu­rück­zu­füh­ren war.

In den ver­gan­ge­nen fünf Ta­gen hielt sich im tech­no­lo­gie­las­ti­gen Nas­daq 100 die Groß­han­dels­ket­te Cost­co Who­le­sa­le Cor­po­ra­ti­on am bes­ten. Die Ak­tie hat seit Mit­te Sep­tem­ber ein we­nig kor­ri­giert. Die Ana­lys­ten se­hen jetzt im Schnitt ein Kurs­ziel von 241 Dol­lar, das liegt um neun Pro­zent über dem ge­gen­wär­ti­gen Kurs. Auch sind sie sich weit­ge­hend ei­nig, was die po­si­ti­ve Zu­kunft der Han­dels­ket­te be­trifft: 19 Kauf­emp­feh­lun­gen ste­hen elf neu­tra­len und nur ei­ner Ver­kaufs­emp­feh­lung ge­gen­über, wie Bloom­berg-Da­ten zei­gen.

Bei Wal­mart sind sich die Ex­per­ten nicht so ei­nig, ob­wohl der Ein­zel­händ­ler ei­nen mo­na­te­lan­gen Durch­hän­ger hin­ter sich ge­las­sen hat und fast wie­der auf All­zeit­hoch no­tiert. Zwar rät kei­ner zum Ver­kauf, doch gibt es mehr neu­tra­le als Kauf­emp­feh­lun­gen.

Ei­ne Hoch­stu­fung von „Hal­ten“auf „Kau­fen“kam kürz­lich von der Deut­schen Bank, die zu­gleich das Kurs­ziel von 89 auf 113 US-Dol­lar an­ge­ho­ben hat (der ak­tu­el­le Kurs liegt bei 95 Dol­lar). Der US-Ein­zel­han­dels­kon­zern ern­te nun die Er­trä­ge aus lang­jäh­ri­gen In­ves­ti­tio­nen in E-Com­mer­ce und Kun­den­ser­vice, hieß es. McDo­nald’s be­liebt. Grö­ße­re Ana­lys­ten­be­geis­te­rung schlägt McDo­nald’s ent­ge­gen. 25 Ana­lys­ten ge­ben der Fas­tFood-Ket­te ei­ne Kauf­emp­feh­lung, zehn ra­ten zum „Hal­ten“. Gold­man Sachs hält das Pa­pier auf sei­ner „Con­vic­tion Buy List“und hat das Kurs­ziel kürz­lich von 190 auf 192 Dol­lar an­ge­ho­ben. Be­hält Gold­man Sachs recht, wä­re das ein Kurs­an­stiegs­po­ten­zi­al von fast 18 Pro­zent. Vor­erst pro­fi­tie­re das Un­ter­neh­men von po­si­ti­ven Wäh­rungs­ef­fek­ten; ab Mit­te 2019 soll­ten auch der an­ge­kün­dig­te Um­bau der Fi­lia­len und die Ak­tua­li­sie­rung des Spei­se­an­ge­bots Früch­te tra­gen.

Bay­er kann sich in­des Hoff­nung ma­chen, dass das 289 Mil­lio­nen Dol­lar schwe­re Scha­den­er­satz­ur­teil in ei­nem Pro­zess um an­geb­lich ver­schlei­er­te Krebs­ris­ken von Un­kraut­ver­nich­tungs­mit­teln auf­ge­ho­ben wird. Das hat der Ak­tie die­ser Ta­ge Auf­trieb ver­lie­hen, am Frei­tag wur­de sie um 76 Eu­ro ge­han­delt. Das Ana­ly­sehaus Bern­stein sieht ein Kurs­ziel von 89 Eu­ro. Die Bran­che sei un­ter­be­wer­tet. Bay­er bie­te zwar vor al­lem lang­fris­tig Auf­wärts­po­ten­zi­al, ei­ne gu­te Ein­stiegs­ge­le­gen­heit er­ge­be sich aber schon jetzt.

Edu­ard St­ei­ner ist auf Ur­laub.

LET’S MA­KE MONEY er­scheint wie­der am 21. Ok­to­ber.

APA

Zu McDo­nald’s geht man – in Asi­en wie in Eu­ro­pa – auch in Kri­sen­zei­ten es­sen. Das ge­fällt den In­ves­to­ren.

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