»Trump ist un­ser Spie­gel«

In­ter­view. Jeff Bridges spielt in sei­nem neu­en Film »Bad Ti­mes at the El Roya­le« ei­nen ver­meint­li­chen Pries­ter. Im In­ter­view spricht er über Ge­mein­sa­mes mit Trump und Ka­va­n­augh, sei­ne gro­ße Lie­be, die mit ei­nem Un­fall be­gann, und sei­ne De­fi­ni­ti­on von »Ret

Die Presse am Sonntag - - Menschen - VON RÜ­DI­GER STURM

Bad Ti­mes at the El Roya­le“zeigt, wie sich die Schick­sa­le ver­schie­de­ner Cha­rak­te­re auf bi­zarr-ge­walt­tä­ti­ge Wei­se in ei­nem Ho­tel ver­stri­cken. We­ni­ger bru­tal, da­für wen­dungs­rei­cher sind die Ge­dan­ken­gän­ge von Haupt­dar­stel­ler Jeff Bridges. Wer mit dem 68-Jäh­ri­gen spre­chen darf, be­kommt Aus­sa­gen zu Brett Ka­va­n­augh, Lie­be auf den ers­ten Blick und der De­fi­ni­ti­on von „Ru­he­stand“. Im neu­en Film spie­len Sie ei­nen ver­meint­li­chen Pries­ter, bei dem ei­ner der Cha­rak­te­re die Beich­te ab­le­gen möch­te. Gibt es Sün­den, die Sie beich­ten wür­den? Jeff Bridges: Die gibt es, aber die ha­be ich al­le mei­ner Frau ge­stan­den, und sie hat mir Ab­so­lu­ti­on er­teilt. Al­ler­dings glau­be ich we­ni­ger an das Kon­zept der Sün­de. Es sind eher Fehl­trit­te, die dich vom rich­ti­gen Weg ab­kom­men las­sen. Meist ist der Grund da­für Igno­ranz. Ei­ni­ge Fi­gu­ren des Films ha­ben Schlim­me­res auf dem Kerb­holz als Igno­ranz. Was ist Ihr per­sön­li­ches Kon­zept ei­nes Bö­se­wichts? Wir al­le sind Bö­se­wich­te. Das Bö­se ist wie ein Krebs, der sich durch un­se­re gan­ze Ge­sell­schaft bis in un­se­re Her­zen ge­fres­sen hat. Kei­ner ist frei da­von. Und Leu­te wie Trump und Ka­va­n­augh ver­kör­pern ei­nen Teil un­se­res Selbst. Das heißt, in Ih­nen und mir ste­cken ein Trump und ein Ka­va­n­augh? Bis zu ei­nem ge­wis­sen Grad schon. Aber sie sind wie ein Spie­gel. Und in den müs­sen wir hin­ein­schau­en, um zu er­ken­nen, was wir ver­än­dern müs­sen. Sie klin­gen da­bei so ent­spannt. Ab­so­lut nicht. Ich bin zu­tiefst be­un­ru­higt über die US-Po­li­tik. Aber ich neh­me mei­ne Angst als Treib­stoff. Sie in­spi­riert mich, mei­nen Be­kannt­heits­grad für die Din­ge ein­zu­set­zen, die ich ver­än­dern möch­te. Los, Jun­ge! Ha­ben Sie sich des­halb jüngst auf dem Ti­mes Squa­re zu Yo­ko Ono ins Bett ge­legt? Sie sa­gen es. Das war ei­ne Re­mi­nis­zenz an Yo­kos und John Len­nons Ak­ti­on „Bed-In“, mit der sie vor rund 50 Jah­ren den Frie­den för­dern woll­ten. Et­was ab­surd, aber die Idee war wun­der­bar. Ih­re Frau war al­so nicht ei­fer­süch­tig? Nein, sie war auch in New York. Au­ßer­dem hat sich Rin­go Starr zu uns ge­legt. Sie sind seit mehr als 40 Jah­ren ver­hei­ra­tet. An­geb­lich war es Lie­be auf den ers­ten Blick. Rich­tig. Es war, als hät­te mich je­mand

Der ewi­ge „Du­de“

aus „The Big Le­bow­ski“wur­de 1949 in Los Angeles ge­bo­ren. Jeff Bridges war seit sei­nem Durch­bruch mit „Die letz­te Vor­stel­lung“in mehr als 50 gro­ßen Hol­ly­wood­fil­men zu se­hen, dar­un­ter „St­ar­man“, „Fe­arless“, „Iron Man“oder „Tron“. Für sei­ne Rol­le in „Cra­zy He­art“er­hielt er 2010 den Os­car als Bes­ter Haupt­dar­stel­ler.

Sein neu­er Film

„Bad Ti­mes at the El Roya­le“ist seit Frei­tag in den hei­mi­schen Ki­nos zu se­hen. k. o. ge­schla­gen. Ich dreh­te 1974 in Mon­ta­na, Sue ar­bei­te­te auf ei­ner Ranch. Ich konn­te mei­nen Blick nicht von ihr wen­den. Nicht nur, weil sie bild­hübsch war, auch, weil sie zwei blaue Au­gen und ei­ne ge­bro­che­ne Na­se hat­te. In mei­ner Fan­ta­sie war sie ver­prü­gelt wor­den, ich sah mich als gro­ßen Ret­ter. Wie sich her­aus­stell­te, hat­te sie ei­nen Au­to­un­fall ge­habt. Sie steu­ern auf die 70 zu, strah­len aber ei­ne ju­gend­li­che Ener­gie aus. Spü­ren Sie das Al­ter noch nicht in den Kno­chen? Klar. Aber es gibt auch ge­nü­gend Pha­sen, in de­nen ich mich wie 17 füh­le. Ich ha­be ei­nen gu­ten Freund, den Zen­meis­ter Ber­nie Glass­man, der das Wort „Ren­te“neu de­fi­niert. Im Eng­li­schen heißt es „re­ti­re­ment“– „ti­re“be­deu­tet „Rei­fen“. Für ihn be­deu­tet es al­so: „Du musst dir in dem Al­ter neue Rei­fen auf­zie­hen.“Das ist mei­ne Ein­stel­lung. Ich möch­te mein Le­ben noch ein­mal ein biss­chen auf­mi­schen, et­wa mit mei­ner Mu­sik. Gab es je ei­nen Punkt, an dem Sie der Schau­spie­le­rei mü­de wur­den? Vor mehr als 40 Jah­ren. Ich hat­te ei­ni­ge Fil­me ge­dreht, war für ei­nen Os­car no­mi­niert, aber ich war mir nicht si­cher, ob die Schau­spie­le­rei et­was für mich war. Ich woll­te mein nor­ma­les Le­ben zu­rück. Dann kam ein An­ge­bot für ei­ne Rol­le in „The Ice­man Co­meth“. Ich sag­te ab. Nach ei­ni­gen Dis­kus­sio­nen dach­te ich mir: „Ich ma­che ein Ex­pe­ri­ment, ich will wis­sen, ob ich da­für ge­macht bin. Wenn du ein Pro­fi bist, musst du das füh­len. Ich füh­le es nicht, mit die­sem Film schla­ge ich den letz­ten Na­gel in den Sarg mei­ner Schau­spiel­kar­rie­re.“ War­um ta­ten Sie’s dann doch nicht? Es war ein ein­zig­ar­ti­ger Dreh. Wir prob­ten acht Wo­chen lang, und dann spiel­ten wir fast wie im Thea­ter. Ich schau­te die­sen Meis­tern der Schau­spiel­kunst zu, Ro­bert Ryan oder Fred­ric March, und be­merk­te, dass die­se groß­ar­ti­gen Kol­le­gen im­mer noch ei­ne sol­che Ner­vo­si­tät hat­ten, weil sie un­be­dingt ih­re best­mög­li­che Leis­tung zei­gen woll­ten. March war über 70 und hat­te noch ei­ne Ener­gie, die to­tal an­ste­ckend war. Ich dach­te: Das kann ich den Rest mei­nes Le­bens ma­chen. Das ist wirk­lich cool.

Get­ty Images

wie mit 17 Jah­ren. oft füh­le er sich den­noch Sieb­zi­ger zu und sagt, Jeff Bridges geht auf den Freun­des, des Zen-Meis­ters. an den Weis­hei­ten sei­nes Viel­leicht liegt das auch

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