Euro­figh­ter: Be­trug zu be­wei­sen dürf­te sehr schwie­rig wer­den

Straf­recht. Dass die Re­pu­blik teu­er ein­ge­kauft hat, ist straf­recht­lich be­lang­los. Ob bes­se­re Auf­klä­rung durch Air­bus ge­hol­fen hät­te, ist un­klar.

Die Presse - - RECHTSPANORAMA - VON ANDRE­AS POLLAK RA MMag. Dr. Pollak ist Part­ner bei pet­sche pollak at­tor­neys at law. Er war zu­vor Staats­an­walt bei der Wirt­schafts- und Kor­rup­ti­ons­staats­an­walt­schaft. www.pet­sche­pollak.com

Wi­en. Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter Hans Pe­ter Do­sko­zil er­hebt in sei­ner Straf­an­zei­ge ge­gen die Euro­figh­ter Jagd­flug­zeug Gm­bH und die Air­bus De­fence and Space Gm­bH, zwei Ge­sell­schaf­ten des Air­busKon­zerns, schwer­wie­gen­de Be­trugs­vor­wür­fe. Er scheint über­zeugt da­von, dass die Task Force ei­nen der größ­ten Be­trugs­fäl­le der zwei­ten Re­pu­blik auf­ge­deckt hat.

Zwar ist die Anzeige bis­her nicht ver­öf­fent­licht wor­den; sehr wohl aber der Be­richt der Task Force Euro­figh­ter, der dem Mi­nis­ter die Anzeige emp­fiehlt. Er lässt weit­rei­chend auf den Inhalt der Straf­an­zei­ge schlie­ßen. Aus Sicht des Mi­nis­te­ri­ums ist der Euro­figh­ter im Ver­gleich zum Kon­kur­ren­ten Sa­ab Gri­pen in der An­schaf­fung und War­tung of­fen­bar zu teu­er. Au­ßer­dem wird der Ver­dacht ge­äu­ßert, dass Air­bus be­reits bei den Ver­trags­ver­hand­lun­gen 2003 und 2007 wuss­te, dass ei­ne frist­ge­rech­te Lie­fe­rung und Nach­rüs­tung der Kampf­flug­zeu­ge nicht mög­lich sein wür­de, und die Re­pu­blik über die­sen Um­stand be­wusst täusch­te.

Lob­bying­auf­wand ein­ge­preist

Bei nä­he­rer Be­trach­tung ist es aber zwei­fel­haft, dass der Ver­dacht straf­recht­li­che Kon­se­quen­zen we­gen Be­trugs nach sich zie­hen wird. Der Scha­den der Re­pu­blik soll u. a. dar­in lie­gen, dass nicht der güns­ti­ge­re Sa­ab Gri­pen an­ge­schafft wur­de und dass Zah­lun­gen an das Vek­torNetz­werk bzw. Lob­by­is­ten ein­ge­preist wur­den, die der Re­pu­blik kei­nen Nut­zen ge­bracht hät­ten. Ein sol­ches Scha­dens­ver­ständ­nis ent­springt wohl eher dem üb­li­chen Wunsch ei­nes Käu­fers, mög­lichst we­nig zu zahlen, hat im Re­gel­fall aber noch kei­ne straf­recht­li­che Be­deu­tung. Straf­recht­lich ist un­be­acht­lich, ob die Re­pu­blik aus heu­ti­ger Sicht aus Kos­ten­grün­den lie­ber an­de­re Flie­ger an­ge­schafft hät­te. Man kann den Vor­wurf auch mit dem Kauf ei­nes Pri­vat-Pkw ver­an­schau­li­chen: Wer das Mo­dell ei­nes Pre­mi­um­her­stel­lers kauft, kann sich spä­ter auch nicht dar­auf be­ru­fen, dass ihm ein Scha­den ent­stan­den sei, weil er kein güns­ti­ge­res Mo­dell er­wor­ben hat. Ein Be­trugs­scha­den ist zu­nächst ob­jek­tiv zu er­mit­teln und lä­ge nur dann vor, wenn der ob­jek­ti­ve Wert der an­ge­schaff­ten Euro­figh­ter den da­für be­zahl­ten Kauf­preis un­ter­schrei­tet. Der Scha­den ent­spricht dann der ob­jek­ti­ven Wert­dif­fe­renz.

In­ter­pre­ta­ti­ons­spiel­raum groß

Au­ßer­dem wä­re zu be­rück­sich­ti­gen, ob die er­wor­be­nen Kampf­flug­zeu­ge für die Re­pu­blik zu­mut­bar ver­wert­bar sind oder nicht, wo­mit sich der Be­richt aber nicht be­fasst hat. In An­be­tracht der Sel­ten­heit von gro­ßen Rüs­tungs­käu­fen in Ös­ter­reich und der Kom­ple­xi­tät von Rüs­tungs­ge­schäf­ten wird es bei der Be­stim­mung der maß­geb­li­chen Wer­te je­den­falls ei­nen im­men­sen In­ter­pre­ta­ti­ons­spiel­raum ge­ben, so­dass die Be­weis­füh­rung für die Staats­an­walt­schaft un­ge­mein schwie­rig wird.

Die­se Über­le­gung gilt auch für die von der Task Force an­ge­führ­ten Zah­lun­gen an Ver­mitt­ler und das Vek­tor-Netz­werk. Die Task Force merkt an, dass die­se Zah­lungs­flüs­se an und um das Vek­tor-Netz­werk teil­wei­se zu kri­mi­nel­len Zwe­cken er­folgt sein könn­ten. Klar ist, dass kri­mi­nel­le Hand­lun­gen kei­nes­falls to­le­riert wer­den dür­fen. Trotz­dem hät­ten Aus­ga­ben von Air­bus für Vek­tor – un­ge­ach­tet ih­res Zwecks – kei­ne Aus­wir­kun­gen auf den Wert der ge­lie­fer­ten Flie­ger und be­grün­den da­mit aus Sicht des Be­trugs­tat­be­stands kei­nen Scha­den. Ob an­de­re Straf­tat­be­stän­de er­füllt sein könn­ten, muss vor­erst un­be­ant­wor­tet blei­ben, da es die Task Force der In­ter­pre­ta­ti­on des Le­sers über­lässt, wel­che kri­mi­nel­len Zwe­cke ei­gent­lich kon­kret ge­meint sind.

Die Task Force führt in ih­rem Be­richt wei­ters aus, dass die Ver- tre­ter der Re­pu­blik im We­sent­li­chen über die Fä­hig­keit von Air­bus ge­täuscht wur­den, die Ab­fang­jä­ger frist­ge­recht zu lie­fern und frist­ge­recht nach­zu­rüs­ten, so­wie dar­über, dass Zah­lun­gen von Air­bus an Lob­by­is­ten bzw. das Vek­torNetz­werk ein­ge­preist wur­den.

Un­ko­or­di­nier­te Ko­ope­ra­ti­on

Straf­recht­li­che Täu­schung er­for­dert aber mehr. Die be­haup­te­te Täu­schung müss­te zu­min­dest mit­ur­säch­lich für die Kauf­preis­zah­lun­gen in ih­rer tat­säch­li­chen Hö­he ge­we­sen sein. Doch selbst die Task Force be­män­gelt die un­ko­or­di­nier­te Zu­sam­men­ar­beit der ver­schie­de­nen Mi­nis­te­ri­en beim Be­schaf­fungs­vor­gang und stellt sub­stan­zi­el­le In­for­ma­ti­ons­ver­lus­te bei de­ren Zu­sam­men­ar­beit fest. Da­durch wird es schwie­rig sein zu be­wei­sen, dass die Ent­schei­dungs­pro­zes­se in­ner­halb der Re­pu­blik an­ders ver­lau­fen wä­ren.

Nach Ein­schät­zung der Task Force soll auf die bei­den Air­busGe­sell­schaf­ten das Ver­bands­ver­ant­wort­lich­keits­ge­setz (VbVG) an­wend­bar sein, wel­ches die Straf­bar­keit ju­ris­ti­scher Personen vor­sieht. Der Kauf­ver­trag wur­de 2003 ab­ge­schlos­sen, wo­hin­ge­gen das VbVG erst 2006 in Kraft trat. Da­her stützt sich die Anzeige auf den 2007 ab­ge­schlos­se­nen Ver­gleich. Der Vor­wurf lau­tet, die Ge­sell­schaf­ten und die han­deln­den Personen wä­ren ver­pflich­tet ge­we­sen, die Re­pu­blik über ih­re seit 2003 be­ste­hen­den Irr­tü­mer auf­zu­klä­ren. Aber auch hier ist frag­lich, ob die an­geb­lich un­ter­las­se­nen Auf­klä­run­gen tat­säch­lich zu ei­ner Täu­schung und ei­nem Scha­den ge­führt ha­ben. Denn es ist of­fen, in­wie­weit die­se ge­for­der­ten Auf­klä­run­gen zu ei­nem güns­ti­ge­ren Ver­gleichs­ab­schluss ge­führt hät­ten.

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