Steu­ern

Ein­kom­men. Je­de Par­tei ver­spricht, die Steu­ern zu sen­ken. Um wie viel? Ei­ne vier­köp­fi­ge Fa­mi­lie könn­te zwi­schen 1830 und 8340 Eu­ro pro Jahr spa­ren. Zu­min­dest theo­re­tisch.

Die Presse - - VORDERSEITE - VON NOR­BERT RIEF

Ein Schlacht­ruf war in die­sem Wahl­kampf be­son­ders laut zu hö­ren: Die Steu­ern müs­sen hin­un­ter, den Ös­ter­rei­chern muss mehr Net­to vom Brut­to blei­ben. Um fünf Mil­li­ar­den Eu­ro sol­len die Ein­nah­men ge­senkt wer­den, um sie­ben Mil­li­ar­den, gar um zwölf bis 14 Mil­li­ar­den Eu­ro.

Aber was be­deu­ten die­se fan­tas­ti­schen Zah­len im wirk­li­chen Le­ben? Was be­deu­ten sie für ei­ne durch­schnitt­li­che ös­ter­rei­chi­sche Fa­mi­lie? Bei­spiels­wei­se für die Fa­mi­lie A., die in Wi­ens ach­tem Ge­mein­de­be­zirk zur Mie­te wohnt.

Pe­ter A. ist An­ge­stell­ter und ver­dient pro Mo­nat 3500 Eu­ro brut­to, sei­ne Frau ar­bei­tet 20 St­un­den pro Wo­che und er­hält da­für 1300 Eu­ro brut­to. Fa­mi­lie A. hat zwei Kin­der – zehn und zwölf Jah­re alt – und be­zahlt für die 103 Qua­drat­me­ter gro­ße Woh­nung mo­nat­lich 1430 Eu­ro Mie­te (da­von 161 Eu­ro Be­triebs­kos­ten).

Wie wür­den sich die Steuer­und Wahl­pro­gram­me auf die­se Fa­mi­lie aus­wir­ken? SPÖ, ÖVP, FPÖ, Grü­ne und Ne­os ha­ben ih­re Pro­gram­me durch­ge­rech­net, der Wie­ner Steu­er­be­ra­ter Gott­fried Schell­mann hat die Er­geb­nis­se für „Die Pres­se“auf Plau­si­bi­li­tät über­prüft. Das Er­geb­nis: Fa­mi­lie A. wür­de – so die je­wei­li­ge Par­tei ih­re Vor­stel­lun­gen voll­stän­dig um­set­zen kann – pro Jahr zwi­schen 1830 und 8340 Eu­ro we­ni­ger Steu­ern und Mie­te be­zah­len als bis­her.

Ober­gren­ze für Mie­te

Bei der SPÖ macht der größ­te Teil der Ent­las­tung die Ein­füh­rung ei­ner Miet­zins­ober­gren­ze aus und die Über­tra­gung der Be­triebs­kos­ten auf den Ver­mie­ter (dass sich am En­de ei­ne sol­che Über­tra­gung nicht auf den Miet­preis aus­wir­ken wür­de, ist frei­lich eher un­rea­lis­tisch). Die Brut­to­mie­te wür­de je­den­falls auf 950,50 Eu­ro im Mo­nat sin­ken, die Steu­er­ent­las­tung für die bei­den Ein­kom­mens­be­zie­her wä­re mo­nat­lich 54,15 Eu­ro. In Sum­me lä­ge die jähr­li­che Ent­las­tung bei 6403,80 Eu­ro.

Die ÖVP wen­det auf ih­re Rech­nung ver­schie­de­ne For­de­run­gen an: von der Ab­schaf­fung der kal­ten Pro­gres­si­on über den Steu­er­bo­nus für die Kin­der von je 1500 Eu­ro bis zur Sen­kung der ers­ten drei Steu­er­ta­rif­stu­fen. Da­mit kommt die Volks­par­tei ge­samt auf ei­ne Ent­las­tung von 4220 Eu­ro pro Jahr „spä­tes­tens ab 2022“. Steu­er­be­ra- ter Schell­mann kann ei­ni­ge De­tails nicht ganz nach­voll­zie­hen, weil teils Steu­er­ab­setz­be­trä­ge wie Zu­schüs­se be­rech­net sei­en.

Mit ei­ner Re­duk­ti­on der So­zi­al­ab­ga­ben im un­ters­ten Ein­kom­mens­be­reich er­gänzt die FPÖ ih­re Rech­nung. Da­zu kom­men eben­falls die Ab­schaf­fung der kal­ten Pro­gres­si­on, die steu­er­li­che Ab­setz­mög­lich­keit von „haus­halts­na­hen Di­enst­leis­tun­gen (Rei­ni­gung, Gar­ten­ar­bei­ten, Hand­werks­ar­bei­ten)“so­wie „Maß­nah­men beim Woh­nen durch ei­ne Ge­büh­ren­sen­kung“. Am En­de sind es 3697,56 Eu­ro pro Jahr, die auch Gott­fried Schell­mann nach­voll­zieh­bar fin­det.

Die Grü­nen kom­men auf die höchs­ten Ein­spa­run­gen von et­wa 8340 Eu­ro. Vor al­lem des­halb, weil der größ­te Bro­cken – die Miet­zins­er­spar­nis – mit 419 bis 589 Eu­ro pro Mo­nat an­ge­nom­men ist. Grund für die Schwan­kung sind die je nach Aus­stat­tung der Woh­nung fest­ge­leg­ten Miet­zins­ober­gren­zen. Mit dem Lohn­steu­er­mo­dell soll sich die Fa­mi­lie mo­nat­lich 120 Eu­ro er­spa­ren, durch ei­ne Öko­lo­gi­sie­rung der Steu­er­re­form kä­men wei­te­re 75 Eu­ro pro Mo­nat hin­zu.

Die Ne­os zo­gen für die Be­rech­nung nur ihr Lohn­steu­er­pro­gramm her­an, das am En­de für die Fa­mi­lie ei­ne Ent­las­tung von 1830 Eu­ro pro Jahr brin­gen wür­de. Zu­sätz­lich ad­dier­te die Par­tei die Be­trä­ge, die es durch ei­ne Sen­kung ver­schie­de­ner Ar­beit­ge­ber­ab­ga­ben ge­ben wür­de: 3160 Eu­ro wür­den sich Un­ter­neh­men dem­nach pro Jahr er­spa­ren.

In der po­li­ti­schen Rea­li­tät sind sol­che Rech­nun­gen frei­lich wie Wunsch­zet­tel ans Christ­kind. Ers­tens, weil kei­ne Par­tei ei­ne ab­so­lu­te Mehr­heit er­rin­gen wird. Es braucht al­so stets ei­nen Ko­ali­ti­ons­part­ner, um Re­for­men um­zu­set­zen, der aber mög­li­cher­wei­se ganz an­de­re Vor­stel­lun­gen hat. Und zwei­tens, weil aus Wahl­ver­spre­chen nicht au­to­ma­tisch Re­gie­rungs­pro­gram­me wer­den.

Ein hei­ßes The­ma im Wahl­kampf wa­ren Erb­schafts­steu­ern, die – je nach Pro­gramm – vie­le Fa­mi­li­en tref­fen könn­ten. Die Fron­ten ver­lau­fen in der Fra­ge sehr klar: Links der Mit­te ist man für Erb­schafts­steu­ern – SPÖ, Grü­ne –, rechts da­ge­gen – ÖVP, FPÖ, Ne­os.

Die SPÖ will, wie schon bei der ver­gan­ge­nen Steu­er­re­form de­bat- tiert, ei­ne so­ge­nann­te Mil­lio­närs­steu­er: Ab ei­ner Mil­li­on Eu­ro wä­ren 25 Pro­zent Steu­ern fäl­lig, ab fünf Mil­lio­nen sol­len die Er­ben be­reits 30 Pro­zent be­zah­len.

Das Mo­dell der Grü­nen setzt bei der Hälf­te an, da­für mit ge­rin­ge­ren Sät­zen: Ab 500.000 Eu­ro sol­len fünf Pro­zent an den Staat ab­ge­führt wer­den, ab Erb­schaf­ten in Hö­he von 750.000 Eu­ro sol­len es 15 Pro­zent sein, über ei­ner Mil­li­on wä­ren 25 Pro­zent fäl­lig, bei über zehn Mil­lio­nen 35 Pro­zent.

Für klei­ne­re und mit­tel­gro­ße Un­ter­neh­men sieht die SPÖ zehn Jah­res­ra­ten vor, die Grü­nen so­gar Ra­ten über 25 Jah­re.

Min­dest­lohn bis 1750 Eu­ro

Der Min­dest­lohn, auf den sich die So­zi­al­part­ner noch vor dem Ur­nen­gang ge­ei­nigt ha­ben – 1500 Eu­ro brut­to bis 2020 –, ge­nügt ei­ni­gen Par­tei­en nicht. Die Grü­nen for­dern 1750 Eu­ro pro Mo­nat, die FPÖ ist ge­spal­ten zwi­schen 1500 Eu­ro (Wahl­pro­gramm) und 1700 Eu­ro (Heinz-Christian Stra­che in TV-Dis­kus­sio­nen).

Die SPÖ lässt den Min­dest­lohn un­an­ge­tas­tet, will aber al­le Ein­kom­men bis 1500 Eu­ro steu­er­frei stel­len. Ne­os und ÖVP hal­ten den Min­dest­lohn für an­ge­mes­sen, die ÖVP will aber Ab­ga­ben­er­leich­te­run­gen um­set­zen.

[ Reuters ]

Fa­mi­li­en kön­nen sich über die Wahl­ver­spre­chen freu­en, aus de­nen frei­lich nicht im­mer Re­gie­rungs­pro­gram­me wer­den.

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