Wirt­schaft

Wirt­schaft. Ei­ne neue Grün­der­wel­le und die Sen­kung der Lohn­ne­ben­kos­ten sind das Ziel der Par­tei­en in ih­ren Wirt­schafts­pro­gram­men. Auch ei­ne alt­be­kann­te For­de­rung fin­det sich wie­der: der „One-Stop-Shop“zur Fir­men­grün­dung.

Die Presse - - VORDERSEITE - VON NOR­BERT RIEF

Wien. Wer auch im­mer die Na­tio­nal­rats­wahl am mor­gi­gen Sonn­tag ge­winnt, ei­nen kla­ren Ver­lie­rer gibt es: die Bü­ro­kra­tie. Denn die­ser sa­gen al­le Par­tei­en – zu­min­dest in ih­ren Wirt­schafts­pro­gram­men – den Kampf an.

Nur oh­ne bü­ro­kra­ti­sche Hür­den kön­ne es zur ei­ner Grün­der­wel­le kom­men, die Ös­ter­reich so drin­gend not­wen­dig ha­be, heißt es uni­so­no. Und um die Fir­men­grün­dung zu er­leich­tern, fin­det sich in al­len Pro­gram­men – bei SPÖ, ÖVP, FPÖ, Grü­nen, Ne­os – ein Alt­be­kann­ter: der „One-Stop-Shop“, der es mög­lich ma­chen soll, ein Un­ter­neh­men schnell, un­kom­pli­ziert und vor al­lem bei ei­nem ein­zi­gen Be­hör­den­gang an­zu­mel­den.

Ein zwei­ter Be­reich, in dem sich eben­falls al­le Par­tei­en ei­nig sind: Die Lohn­ne­ben­kos­ten müs­sen ge­senkt wer­den, da­mit die Un­ter­neh­mer mehr Men­schen be­schäf­ti­gen. Die SPÖ nennt bei- spiels­wei­se als ihr Ziel ei­ne Sen­kung um drei Mil­li­ar­den Eu­ro, da­mit wä­re je­der Be­schäf­tig­te für den Ar­beit­ge­ber um 500 Eu­ro bil­li­ger. Die Grü­nen wol­len mit ei­ner öko­so­zia­len Steu­er­re­form die Ab­ga­ben auf Ar­beit sen­ken – und zwar um vier Mil­li­ar­den Eu­ro.

Hef­tig dis­ku­tiert wur­de ein Vor­schlag der ÖVP, um In­ves­ti­tio­nen an­zu­kur­beln: Die Par­tei will die 25-pro­zen­ti­ge Kör­per­schaft­steu­er auf Ge­win­ne ab­schaf­fen, die nicht aus­ge­schüt­tet wer­den. So kön­ne man die Un­ter­neh­men da­zu brin­gen, mit dem Geld neue Ma­schi­nen an­zu­schaf­fen oder neue Ar­beits­stät­ten zu bau­en.

FPÖ und Ne­os ge­hen nicht ganz so weit, sie wol­len aber die Steu­er auf nicht ent­nom­me­ne Ge­win­ne auf 12,5 Pro­zent hal­bie­ren. Die Min­dest­kör­per­schafts­steu­er will die Volks­par­tei über­haupt ab­schaf­fen.

In die an­de­re Rich­tung ge­hen die Par­tei­en bei aus­län­di­schen Groß­kon­zer­nen. Dass die­se ih­re Ge­win­ne meist nicht in Ös­ter­reich ver­steu­ern, son­dern ins Aus­land trans­fe­rie­ren, soll nach SPÖ-Vor­stel­lun­gen zu ei­nem 25-pro­zen­ti­gen Straf­auf­schlag füh­ren.

Die ÖVP plant die Ein­füh­rung von „di­gi­ta­len Be­triebs­stät­ten“– Goog­le, Ama­zon oder Face­book müss­ten dann ih­re Steu­ern in Ös­ter­reich be­zah­len und könn­ten sie nicht in ein an­de­res, steu­er­lich güns­ti­ge­res Land ver­schie­ben. Die Grü­nen spre­chen sehr ge­ne­rell von der „Schlie­ßung von Steu­er­lü­cken“. FPÖ und Ne­os be­schäf­ti­gen sich mit die­sem The­ma in ih­ren Pro­gram­men nicht.

„Im­mer wie­der“kommt da­ge­gen der Ruf von FPÖ und Ne­os nach Ab­schaf­fung der Pflicht­mit­glied­schaft in der Ar­bei­ter- und der Wirt­schafts­kam­mer. Das Zwangs­sys­tem müs­se auf ein frei­wil­li­ges um­ge­stellt wer­den, dann wür­den die Kam­mern auch ef­fi­zi­en­ter ar­bei­ten. SPÖ und ÖVP wol­len da­von in ih­ren Pro­gram­men nichts wis­sen, die ÖVP möch­te aber klei­ne­re Re­for­men. Die Grü­nen wol­len die Mehr­fach­mit­glied­schaf­ten in der Wirt­schafts­kam­mer ab­schaf­fen und die Ge­samt­hö­he des Bei­trags de­ckeln.

Vie­le klei­ne­re Maß­nah­men sol­len grund­sätz­lich das Le­ben der Un­ter­neh­men in Ös­ter­reich er­leich­tern: ein Ablauf­da­tum für Ge­set­ze et­wa, wie die ÖVP möch­te, oder ein Ar­beits­in­spek­to­rat als Be­ra­tungs-, nicht als Be­stra­fungs­be­hör­de. Die Grü­nen möch­ten un­ter an­de­rem das Crowd­fun­ding er­leich­tern, die SPÖ, dass die Be­zah­lung von kran­ken Mit­ar­bei­tern in Kleinst­be­trie­ben zur Gän­ze von der AUVA über­nom­men wird.

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