Bahn frei für den Bu­wog-Pro­zess

Ab­ge­blitzt. Der Ver­fas­sungs­ge­richts­hof wies ei­ne Be­schwer­de ge­gen die Rich­te­rin zu­rück. Da­mit könn­te die Ver­hand­lung ge­gen Karl-Heinz Gras­ser und Co. im De­zem­ber be­gin­nen.

Die Presse - - ÖSTERREICH - VON MAN­FRED SEEH

Wien. Ist die im Bu­wog-Ver­fah­ren ak­ti­ve Rich­te­rin Ma­ri­on Ho­hen­ecker vom Straf­lan­des­ge­richt Wien über­haupt zu­stän­dig? Der für den mit­an­ge­klag­ten Im­mo­bi­li­en­mak­ler Ernst Karl Plech ins Ren­nen ge­hen­de An­walt Micha­el Roh­reg­ger sagt Nein. Doch der Ver­fas­sungs­ge­richts­hof (VfGH) wies ei­ne Be­schwer­de, mit der die Zu­stän­dig­keits­re­geln ge­kippt wer­den soll­ten, zu­rück.

Da­mit könn­te das seit Herbst 2009 lau­fen­de Kor­rup­ti­ons­ver­fah­ren um die 2003 er­folg­te Pri­va­ti­sie­rung von Bun­des­woh­nun­gen (Bu­wog) end­lich in die hei­ße Pha­se ein­tre­ten: Der Plan der Jus­tiz, un­be­dingt noch die­ses Jahr mit der Ver­hand­lung zu be­gin­nen (dies nicht zu­letzt aus op­ti­schen Grün­den), könn­te sich doch noch aus­ge­hen. Als mög­li­cher Pro­zess­start wird hin­ter den Ku­lis­sen der 11. De­zem­ber ge­nannt. Der Pro­zess ge­gen die 15 Bu­wog-An­ge­klag­ten, al­len vor­an Ex-Fi­nanz­mi­nis­ter Karl-Heinz Gras­ser, wird ver­mut­lich mehr als ein Jahr lang lau­fen.

For­ma­l­ent­scheid der Ver­fas­sungs­hü­ter

Dem An­trag­stel­ler, al­so Plech, feh­le es man­gels Vor­lie­gens ei­ner in ers­ter In­stanz ent­schie­de­nen Rechts­sa­che an der Le­gi­ti­ma­ti­on für den An­trag (die Be­schwer­de), meint das Höchst­ge­richt. Das heißt, die Ver­fas­sungs­rich­ter sto­ßen sich dar­an, dass es in der Straf­sa­che Bu­wog noch kein Ur­teil gibt. Und das heißt auch: Sie ha­ben über die Be­schwer­de gar nicht in­halt­lich ent­schie­den, son­dern rein for­mal.

An­lass für das Ein­schrei­ten der Ver­tei­di­gung war ein ab­leh­nen­der Be­schluss von Rich­te­rin Ho­hen­ecker über den Plech-An­trag auf ei­ne ge­büh­ren­freie Ko­pie des Bu­wog-Akts. Durch die Be­schluss­fas­sung be­wies Ho­hen­ecker, dass sie auch tat­säch­lich am­tiert. Doch eben­die­ser Be­schluss sei nur ei­ne Klei­nig­keit – er er­fül­le si­cher nicht die Be­din­gung ei­ner „in ers­ter In­stanz ent­schie­de­nen Rechts­sa­che“, heißt es nun sinn­ge­mäß sei­tens des VfGH.

Und: Die Bu­wog-An­ge­klag­ten könn­ten ja am En­de des Pro­zes­ses ei­ne Nich­tig­keits­be­schwer­de ein­brin­gen. „Die Mit­wir­kung ei­nes be­haup­te­ter­ma­ßen aus­ge­schlos­se­nen oder be­fan­ge­nen Rich­ters kann im schöf­fen­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren mit­tels Nich­tig­keits­be­schwer­de [. . .] gel­tend ge­macht wer­den [. . .]“, schreibt der VfGH.

An­ders ge­sagt: Erst wenn Rich­te­rin Ho­hen­ecker über die von Kor­rup­ti­ons­vor­wür­fen be­glei­te­te Bu­wog-Pri­va­ti­sie­rung ent­schie­den hat, kann die mög­li­che Un­zu­stän­dig­keit der Vor­sit­zen­den ein­ge­wen­det wer­den. Per Nich­tig­keits­be­schwer­de. Und dann könn­te auch der VfGH neu­er­lich ein­ge­schal­tet wer­den. Für An­walt Roh­reg­ger ist das gro­tesk. Denn wür­de in die­sem Fall ei­ne VfGH-Be­schwer­de Er­folg ha­ben, müss­te der Pro­zess wie­der­holt wer­den.

Span­nen­der An­trag des Staats­an­walts

Die von Roh­reg­ger be­haup­te­te Un­zu­stän­dig­keit rührt da­her: Der Bu­wog-Mit­an­ge­klag­te Ex-Im­mo­fi­nanz-Boss Karl Pe­tri­ko­vics ist auch in ei­nen Pro­zess um ei­nen Well­ness­tem­pel na­he Mo­na­co ver­strickt. Die dor­ti­ge Rich­te­rin: Ma­ri­on Ho­hen­ecker. Aber: Im Mo­na­co-Pro­zess gibt es ei­nen Mit­an­ge­klag­ten. Und der hat, ver­ein­facht aus­ge­drückt, auf Ge­heiß des OGH ei­ne an­de­re Rich­te­rin. Laut An­walt Roh­reg­ger müss­te dies hei­ßen, dass Pe­tri­ko­vics in Sa­chen Mo­na­co zur Rich­te­rin sei­nes Mit­an­ge­klag­ten wan­dert. So wür­de Ho­hen­ecker den An­ge­klag­ten Pe­tri­ko­vics ver­lie­ren. Und der ab­zie­hen­de Pe­tri­ko­vics müss­te das Bu­wog-Ver- fah­ren, in das er auch in­vol­viert ist, zu die­ser an­de­ren Rich­te­rin „mit­neh­men“. Wie ge­sagt: In­halt­lich hat der VfGH über die­se Ar­gu­men­ta­ti­on nicht ent­schie­den.

Ist nun das The­ma Zu­stän­dig­keit fürs Ers­te vom Tisch? Nein! Un­er­war­tet hat die Staats­an­walt­schaft vor Kur­zem in der Ver­hand­lung ge­gen den schon er­wähn­ten Pe­tri­ko­vics-Kom­pa­gnon ei­nen An­trag auf Ein­be­zie­hung des An­ge­klag­ten Pe­tri­ko­vics ge­stellt. Sehr zum Er­stau­nen al­ler Be­ob­ach­ter.

Gibt die Vor­sit­zen­de – es han­delt sich um Rich­te­rin Ca­ro­li­ne Cs­ar­mann – die­sem An­trag statt, wird es span­nend. Denn wenn Cs­ar­mann den An­ge­klag­ten Pe­tri­ko­vics zu sich ins Boot holt, „erbt“sie – Stich­wort: Zu­sam­men­zie­hung – wohl auch den Bu­wo­gPro­zess. Am 6. De­zem­ber könn­te über die­sen staats­an­walt­li­chen An­trag ent­schie­den wer­den; an die­sem Tag wird näm­lich die Ver­hand­lung ge­gen den Pe­tri­ko­vics-Kom­pa­gnon fort­ge­setzt.

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