Man gibt doch ei­ne Macht­po­si­ti­on nicht so ein­fach auf

Das Fest­klam­mern der So­zi­al­part­ner an ih­ren Macht­po­si­tio­nen ist die größ­te Re­form­brem­se.

Die Presse - - ECONOMIST - Jo­sef.ur­schitz@die­pres­se.com

D a soll noch ei­ner sa­gen, un­se­re Po­li­tik wä­re un­tä­tig oder gar in­ef­fi­zi­ent: Von Don­ners­tag auf Frei­tag ist es in ei­ner der un­mit­tel­bar vor Na­tio­nal­rats­wah­len re­gel­mä­ßig auf­tre­ten­den, für Steu­er­zah­ler meist ziem­lich teu­ren par­la­men­ta­ri­schen Vor­wahl­näch­te ge­lun­gen, mehr als den ge­sam­ten kon­junk­tur­be­ding­ten Zu­wachs bei den Steu­er­ein­nah­men zu ver­bra­ten. Zum Teil in recht frag­wür­di­gen Ak­tio­nen.

Bei­spiels­wei­se bei der recht­li­chen An­glei­chung von Ar­bei­tern und An­ge­stell­ten. Ei­ne Maß­nah­me, die lan­ge über­fäl­lig war, auch wenn sie et­was kos­tet. Die aber ge­ra­de we­gen die­ser Kos­ten ei­ne um­sich­ti­ge Vor­gangs­wei­se er­for­dert hät­te. Am Bes­ten auf Ebe­ne der Kol­lek­tiv­ver­trags­part­ner.

Da­für hät­ten Re­gie­rung und So­zi­al­part­ner je­de Zeit der Welt ge­habt: Über die Ab­schaf­fung die­ses aus dem 19. Jahr­hun­dert stam­men­den Anachro­nis­mus wird auf Ebe­ne der Re­gie­rungs­par­tei­en und der So­zi­al­part­ner seit min­des­tens 30 Jah­ren re­gel­mä­ßig dis­ku­tiert. Eben­so lan­ge blo­ckie­ren SPÖ und ÖVP samt ih­ren So­zi­al­part­ner­or­ga­ni­sa­tio­nen ein­an­der. Und dann wird ein Ge­setz in ei­ner Nacht­und Ne­bel­ak­ti­on im Rah­men ei­nes rot-blau­en Ko­ali­ti­ons-Pro­be­laufs oh­ne Be­gut­ach­tung in kür­zes­ter Zeit ein­fach durch­ge­peitscht.

Noch da­zu ein ziem­lich ver­pfusch­tes. Denn vie­les ist für die Um­set­zung die­ses Ge­set­zes noch lan­ge nicht ge­klärt.

Das Bes­te aber: Wir wer­den künf­tig zwar ver­nünf­ti­ger­wei­se kei­ne dienst­recht­li­chen Un­ter­schie­de zwi­schen Ar­bei­tern und An­ge­stell­ten mehr ha­ben, aber wei­ter­hin kei­nen ein­heit­li­chen Ar­beit­neh­mer­be­griff. Denn sonst müss­te man ja Ar­bei­ter­und An­ge­stell­ten­be­triebs­rä­te zu­sam­men­le­gen. Und da­mit die Macht­ba­sis der of­fen­bar doch ziem­lich macht­trun­ke­nen Ge­werk­schaf­ten ein we­nig schmä­lern.

Ein schö­ner Be­weis da­für, dass ei­ne der wich­tigs­ten Re­for­men in die­sem Land ei­ne In­sti­tu­tio­nen­re­form der So­zi­al­part­ner­schaft wä­re. Die­ses Sys­tem hat sich zu sehr ver­selbst­stän­digt und lie­fert (dies­falls auf Sei­ten der Ge­werk­schaft) den Be­weis für die Schäd­lich­keit von zu lan­ge ein­be­to­nier­ten Macht­po­si­tio­nen. D as Gan­ze hat näm­lich Me­tho­de: Auch bei den So­zi­al­ver­si­che­run­gen wer­den wir mit­tel­fris­tig ja ein­heit­li­che Leis­tun­gen und da­nach ir­gend­wann auch ein­heit­li­che Bei­trä­ge ha­ben. Aber, wie es aus­sieht, wei­ter­hin mehr als 20 So­zi­al­ver­si­che­rungs­trä­ger. Auch hier ste­hen näm­lich So­zi­al­part­ner­pöst­chen auf dem Spiel. So wird das mit der Struk­tur­re­form des Staa­tes lei­der nichts.

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