Ma­gna zeigt Tes­la, wie man ei­nen Elek­tro-Lkw baut

Au­to­in­dus­trie. Oh­ne gro­ßes Mar­ke­ting­ge­tö­se setzt Ma­gna in Graz zwei Elek­tro-Lkw ein. Der Test sorgt in der Bran­che für Auf­re­gung.

Die Presse - - ECONOMIST -

Graz. Nicht aus­zu­den­ken, Elon Musk hät­te mit ei­ner der­ar­ti­gen Ge­schich­te auf­war­ten kön­nen. Die Mar­ke­ting­ma­schi­ne­rie wä­re auf Hoch­tou­ren ge­lau­fen, CNN hät­te li­ve aus Palo Alto über­tra­gen, der Lkw hät­te ver­mut­lich mit sei­nem spe­zi­el­len De­sign un­zäh­li­ge Ti­tel­sei­ten ge­ziert, und so ganz ne­ben­bei hät­te wohl auch die Tes­la-Ak­tie end­lich wie­der Fahrt auf­ge­nom­men. Doch vom Lieb­kind der Me­di­en sind die­ser Ta­ge eher un­an­ge­neh­me Mel­dun­gen zu le­sen. Wäh­rend sich das Un­ter­neh­men aus dem Si­li­con Val­ley mit Rück­hol­ak­tio­nen plagt, geht in Graz still und heim­lich die Post ab.

Ma­gna hat näm­lich oh­ne gro­ßes Auf­se­hen da­mit be­gon­nen, sei­ne in­ter­ne Lo­gis­tik mit­hil­fe zwei­er Elek­tro-Lkw ab­zu­wi­ckeln. Das Un­ter­neh­men fand es nicht der Mü­he wert, das Gan­ze ge­zielt ei­ner brei­ten Öf­fent­lich­keit kund­zu­tun. Die Sa­che si­cker­te viel­mehr durch. Und zwar nicht dank gut in­for­mier­ter Mo­tor­jour­na­lis­ten oder Lo­gis­tik­ex­per­ten, son­dern auf­grund ei­ner au­ßer­ge­wöhn­li­chen Ak­ti­en­ge­schich­te. So emp­fiehlt et­wa das deut­sche Fi­nanz­ma­ga­zin „Der Ak­tio­när“die Ma­gna-Ak­tie seit ge­rau­mer Zeit zum Kauf. Die Ak­tie des ka­na­di­schen Au­to­zu­lie­fe­rers stieg seit An­fang des Jah­res um fast 25 Pro­zent. Auch in jüngs­ter Zeit per­formt das Pa­pier au­ßer­ge­wöhn­lich gut.

Seit Don­ners­tag­abend ist die Kat­ze nun auch of­fi­zi­ell aus dem Sack. „Ma­gna Steyr setzt am Stand­ort Graz ab so­fort zwei emis­si­ons­freie und laut­lo­se Elek­tro-Lkw als in­ter­nen Lo­gis­tikshut­tle ein“, ließ der Kon­zern die Öf­fent­lich­keit wis­sen. Doch dass zwei un­schein­ba­re Lkw, die nun zwi­schen der neu­en Ka­ros­se­rie­bau­hal­le und der La­ckier­an­la­ge hin- und her­pen­deln, der­ar­ti­ge Wel­len schla­gen, ist nur ein win­zig klei­ner Teil der Ge­schich­te.

Hin­ter dem Test­lauf steckt et­was mehr. Erst vor Kur­zem war be­kannt ge­wor­den, dass der vom Stei­rer Frank Stro­nach ge­grün­de­te Au­to­zu­lie­fe­rer ge­mein­sam mit BMW und In­tel am Bau ei­nes au­to­no­men Fahr­zeugs ar­bei­tet. Das Kon­sor­ti­um hat sich zum Ziel ge­setzt, bis 2021 ei­ne Tech­no­lo­gie zu ent­wi­ckeln, die selbst­fah­ren­de Au­tos stra­ßen­taug­lich macht.

Ko­ope­ra­ti­on mit BMW, In­tel

Mit die­sem Schritt schaff­te Ma­gna den Ein­tritt in ei­nen sehr schlag­kräf­ti­gen und il­lus­tren Au­to­mo­bil­klub. Denn In­tel und BMW ha­ben sich ih­rer­seits längst mit Bran­chen­grö­ßen wie Fi­at-Chrys­ler, Con­ti­nen­tal, Mo­bi­leye oder Del­phi zu­sam­men­ge­schlos­sen, um den Schritt in Rich­tung au­to­no­mes Fah­ren ef­fi­zi­en­ter und vor al­lem kos­ten­güns­ti­ger zu voll­zie­hen.

Und wie wich­tig Ma­gna bei die­ser Ent­wick­lung ist, zeigt auch die Aus­sa­ge von BMW-Vor­stands­mit­glied Klaus Fröh­lich. Die­ser er­klär­te vor we­ni­gen Ta­gen: „Wir sind dank­bar, Ma­gna als den nächs­ten Haupt-In­dus­trie-Play­er bei un­se­rer Platt­form be­grü­ßen zu dür­fen.“

Wäh­rend al­so in Graz zwei Elek­tro-Lkw ge­müt­lich und laut­los durch die Ge­gend fah­ren, war­tet man bei Tes­la auf die Prä­sen­ta­ti­on des Elek­tro-Lkw Tes­la Se­mi vor­erst ver­geb­lich. Mit­te Sep­tem­ber muss­te Tes­la-Chef Elon Musk ein­ge­ste­hen, dass der von ihm als „Biest“be­zeich­ne­te Truck nur mit vier Wo­chen Ver­spä­tung her­ge­zeigt wer­den kön­ne. Mitt­ler­wei­le wa­ckelt auch der neue Ter­min. Da­für über­schlägt sich der ge­bür­ti­ge Süd­afri­ka­ner mit Su­per­la­ti­ven. Der neue Tes­la-Lkw fah­re sich wie ein Sport­wa­gen, po­saun­te er. Über­haupt wer­de es oh­ne­hin nur um die Fra­ge ge­hen: „Wie vie­le kön­nen wir kau­fen, und wie schnell sind sie er­hält­lich?“

Bei Ma­gna in Steyr hört sich Eu­pho­rie dann doch et­was bo­den­stän­di­ger an. „Mit die­sem in­no­va­ti­ven Trans­port­kon­zept und den ers­ten E-Lkw ge­hö­ren wir in Ös­ter­reich ganz klar zu den Vor­rei­tern auf die­sem Ge­biet“, sag­te Ma­gnaMa­na­ger Wolf­gang Zitz zur „Klei­nen Zei­tung“.

Die 18-Ton­nen-Sat­tel­zug­ma­schi­nen sei­en ge­mein­sam mit dem Trans­port­dienst­leis­ter Tem­mel, BTAn­la­gen­bau und Lkw-Bau­er Fra­mo ent­wi­ckelt wor­den. Wäh­rend der Lkw be- oder ent­la­den wird, wird üb­ri­gens auch die Bat­te­rie voll­au­to­ma­tisch auf­ge­la­den. (gh/ag)

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