Schon wie­der ei­ne Wahl

Die Presse - - MENSCHEN/VERANSTALTUNGEN - VON MIR­JAM MARITS E-Mails an: mir­jam.marits@die­pres­se.com

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wür­de Ih­nen an die­ser Stel­le gern ein paar lau­ni­ge Sät­ze da­zu schrei­ben, wie so ein sie­ben­jäh­ri­ges Kind die mor­gi­gen Wah­len sieht, aber ich ha­be lei­der schlech­te Neu­ig­kei­ten: Ich or­te bei die­ser in et­wa ei­nem Jahr­zehnt Wahl­be­rech­tig­ten be­reits ei­ne ge­wis­se Po­li­tik­ver­dros­sen­heit. Und zwar, man kann es durch­aus ver­ste­hen, seit dem end­los lan­gen Bun­des­prä­si­dent­schafts­wahl­kampf im Vor­jahr. („Jetzt müs­sen wir noch­mal wäh­len ge­hen?“) Bei der Wi­en­wahl 2015 war das noch ganz an­ders: Da hat sich das Kind sehr für die Par­tei­en, vor al­lem für de­ren Far­ben in­ter­es­siert. Da­mals schien sich ein gro­ßes Po­ten­zi­al als Wech­sel­wäh­le­rin ab­zu­zeich­nen, da das Kind, je nach­dem, wel­chen Wahl­wer­bern wir ge­ra­de be­geg­ne­ten, zum so­for­ti­gen Par­tei­wech­sel be­reit war. Zu­erst hat dem Kind Ma­ria Vas­silak­ou gut ge­fal­len, weil sie uns höchst­per­sön­lich ei­ne Stoff-Ein­kaufs­ta­sche über­reicht hat und seit­her bei uns da­heim als „Die Frau mit der Ta­sche“fir­miert (Häupl ist „der Chef von Wien“). Dann teil­ten uns die Ro­ten Glücks­kek­se aus und ei­nen Pro­spekt, in dem ein Frei­bad zu se­hen war: Schon war das Kind auf Rot um­ge­schwenkt, der Luft­bal­lon tat ein Üb­ri­ges.

Heu­er sind wir am Schul­weg glück­li­cher­wei­se kaum Wahl­wer­bern in die Ar­me ge­lau­fen, nur ein­mal drück­ten uns tür­kis­far­ben ge­klei­de­te Men­schen früh­mor­gens Trau­ben­zu­cker in die Hand. (Kind: „Tür­kis gibt es jetzt auch?“) Von den vie­len Dis­kus­si­ons­run­den in den ver­gan­ge­nen Wo­chen war das Kind schon ziem­lich ge­nervt, vor al­lem, weil es vor die Wahl ge­stellt wur­de, ent­we­der pünkt­lich bis 20.15 Uhr zu schla­fen oder mit­zu­schau­en. Ein gu­tes Drohsze­na­rio: Nach ein, zwei Dis­kus­si­ons­aben­den schlief es frei­wil­lig pünkt­lich zur Haupt­abend­sen­de­zeit. Und sonst? Se­bas­ti­an Kurz dürf­te im Freun­des­kreis The­ma sein, weil sei­ne Fri­sur so streng sitzt wie die Pe­rü­cken der Le­go­männ­chen und H.-C. Stra­che fiel dem Kind auf, weil er auf ei­nem Foto ein auf­fäl­li­ges Hals­tuch trug: „Mit To­ten­köp­fen drauf, Ma­ma. Da­bei ist noch gar nicht Hal­lo­ween.“

Stimmt. In die­sem Sin­ne: Ein span­nen­des Wahl­wo­chen­en­de!

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