Neu­er Re­kord bei Job­mi­gran­ten

Ar­beits­markt. Dem star­ken Zu­zug von Un­garn und Ru­mä­nen ist es zu ver­dan­ken, dass bei uns im Vor­jahr das Ar­beits­kräf­te­po­ten­zi­al um 51.087 Personen auf fast vier Mil­lio­nen ge­stie­gen ist.

Die Presse - - ECONOMIST - VON CHRIS­TI­AN HÖLLER

Noch nie stan­den dem ös­ter­rei­chi­schen Ar­beits­markt so vie­le Ar­beits­kräf­te zur Ver­fü­gung. Dies zei­gen die Vor­jah­res­zah­len über das Ar­beits­kräf­te­po­ten­zi­al, die der „Pres­se“vor­lie­gen. Das Ar­beits­kräf­te­po­ten­zi­al ist ne­ben den Ar­beits­lo­sen­zah­len ei­ne wich­ti­ge Kenn­zahl, die viel über das Funk­tio­nie­ren und die At­trak­ti­vi­tät ei­nes Ar­beits­markts aus­sagt. Kon­kret um­fasst das Ar­beits­kräf­te­po­ten­zi­al al­le Personen, die in ei­ner Volks­wirt­schaft dem Ar­beits­markt zur Ver­fü­gung ste­hen. Da­zu ge­hö­ren al­le Er­werbs­tä­ti­gen und Ar­beits­lo­sen. Im Vor­jahr ist in Ös­ter­reich das Ar­beits­kräf­te­po­ten­zi­al um 51.087 Personen auf knapp vier Mil­lio­nen ge­stie­gen.

Wie ei­ne Aus­wer­tung des Haupt­ver­bands der So­zi­al­ver­si­che­rungs­trä­ger und des Ar­beits­markt­ser­vice zeigt, ist das Plus in ers­ter Li­nie dem Zu­zug von aus­län­di­schen Ar­beits­kräf­ten zu ver­dan­ken. Von den 51.088 Personen, die im Vor­jahr zu­sätz­lich dem Ar­beits­markt zur Ver­fü­gung stan­den, hat­ten nur 6706 Personen die ös­ter­rei­chi­sche Staats­bür­ger­schaft.

Po­li­tisch bri­san­te Zah­len

Ein star­kes Wachs­tum gab es bei den Un­garn. Die Zahl der Un­garn, die in Ös­ter­reich ei­ner Er­werbs­ar­beit nach­gin­gen oder als ar­beits­los ge­mel­det wa­ren, stieg im Vor­jahr um 7270 auf 90.257 Personen. Die Sta­tis­tik weist auch bei den Ru­mä­nen ein star­kes Plus auf – und zwar um 6137 auf 56.094 Personen. Auch vie­le Men­schen aus der Slo­wa­kei, aus Ser­bi­en, aus Kroa­ti­en und aus Po­len zieht es nach Ös­ter­reich.

Die Zah­len sind po­li­tisch bri­sant. An­ders als bei den Ar­beits­lo­sen wird dar­über nicht in Pres­se­aus­sen­dun­gen be­rich­tet. Seit Jah­ren be­mü­hen sich in Ös­ter­reich ver­schie­de­ne Re­gie­run­gen, den Zu­zug von ost­eu­ro­päi­schen Ar- beits­kräf­ten ein­zu­schrän­ken. Zu­nächst ver­lang­te der frü­he­re Ar­bei­ter­kam­mer-Di­rek­tor Wer­ner Muhm (SPÖ) ei­ne ent­spre­chen­de Not­fall­klau­sel. Un­ter dem frü­he­ren Bun­des­kanz­ler Chris­ti­an Kern (SPÖ) wur­de der Be­schäf­ti­gungs­bo­nus ein­ge­führt. Da­mit soll­ten in ers­ter Li­nie In­län­der ge­för­dert wer­den. Der neue Kanz­ler, Se­bas- tian Kurz (ÖVP), stopp­te den Bo­nus. ÖVP und FPÖ prü­fen nun ei­ne Ver­län­ge­rung der Ar­beits­be­schrän­kung für Kroa­ten. Vor al­lem die FPÖ steigt hier auf die Brem­se.

Vie­le ost­eu­ro­päi­sche Län­der ha­ben mitt­ler­wei­le nied­ri­ge­re Ar­beits­lo­sen­quo­ten als in We­st­eu­ro­pa. En­de Jän­ner ver­mel­de­ten die Sta­tis­tik­be­hör­de in Un­garn, dass in Un­garn die Ar­beits­lo­sen­ra­te vom vier­ten Quar­tal 2016 bis zum vier­ten Quar­tal 2017 von 4,4 Pro­zent auf 3,8 Pro­zent ge­sun­ken ist. Laut An­ga­ben der un­ga­ri­schen Sta­tis­tik­be­hör­de ar­bei­ten mitt­ler­wei­le 103.000 Un­garn im Aus­land.

Für ost­eu­ro­päi­sche Un­ter­neh­men wird es im­mer schwie­ri­ger, ge­eig­ne­te Fach­kräf­te zu fin­den. Vie­le Re­gie­run­gen in Ost­eu­ro­pa set­zen Maß­nah­men, um die Ab­wan­de­rung von jun­gen und qua­li­fi­zier­ten Men­schen zu stop­pen.

Pro­ble­me in Ost­eu­ro­pa

Im Vor­jahr ver­öf­fent­lich­te die Kre­dit­ver­si­che­rung Co­f­ace ei­ne Stu­die, wo­nach die Brut­to­löh­ne in Ru­mä­ni­en und Bul­ga­ri­en seit 2010 um mehr als 30 Pro­zent und in Un­garn und in Po­len um mehr als 20 Pro­zent ge­stie­gen sind.

Doch das reicht nicht aus, um die Ab­wan­de­rung zu stop­pen. Laut Co­f­ace sind von 2010 bis 2014 in Al­ba­ni­en 25,9 Pro­zent der Be­völ­ke­rung aus­ge­wan­dert. In Ru­mä­ni­en wa­ren es 19,4 Pro­zent, in Bul­ga­ri­en 13,8 Pro­zent, in Bos­ni­en und Her­ze­go­wi­na 11,3 Pro­zent, in Kroa­ti­en 8,1 Pro­zent und in Un­garn 7,1 Pro­zent.

Nicht nur Ost­eu­ro­pä­er, son­dern auch vie­le Deut­sche zieht es nach Ös­ter­reich. So ist das Ar­beits­kräf­te­po­ten­zi­al von deut­schen Staats­bür­gern, die dem ös­ter­rei­chi­schen Ar­beits­markt zur Ver­fü­gung stan­den, im Vor­jahr um 3398 Personen ge­stie­gen. Die Deut­schen stel­len mit 103.990 po­ten­zi­el­len Ar­beits­kräf­ten im­mer noch die größ­te Aus­län­der­grup­pe auf dem ös­ter­rei­chi­schen Ar­beits­markt, da­hin­ter fol­gen die Un­garn (90.257 Personen) und die tür­ki­schen Staats­bür­ger (68.872). Das Ar­beits­kräf­te­po­ten­zi­al aus an­de­ren west­eu­ro­päi­schen EU-Län­dern klet­ter­te im Vor­jahr um 2410 Personen. Wie vie­le Ös­ter­rei­cher ins Aus­land ge­zo­gen sind, geht aus die­ser Sta­tis­tik nicht her­vor.

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