Die So­lo-Show des Mar­kus Sö­der

Deutsch­land. Beim Po­li­ti­schen Ascher­mitt­woch in Passau prä­sen­tier­te sich Bay­erns de­si­gnier­ter Mi­nis­ter­prä­si­dent als neu­er star­ker Mann der CSU. Er rich­te­te ei­ne Kampf­an­sa­ge ge­gen die AfD.

Die Presse - - INLAND - VON THO­MAS VIEREGGE

Wi­en/Passau. Beim all­jähr­li­chen Hoch­amt der CSU, dem Po­li­ti­schen Ascher­mitt­woch in Passau, führ­te ges­tern der Zu­fall Re­gie. Par­tei­chef und Noch-Mi­nis­ter­prä­si­dent Horst See­ho­fer war an Grip­pe er­krankt, und dar­um hat­te Mar­kus Sö­der de fac­to die Büh­ne in der Drei­län­der­hal­le für sich al­lein. Es war qua­si ei­ne aus­glei­chen­de Ge­rech­tig­keit für den Fi­nanz­mi­nis­ter. Im Vor­jahr hat­te See­ho­fer sei­nen Ri­va­len nicht ein­mal aufs Pla­kat dru­cken las­sen. Da­bei hat­te er als Ge­ne­ral­se­kre­tär und Vor­red­ner des Mi­nis­ter­prä­si­den­ten Ed­mund Stoi­ber jah­re­lang hier den Ein­peit­scher ge­ge­ben.

Mit brei­ter Brust und hoch­ge­reck­tem Kinn mar­schier­te Sö­der in Trach­tens­ak­ko – ganz wie der neue „Ki­ni“(Kö­nig) – un­ter Ge­johl und zu den Klän­gen des De­fi­lier­marschs in die Hal­le, was ei­gent­lich nur dem Mi­nis­ter­prä­si­den­ten ge­bührt, wie Sö­der au­gen­zwin­kernd an­merk­te. In ein paar Wo­chen wird er das Szep­ter See­ho­fers in der Münch­ner Staats­kanz­lei über­neh­men. Der 51-Jäh­ri­ge ge­noss den Auf­tritt in vol­len Zü­gen: „Ich bin wie­der zu­rück in mei­nem Re­vier.“

Sei­ne knapp ein­ein­halb­stün­di­ge Re­de mar­kier­te den Wahl- kampf­auf­takt für die Land­tags­wahl in acht Mo­na­ten. In der An­spra­che klang al­les an, was der CSU „hei­lig“ist: das Be­kennt­nis zur christ­lich­a­bend­län­di­scher Prä­gung, das Sö­der in der Ver­fas­sung ver­an­kern will; die Be­kräf­ti­gung des Cre­dos des CSU-Pa­tri­ar­chen Franz-Jo­sef Strauß, wo­nach rechts von der CSU kei­ne „de­mo­kra­tisch-le­gi­ti­mier­te Par­tei“exis­tie­ren dür­fe; An­grif­fe ge­gen die „Cha­os­trup­pe“der SPD und die Rechts­po­pu­lis­ten von der AfD, ein Sam­mel­su­ri­um von rech­ten Sek­tie­rern, die nicht zur „Er­satz-Uni­on“auf­stei­gen dür­fe. Die CSU bangt im Ok­to­ber um die ab­so­lu­te Mehr­heit und fürch­tet ins­be­son­de­re die Kon­kur­renz der AfD.

„Ber­li­ner Ver­hält­nis­se“

Zu Be­ginn der Fas­ten­zeit bot die Ver­an­stal­tung bei Weiß­bier und Fisch­sem­mel An­lass zum Nach­ha­ken und Nach­tre­ten ge­gen die po­li­ti­schen Gegner. So pries Bay­erns de­si­gnier­ter Re­gie­rungs­chef die Vor­zü­ge des Frei­staats als Vor­rei­ter für Deutsch­land, um um­so schär­fer vor „Ber­li­ner Ver­hält­nis­sen“zu war­nen – ei­ner po­li­ti­schen In­sta­bi­li­tät, wie sie die Ko­ali­ti­ons­ver­hand­lun­gen in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten ma­ni­fes­tiert hät­ten. „Die GroKo darf kein Not­stands­pakt sein.“

In sei­ner So­lo-Show be­ton­te Sö­der die Stär­ken der CSU bei The­men wie in­ne­rer Si­cher­heit und Hei­mat – zwei Fel­der, die kon­se­quen­ter­wei­se See­ho­fer als Su­per­mi­nis­ter in der neu­en Gro­ßen Ko­ali­ti­on in Ber­lin be­set­zen wird. Dass Bay­ern just in der Grenz­stadt Passau die Zen­tra­le der Grenz­po­li­zei in­stal­lie­ren wird, stieß auf gro­ßen Bei­fall. „Die Zu­wan­de­rung hat in Deutsch­land al­les ver­än­dert.“

Die CSU müs­se die „bür­ger­li­che Mit­te“wie die „de­mo­kra­ti­sche Rech­te“an­spre­chen, ap­pel­lier­te er. Die Par­tei ha­be ih­re Kri­se über­stan­den. „Wir sind stär­ker als zu­vor, ge­schlos­sen und kampf­be­reit“, dröhn­te Sö­der, der vor Selbst­be­wusst­sein strot­ze: „Wir ha­ben den Kom­pass, den Kurs und die Kraft.“

Im Kon­trast da­zu prä­sen­tier­te sich der in­te­ri­mis­ti­sche SPD-Chef in Vilshofen, 20 Ki­lo­me­ter do­nau­auf­wärts, ab­ge­se­hen von Sti­che­lei­en ge­gen Mer­kel und See­ho­fer so, als müss­te er den Ko­ali­ti­ons­pakt vor zu­tiefst ver­un­si­cher­ten Par­tei­gän­gern an­prei­sen – und gera­de­zu han­sea­tisch-nüch­tern. Für Olaf Scholz, den Ham­bur­ger Bür­ger­meis­ter und künf­ti­gen Fi­nanz­mi­nis­ter, war der Auf­tritt ei­ne Art Ge­ne­ral­pro­be für den Auf­takt zu den Re­gio­nal­kon­fe­ren­zen am Wo­chen- en­de in sei­ner Hei­mat­stadt. Er war ver­kühlt und sicht­lich an­ge­schla­gen von den jüngs­ten Tur­bu­len­zen in der SPD – wie die de­si­gnier­te Par­tei­che­fin Andrea Nah­les, die kräch­zend die Lo­sung aus­gab: „Das geht nicht in die Ho­se.“

Statt­hal­ter für Andrea Nah­les

15 St­un­den zu­vor hat­te das SPDPrä­si­di­um Scholz als Statt­hal­ter für Nah­les im Ber­li­ner Wil­ly-Brand­tHaus vor­über­ge­hend mit der Füh­rung der Par­tei be­traut. Ne­ben Si­mo­ne Lan­ge, der Ober­bür­ger­meis­te­rin in Flens­burg, mel­de­te ein zwei­ter An­wär­ter aus dem ho­hen Nor­den sei­ne Kan­di­da­tur für den SPD-Par­tei­tag am 22. April in Wies­ba­den an: Dirk Dietrich aus Dith­mar­schen in Schles­wig-Hol­stein. Zum ver­söhn­li­chen Aus­klang des Po­lit-Kar­ne­vals ent­schul­dig­te sich Sig­mar Ga­b­ri­el bei Mar­tin Schulz.

Ne­ben FDP-Chef Chris­ti­an Lind­ner und Grü­nen-Chef Ro­bert Ha­beck stieg abends auch An­ge­la Mer­kel in ih­rer po­li­ti­schen Hei­mat Meck­len­burg-Vor­pom­mern in den Ring. Die Kanz­le­rin soll­te das letz­te Wort ha­ben – ge­gen in­ter­ne Kri­ti­ker wie Ex-Mi­nis­ter Vol­ker Rü­he, der ihr „de­sas­trö­se“Ver­hand­lun­gen vor­warf, die Op­po­si­ti­on und den Ko­ali­ti­ons­part­ner SPD.

[ APA ]

Vor weiß-blau­er Ku­lis­se, den Far­ben des Frei­staats, schwor Mar­kus Sö­der die CSU auf die Land­tags­wahl im Herbst ein. Bay­erns de­si­gnier­ter Mi­nis­ter­prä­si­dent pro­pa­gier­te die Stär­ken der „Bay­ern­par­tei“.

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