Die Po­li­zei­uni­form könn­te es bald ein­fa­cher ge­ben

Aus­bil­dung. Die Po­li­zei hat schon jetzt mas­si­ve Pro­ble­me, ge­eig­ne­te Be­wer­ber zu fin­den – nur ei­ner von zehn Kan­di­da­ten er­füllt die An­sprü­che. Wer soll die neu­en Plan­stel­len be­set­zen?

Die Presse - - INLAND - VON CHRIS­TI­NE IMLINGER

Wi­en. Die Zu­las­sung zum Po­li­zei­dienst soll ein­fa­cher wer­den, das heißt es aus dem In­nen­mi­nis­te­ri­um. Schon jetzt hat die Po­li­zei das Pro­blem, dass der Groß­teil der Kan­di­da­ten un­ge­eig­net ist: Im Mi­nis­te­ri­um heißt es, neun von zehn Be­wer­bern schei­den aus, in der Ge­werk­schaft ist von sechs die Re­de. Klar ist: Die Po­li­zei ha­te in Re­kru­tie­rungs pro­blem–und jetzt sol­len zu­sätz­li­che Stel­len be­setzt wer­den?

Ein Lö­sungs­an­satz im In­nen­mi­nis­te­ri­um: Das Aus­wahl­ver­fah­ren soll in ein Stu­fen­ver­fah­ren ab­ge­än­dert wer­den – wer ei­ne Stu­fe schafft, darf zur nächs­ten an­tre­ten. Und: Stan­dards könn­ten ge­lo­ckert wer­den. Zum Bei­spiel, was Tä­to­wie­run­gen be­trifft, hat In­nen­mi­nis­ter Her­bert Kickl (FPÖ) an­klin­gen las­sen, mehr weiß man da­zu noch nicht. Die Vor­ga­ben für die zwei­jäh­ri­ge Gr­und­aus­bil­dung sind der­zeit klar: Min­dest­al­ter 18, ein­wand­frei­er Le­u­mund, er­folg­rei­cher Recht­schreib- und Gram­ma­tik­test, In­tel­li­genz- und Per­sön­lich­keits­test. Ein Be­wer­ber muss voll hand­lungs­fä­hig und kör­per­lich ge­eig­net sein.

„Jung, ge­sund und frei“?

Das heißt: Nicht un­ter- oder über­ge­wich­tig sein (wo­bei der Rah­men groß­zü­gig ist), Ein­schrän­kun­gen bei Seh­schwä­chen oder All­er­gi­en, kei­ne Tä­to­wie­run­gen, die bei kurz­är­me­li­ger Som­mer­uni­form sicht­bar sind. Und auch ein Sport­test aus Be­we­gungs­ko­or­di na­ti­on s test, Lie­ge­stüt­zen, 3000-Me­ter-Lauf, 100 Me­ter Schwim­men und ei­ner R et tungs­si­mu­lat ion muss­be st an- den wer­den. „Bist Du jung, ge­sund und frei, komm zur Wie­ner Po­li­zei“, so lau­te­te in den Sieb­zi­gern ein Slo­gan – seit­her wur­den die An­for­de­run­gen ge­lo­ckert. Aus An­ti­dis­kri mi­ni erungs grün­den, bzw. um Per­so­nal zu fin­den. So ha­ben seit 2012 auch äl­te­re (zu­vor lag die Gren­ze bei 30 Jah­ren) und klei­ne­re (zu­vor galt 1,63 Me­ter bei Frau­en, 1,68 bei Män­nern) Kan­di­da­ten ei­ne Chan­ce. Über­ge­wich­tig oder be­hin­dert darf man nicht sein. Seit 2010 dür­fen sich (Ex-)Zi­vil­die­ner be­wer­ben. Auch, was die kör­per­li­che Er­schei­nung be­trifft, wur­den Richt­li­ni­en ge­lo­ckert.

Die sechs bis neun von zehn Be­wer­bern schei­tern aber oh­ne­hin an an­de­rem: Vor al­lem am Recht­schreib- und Gram­ma­tik­test, oft man­gelt es über­haupt an Deutsch­kennt­nis­sen, ob­wohl die Staats- bür­ger­schaft Vor­aus­set­zung ist. Laut Ge­werk­schaft ha­be sich auch der kör­per­li­che Zu­stand der Kan­di­da­ten ver­schlech­tert.

Stan­dards zu sen­ken, da­ge­gen weh­ren sich Po­li­zei­ge­werk­schaf­ter: An psy­cho­lo­gi­scher und kör­per­li­cher Eig­nung so­wie bei Sprach­kennt­nis­sen dür­fe man nicht rüt­teln, so der (FCG-)Po­li­zei­ge­werk­schaf­ter Her­mann Grey­lin­ger. Lo­cke­run­gen kann er sich bei All­er­gi­en oder Tä­to­wie­run­gen vor­stel­len. Auch bei Fehl­sich­tig­keit ge­be es even­tu­ell Spiel­raum. Das Auf­sto­cken der Plan­stel­len sieht er po­si­tiv, or­tet aber an­de­re Hin­der­nis­se: „Um die Leu­te aus­zu­bil­den, brau­chen wir 100 Leh­rer mehr, wir ha­ben jetzt schon 50 zu we­nig und fin­den kei­ne, weil Po­li­zis­ten als Aus­bild­ner we­ni­ger ver­die­nen. So schnell wird das al­les nicht ge­hen.“

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