Schwä­bi­scher Ma­ler­meis­ter hilft dem Loi­pen­exot

Lang­lauf. Pi­ta Tauf­ato­fua tritt im 15-Ki­lo­me­ter-Ren­nen an. Der 101 Ki­lo­gramm schwe­re Ko­loss aus Ton­ga, der bei der Er­öff­nungs­fei­er mit nack­tem Ober­kör­per ins Sta­di­on spa­zier­te, „will ins Ziel kom­men und bit­te nicht Letz­ter wer­den.“

Die Presse - - INLAND -

Mit nack­tem Ober­kör­per hat­te Pi­ta Tauf­ato­fua bei der Er­öff­nungs­fei­er der Win­ter­spie­le in Pyeong­chang sei­nen gro­ßen Auf­tritt. Am Frei­tag tritt der Ath­let aus Ton­ga zum Wett­kampf an: 15 Ki­lo­me­ter Lang­lauf im frei­en Stil, da­mit ist der Exot end­gül­tig auch ein Aus­nah­me­kön­ner. 2016 war er bei Som­mer­olym­pia in Rio am Start im Tae­kwon­do. 2018 ver­sucht er sich in der Loi­pe.

Mit schwä­bi­scher Hil­fe hat er sich für die­se Win­ter­spie­le qua­li­fi­ziert. Tho­mas Ja­cob er­in­nert sich ge­nau an die­sen Frei­tag, ei­nen 13., im Jän­ner 2017. Aus Pful­len­dorf in Ober­schwa­ben war der In­ha­ber ei­nes Ma­ler- und La­ckie­rer­be­trie­bes zum Stutt­gar­ter Flug­ha­fen ge­fah­ren, um den Mann ab­zu­ho­len, den er für ein Lang­lauf­ren­nen trai­nie­ren soll­te. Ja­cob, 53, staun­te nicht schlecht, als er den 115 Ki­lo­gramm schwe­ren, star­ken Ko­loss sah, der Schnee zu­vor nur vom Hö­ren­sa­gen kann­te: Pi­ta Tauf­ato­fua, 34.

Den Kon­takt stell­te der Münch­ner Ste­ve Grund­mann her, der als Sport­di­rek­tor beim Ski­ver­band von Ton­ga ar­bei­tet. „Ich ha­be dem Trai­ner gleich auf dem Flug­ha­fen ge­sagt, dass ich ihn nicht be­zah­len kann“, sag­te Tauf­ato­fua. Ja­cob woll­te oh­ne­hin kein Geld. Er heg­te den Wunsch, dass der Ath­let ihn, ei­nen Übungs­lei­ter aus dem Kin­der- und Brei­ten­sport, nur zu Olym­pia bringt.

Als Kind war Tauf­ato­fua kränk­lich und schmäch­tig, träum­te aber von Olym­pia – und schaff­te den Sprung zum Tae­kwon­do nach Rio. Für den Win­ter such­te er sich „die här­tes­te al­ler Her­aus­for­de­run­gen“aus, wie er sagt, den Skilanglauf.

„Nicht ge­gen Baum fah­ren“

Ja­cob brach­te Tauf­ato­fua bei sich da­heim im Ju­gend­zim­mer der aus­wärts stu­die­ren­den Toch­ter un­ter. Er füll­te die Scho­ko­la­den­vor­rä­te auf, wenn der Gast sie nach ei­nem har­ten Trai­nings­tag nachts leer ge­fut­tert hat­te. Und er scheuch­te ihn durch die Loi­pen. Im Bre­gen­zer­wald, im All­gäu, quer durch Ober­schwa­ben. Nach ein paar Wo­chen war Tauf­ato­fua so weit, dass er bei der WM in Lah­ti an­tre­ten konn­te. Für die be­kam er ei­nen Quo­ten­platz. Für Pyeong­chang muss­te er je­doch Qua­li­fi­ka­ti­ons­punk­te sam­meln.

Für Rei­sen und Ma­te­ri­al sam­mel­te er Spen­den­gel­der. Er punk­te­te bei Ski­rol­ler-Ren­nen in Ko- lum­bi­en, am vor­letz­ten Tag der Zu­las­sungs­pha­se ge­lang ihm in Is­land die Qua­li­fi­ka­ti­on. Nach Tauf­ato­fuas Auf­tritt bei der Er­öff­nungs­fei­er, als er bei Mi­nus­gra­den mit blan­kem Ober­kör­per ins Sta­di­on mar­schiert war, star­tet er über 15 Ki­lo­me­ter. „Es wird hart für ihn“, weiß der Trai­ner. „Der vor­letz­te Platz – das wä­re sein Traum.“

Ir­gend­ei­nen Exo­ten wird der Ko­loss aus Ton­ga viel­leicht hin­ter sich las­sen. Tauf­ato­fua hat we­nig auf Schnee trai­niert, nur zwölf Wo­chen wa­ren es. Im­mer­hin hat er seit dem ers­ten Tref­fen mit dem Trai­ner 15 Ki­lo­gramm ab­ge­speckt. Nach 1:30-St­un­den wä­re er gern am Ziel, rund ei­ne St­un­de nach dem Olym­pia­sie­ger. „Ich möch­te nicht ge­gen ei­nen Baum fah­ren, ich möch­te das Ziel er­rei­chen.“

Im Mo­ment kann er sich je­doch noch nicht auf das Ren­nen kon­zen­trie­ren. Sei­ne Ge­dan­ken wan­dern oft in sei­ne von ei­nem Wir­bel­sturm heim­ge­such­te Hei­mat. Erst ein Te­le­fo­nat brach­te Ru­he in sei­nen Traum. (fin/dpa)

Pi­ta Tauf­ato­fua tauscht sein Er­öff­nungs­Out­fit bald ge­gen den Renn­an­zug.

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