Wi­en­wert fehlt Geld für Sa­nie­rung

Plei­te. Die Mut­ter des Im­moun­ter­neh­mens, die WW Hol­ding, ist in Kon­kurs und wird li­qui­diert. Die Hälf­te ih­rer Töch­ter ist wert­los und wird eben­falls in die In­sol­venz ge­schickt.

Die Presse - - ECONOMIST - VON HEDI SCHNEID

Die Il­lu­si­on hielt nur zwei Wo­chen: Am 1. Fe­bru­ar hat die in­sol­ven­te WW Hol­ding, Dach­ge­sell­schaft des Im­mo­bi­li­en­un­ter­neh­mens Wi­en­wert, den An­trag auf ein Sa­nie­rungs­ver­fah­ren oh­ne Ei­gen­ver­wal­tung ge­stellt. Jetzt, kurz vor der ers­ten Gläu­bi­ger­ver­samm­lung am Frei­tag, steht fest, dass die Sa­nie­rung nicht mög­lich ist. Weil das Geld da­zu fehlt – KSV-Ex­per­te Hans-Ge­org Kant­ner spricht von zwölf Mio. Eu­ro.

Die WW-Hol­ding muss­te da­her am Mitt­woch in Ab­stim­mung mit In­sol­venz­ver­wal­ter Nor­bert Abel den Sa­nie­rungs­plan zu­rück­zie­hen. Die Kon­se­quenz: die WW Hol­ding ist in Kon­kurs und wird ab­ge­wi­ckelt, wie Abel mit­teil­te. Aber nicht nur das: Von den 17 Be­tei­li­gun­gen, die die WW Hol­ding laut Fir­men­buch hält, dürf­te gut die Hälf­te kein Ver­mö­gen auf­wei­sen. Abel wird da­her auch für die­se Ge­sell­schaf­ten, so­fern Zah­lungs­un­fä­hig­keit oder Über­schul­dung vor­liegt, ein In­sol­venz­ver­fah­ren be­an­tra­gen.

Bleibt der Rest der WW-Töch­ter, in ers­ter Li­nie die Wi­en­wert. Die will Abel so gut wie mög­lich ver­wer­ten, um für die 900 Gläu­bi­ger, die mit 34,4 Mio. Eu­ro bei 16 An­lei­hen in­ves­tiert sind, das Ma­xi­mum her­aus­zu­ho­len. Im In­sol­venz­an­trag sind die Ak­ti­va mit 18,8 Mio. Eu­ro an­ge­ge­ben, wo­von 9,8 Mio. Eu­ro auf die Wi­en­wert ent­fal­len. Al­ler­dings ist die Wi­en­wert an zwei Ge­sell­schaf­ten („Wi­en­wert Ge­trei­de­markt 10 Im­mo­bi­li­en­be­sitz Gm­bH“und „WW 5WH150 Gm­bH“) ver­pfän­det. Da­mit wur­den zwei Dar­le­hen von ins­ge­samt 8,7 Mio. Eu­ro be­si­chert.

Zu gro­ße Hoff­nun­gen soll­ten sich die Bond-Zeich­ner nicht ma­chen, denn im Kon­kurs gibt es im Un­ter­schied zum Sa­nie­rungs­ver­fah­ren kei­ne Quo­te. „Wir sind um ei­nen struk­tu­rier­ten Pro­zess be­müht, um mög­lichst viel für die Gläu­bi­ger zu er­rei­chen“, sag­te Abel in die­sem Zu­sam­men­hang zur „Pres­se“. Das be­deu­te, vor al­lem für die Wi­en­wert ei­nen Käu­fer zu fin­den.

In­ter­es­sen­ten gibt es schon. Ein deut­sches Un­ter­neh­men wur­de von den bei­den Wi­en­wert-Grün­dern, Wolf­gang Se­del­may­er und Ni­kos Ba­kir­zog­lu, ins Spiel ge­bracht. Wie die „Pres­se“er­fuhr, wur­de Abel ges­tern, Mitt­woch, von den Deut­schen ein An­ge­bot über 4,2 Mio. Eu­ro über­mit­telt. Es soll in ers­ter Li­nie auf ei­ne Wi­en­wert-Lie­gen­schaft in Tulln ab­zie­len. Ein wei­te­res Of­fert soll bei vier Mio. Eu­ro lie­gen. Der Bie­ter ist nicht be­kannt, Im­mo­bi­li­en-Ty­coon Re­ne´ Ben­ko ist es nicht – wie­wohl er ur­sprüng­lich In­ter­es­se ge­zeigt hat­te. Of­fen ist, ob die Fa­mi­lie Burk­hard (Maz­da Rai­ner, Im­mo­bi­li­en/Ho­tels) noch da­bei ist, Ernst Burk­hard ver­wies auf ei­ne Ver­trau­lich­keits­er­klä­rung.

Die An­ge­bo­te – wie vie­le es letzt­lich auch sind – ka­men je­den­falls punkt­ge­nau. Ges­tern fand ei­ne WW-Haupt­ver­samm­lung statt – be­ste­hend aus Se­del­may­er, Ba­zir­kog­lu, Drit­tel-Ei­gen­tü­mer und Noch-Vor­stand Ste­fan Gru­ze so­wie Abel. The­ma war der Li­qui­da­ti­ons-Sta­tus und der Ver­kauf.

Um die Wi­en­wert ver­äu­ßern zu kön­nen, braucht Abel de­ren „Ko­ope­ra­ti­ons­part­ner“. Das ist die Bun­des­pen­si­ons­kas­se (BPK). Mit ihr ging die Wi­en­wert Mit­te 2017 ei­ne Ko­ope­ra­ti­on ein, kon­kret wur­de mit dem der BPK ge­hö­ren­den Lu­xem­bur­ger Si­cav-Fonds ein Syn­di­kats­ver­trag ge­schlos­sen. Des­halb ge­riet die BPK ins Kreuz­feu­er der Kri­tik. In ei­nem Bie­ter­ver­fah­ren, wie es Abel plant, hat die BPK zu glei­chen Kon­di­tio­nen ein Auf­griffs­recht. So die BPK nicht zu­schlägt, was be­reits kol­por­tiert wird, wür­de sie Part­ner des neu­en Wi­en­wert-Be­sit­zers wer­den. Bis­her sol­len es zwei Pro­jek­te ge­ben.

Fak­tum ist je­den­falls, dass Gru­ze, der 2016 als Sa­nie­rer ge­holt und seit­her Drit­tel­ei­gen­tü­mer so­wie Vor­stand der WW Hol­ding und von Wi­en­wert ist, mit Ein­lei­tung des Kon­kurs­ver­fah­rens ent­mach­tet ist. Abel über­nimmt näm­lich in den zu ver­wer­ten­den WW-Töch­tern die Ge­schäfts­füh­rung.

Da­mit ist Gru­ze mög­li­cher­wei­se aber nicht aus der Ver­ant­wor­tung für die Plei­te. Denn „der In­sol­venz­ver­wal­ter wird sich in Ab­stim­mung mit dem Gläu­bi­ger­aus­schuss mit ei­nem Team von fünf Ju­ris­ten un­ter Bei­zie­hung von Sach­ver­stän­di­gen von der wirt­schaft­li­chen und recht­li­chen La­ge Kennt­nis ver­schaf­fen und ins­be­son­de­re die Bi­lan­zie­rung und Ge­schäfts­ge­ba­rung auf Ver­trags­und Ge­setz­mä­ßig­keit über­prü­fen“, ließ Abel wis­sen.

[ Cle­mens Fa­b­ry ]

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