Von „Mons­ter“bis „Figh­ter“: Et­was ist faul in Hol­ly­wood

Die Presse - - WIEN - VON KÖKSAL BALTACI E-Mails an: ko­ek­sal.baltaci@die­pres­se.com

Das

ist doch kein ge­sun­des Sys­tem mehr. Für die Rol­le des ehe­ma­li­gen US-Vi­ze­prä­si­den­ten Dick Che­ney im Bio­pic „Vice“, das im De­zem­ber ins Ki­no kommt, hat „Bat­man“-Darstel­ler Chris­ti­an Ba­le rund 20 Ki­lo zu­ge­nom­men. Mit Glat­ze, Bauch und stark ge­schminkt ist er im ers­ten Trai­ler kaum wie­der­zu­er­ken­nen. Es ist nicht das ers­te Mal, dass er für ei­nen Film an sei­ne kör­per­li­chen Gren­zen geht. Man den­ke an „Der Ma­schi­nist“, „Ame­ri­can Hust­le“und „The Figh­ter“, für die er je­weils stark zu- oder ab­ge­nom­men hat.

Und er ist auch nicht der Ein­zi­ge, der sich bis zur Un­kennt­lich­keit ver­än­dert, um ei­ne Rol­le zu be­kom­men oder sie glaub­wür­dig zu spie­len. Char­li­ze The­ron zum Bei­spiel nahm für „Mons­ter“und zu­letzt für „Tul­ly“ex­trem zu. So wie Ja­red Le­to für „Ch­ap­ter 27“. Oder Matt Da­mon für „Der In­for­mant“.

Nun ist es schon nach­voll­zieh­bar, dass sich ein Schau­spie­ler für die Ent­wick­lung ei­ner Rol­le im Lauf ei­nes Films op­tisch ver­än­dert. Wie et­wa Tom Hanks in „Cast Away“, als er zu­nächst zu- und dann ab­nahm. Oder Ro­bert De Ni­ro, der am An­fang von „Wie ein wil­der Stier“aus­sah wie ein Box­pro­fi und für das En­de des Films dra­ma­tisch an Ge­wicht zu­leg­te.

Aber war­um nimmt man zwei schlan­ke, durch­trai­nier­te, gut aus­se­hen­de Men­schen wie Chris­ti­an Ba­le und Char­li­ze The­ron und lässt sie un­ge­pfleg­te, über­ge­wich­ti­ge Cha­rak­te­re ver­kör­pern? Gibt es denn kei­ne (be­kann­ten) Schau­spie­ler, die die­se Rol­len oh­ne phy­si­sche Trans­for­ma­ti­on spie­len könn­ten? Das Si­gnal an jun­ge Men­schen, die mit ei­nem Kof­fer voll Hoff­nung los­zie­hen, um sich ih­ren Traum von der Schau­spie­le­rei zu er­fül­len, ist je­den­falls fa­tal: Wenn ihr nicht aus­seht wie Su­per­mo­dels, bleibt am bes­ten zu Hau­se!

Denn statt auf Cha­rak­ter­ty­pen zu set­zen, greift man in Hol­ly­wood lie­ber auf bei­na­he ma­kel­lo­se Men­schen zu­rück, ver­passt ih­nen die nö­ti­gen Ma­kel und war­tet auf den – un­er­klär­li­chen – Ju­bel des Pu­bli­kums. Denn der kommt so si­cher wie der Os­car.

Newspapers in German

Newspapers from Austria

© PressReader. All rights reserved.