Ban­ko­mat­ge­büh­ren teil­wei­se er­laubt

Ban­ken dür­fen ih­ren Kun­den künf­tig Be­he­bungs­ent­gel­te, die von Dritt­an­bie­tern ver­langt werden, ver­rech­nen.

Die Presse - - FINANZEN - VON CHRIS­TI­NE KARY

Das Ver­bot von Ban­ko­mat­ge­büh­ren ist teil­wei­se ver­fas­sungs­wid­rig. Das hat der Ver­fas­sungs­ge­richts­hof (VfGH) nun ent­schie­den (G 9/2018). Kon­kret hat er ei­ne Be­stim­mung im Ver­brau­cher­zah­lungs­kon­to­ge­setz ge­kippt, die be­sagt, dass Ban­ken ih­re Kun­den von Ge­büh­ren be­frei­en müs­sen, die un­ab­hän­gi­ge Dritt­an­bie­ter von Geld­au­to­ma­ten für Be­he­bun­gen ver­rech­nen.

Sol­che Ge­rä­te fin­den sich vor al­lem an stark fre­quen­tier­ten Plät­ze, et­wa auf Bahn­hö­fen, Flug­hä­fen oder in Ein­kaufs­zen­tren. Die Neu­re­ge­lung war ver­gan­ge­nen Herbst, knapp vor den Neu­wah­len, auf­grund ei­nes SPÖ-An­trags be­schlos­sen wor­den und heu­er im Jän­ner in Kraft ge­tre­ten. Rund 500 ös­ter­rei­chi­sche Geld­in­sti­tu­te hat­ten dar­auf­hin prompt ei­ne Ge­set­zes­prü­fung durch das Höchst­ge­richt be­an­tragt. Ih­nen war auch ei­ne wei­te­re Be­stim­mung ein Dorn im Au­ge. Näm­lich, dass Ban­ken all­fäl­li­ge Ent­gel­te für Bar­geld­be­he­bun­gen, die sie selbst ver­rech­nen wol­len, mit den Kun­den „im Ein­zel­nen“aus­han­deln müs­sen. In die­sem Punkt er­teil­te ih­nen der VfGH ei­ne Absage: Die Re­ge­lung stel­le kei­ne Ver­let­zung ih­res Grund­rechts auf Ei­gen­tum dar. „Es ist nicht un­ver­hält­nis­mä­ßig, wenn kon­to­füh­ren- den Zah­lungs­dienst­leis­tern die Pflicht auf­er­legt wird, Ver­brau­chern tat­säch­lich meh­re­re Zah­lungs­kon­to­ta­rif­mo­del­le an­zu­bie­ten“, heißt es in der Ent­schei­dung. Die Ban­ken dür­fen Ta­rif­mo­del­le mit Ent­gel­ten für Ein­zel­be­he­bun­gen so­mit auch künf­tig nur dann an­bie­ten, wenn es als Al­ter­na­ti­ve auch Kon­ten mit Pau­scha­lent­gelt gibt und der Kun­de frei wäh­len kann.

Ganz ge­ne­rell an­er­kennt der Ge­richts­hof, dass die an­ge­foch­te­nen Re­ge­lun­gen dem Ver­brau­cher­schutz die­nen und da­mit im öf- fent­li­chen In­ter­es­se ge­le­gen sind. Das Ver­bot, Kun­den die Ent­gel­te für die Bar­geld­be­he­bung bei Au­to­ma­ten von un­ab­hän­gi­gen Dritt­an­bie­tern zu ver­rech­nen, geht ihm trotz­dem zu weit: Das Höchst­ge­richt be­män­gelt, dass un­ab­hän­gi­ge Dritt­an­bie­ter Ent­gel­te für Bar­geld­be­he­bun­gen frei fest­set­zen kön­nen und dann die Ban­ken, die die Ban­ko­mat­kar­ten aus­ge­ge­ben ha­ben, da­mit be­las­tet werden, ob­wohl sie kei­ne Ver­trags­be­zie­hung mit den Dritt­an­bie­tern ha­ben. Das be­deu­te ein Kos­ten­ri­si­ko für die Ban­ken, zu­mal es für sie „in al­ler Re­gel nicht vor­her­seh­bar ist, wie häu­fig und in wel­chem Um­fang Ver­brau­cher Bar­geld­be­he­bun­gen bei Geld­aus­ga­be­au­to­ma­ten von un­ab­hän­gi­gen Dritt­an­bie­tern tä­ti­gen werden“.

Künf­tig muss man al­so, wenn man Geld bei ei­nem Au­to­ma­ten ei­nes Dritt­an­bie­ters be­hebt, das Ent­gelt da­für (wie­der) selbst be­zah­len. Die Dritt­an­bie­ter müs­sen den Be­he­bungs­vor­gang aber trans­pa­rent ge­stal­ten, die Kos­ten müs­sen klar er­sicht­lich sein und die Trans­ak­ti­on darf nur zu­stan­de­kom­men, wenn man dem Ent­gelt zu­stimmt. Das gilt ab so­fort (ab Ver­öf­fent­li­chung der VfGH-Ent­schei­dung im Bun­des­ge­setz­blatt). Ge­büh­ren, die die Ban­ken in der Ver­gan­gen­heit für ih­re Kun­den über­nom­men ha­ben, kön­nen aber nicht rück­ver­rech­net werden.

Die ers­ten Re­ak­tio­nen auf die Ent­schei­dung fie­len un­ter­schied­lich aus. Die SPÖ pocht wei­ter­hin auf ein ge­ne­rel­les Ver­bot von Ban­ko­mat­ge­büh­ren, die Ar­bei­ter­kam­mer will die Ban­ken für ei­ne „flä­chen­de­cken­de Ver­sor­gung mit Bar­geld“in die Pflicht neh­men. Und Ver­brau­cher­schüt­zer Pe­ter Kol­ba kom­men­tier­te den Spruch der Höchst­rich­ter knapp: „Wahl­kampf­zu­ckerln ha­ben oft ein kur­zes Le­ben.“Wür­den Re­ge­lun­gen „hin­ge­pfuscht“, kom­me da­nach „zu­wei­len das bö­se Er­wa­chen“.

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